Langenfeld: Stadtmuseum zeigt Tiere in der Kunst

Langenfeld: Stadtmuseum zeigt Tiere in der Kunst

Im Langenfelder Freiherr-vom-Stein-Haus sind Arbeiten von Josef Hegenbarth (1884-1962) zu sehen. Dessen Zeichnungen und Illustrationen bilden in ihrer Gesamtheit ein kritisches wie malerisches Abbild des 20. Jahrhunderts.

"Heute bin ich im Zirkus, morgen gehe ich in den Zoo. Dazwischen sehe ich mir die Leute auf der Straße an und beobachte sie in der Trambahn." Dieses Zitat drückt relativ verständlich Josef Hegenbarths inneren und äußeren Antrieb aus, beinahe sechs Jahrzehnte von Beginn des 20. Jahrhunderts an künstlerisch tätig gewesen zu sein. Der Besucher des Stadtmuseums im Freiherr-vom-Stein-Haus kann in den Ausstellungsräumen unter dem Titel "Jongleur mit Stift und Feder - Josef Hegenbarth. Illustrator des 20. Jahrhunderts" einen Teil des Repertoires dieses präzisen Beobachters bestaunen. "Mit wenigen Strichen hat er Persönlichkeit und Ausdruck einer Figur, einer Gruppe, einer Situation eingefangen", betont Museumschefin Dr. Hella-Sabrina Lange. Der Eintritt ist frei.

Szenerien der Straße, Alltagseindrücke, flüchtige Beobachtungen, Begegnungen und Erlebnisse spiegeln Hegenbarths Gespür für den unscheinbaren und dennoch menschlich-künstlerischen Moment wider. Es muss der unbändige Wille des Malers und Graphikers gewesen sein, das Innere der jeweiligen Situation nach außen zu stülpen, die Energie des wahrgenommenen Geschehens festzuhalten; mitunter einer der wichtigsten Gründe vor seinen Bildern verharren zu wollen, die eine Fülle von Situationen des alltäglichen Lebens und Portraits des Menschen an sich und seiner Lebenswelt zeigen.

Ab Mitte der 1930er Jahre wurden Tierdarstellungen zum favorisierten Thema Hegenbarths, die "Seelöwendressur" ist eines seiner bekanntesten Werke dieser Art. Ob es mögliche Analogien waren, die er zwischen der Zirkus- und Zoowelt und dem profanen, menschlichen Dasein imstande war zu erkennen, oder ob ihn gar die Angst vor der Reichskulturkammer dazu nötigte, seine Darstellungen stärker zu chiffrieren ist reine Spekulation. "Von der ersten bis zur letzten Nummer war er ganz dabei und sog förmlich die Geschehnisse, die vor seinen Augen abrollten, in sich hinein", fabulierte seine Ehefrau Hanna auf die Frage, inwiefern der Zirkus eine Faszination für ihren Ehemann darstellte.

Ein nicht minder zu erwähnendes, persönliches Faszinosum Hegenbarths, welches in zahlreichen seiner Darstellungen, wie zum Beispiel in "Der Gekreuzigte" oder "Turmbau zu Babel" zur Geltung kommt, ist der Bezug zur Bibel.

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Vor allem die Passionsgeschichte und Darstellungen von der Geburt und dem Tod Jesu Christi haben den Illustrator ein Leben lang beschäftigt.

Neben dem Profanen und Sakralen sind vor allem die Märchen der Gebrüder Grimm und Gottfried August Bürgers Lügengeschichten Gegenstand der Bilder Hegenbarths. Der Künstler selbst habe seine Arbeiten auf ein Erfassen des Charakteristischen hinauslaufen sehen, womit sich sein Zug ins Groteske hin erklären ließe.

Vor allem aber sind es Orte, Räume und Momente der Zuflucht, die Hegenbarth künstlerisch prägten und die uns bis in die heutige Zeit weiterhin inspirieren.

(RP)
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