Integration: Flüchtlinge feiern Weihnachten im Sojus

Integration : Flüchtlinge feiern Weihnachten im Sojus

Die Besucher begrüßen sich mit "Salâm aleikum" und reichen sich die Hände. Die arabische Grußformel bedeutet so etwas wie "Friede mit dir/ Friede mit Gott". Viel von dem, was hier gesprochen wird, verstehe ich nicht. In der Mitte des Saals tanzen mehrere Männer eine Dabka, ein folkloristischer Tanz, der fast im gesamten Nahen Osten bekannt ist. Unter den Armen eingehakt laufen die Männer im Kreis und strecken mal das eine, mal das andere Bein zur Seite. Sie haben sichtlich Spaß. Am Rand sitzen Gäste und unterhalten sich auf Arabisch, Kurdisch und Persisch.

Während der Fotograf fast mittanzen muss, um ein gutes Bild der Gruppe zu bekommen, laufen Kinder durch das Sojus 7. Die "internationale Weihnachtsfeier für alle Religionen" ist im vollen Gange. Mitten drin tanzen zwei ziemlich deutsch aussehende Frauen: Kirsten Wolf und Monika Kuhnhenn haben die Party organisiert. Die beiden ehrenamtlich Engagierten sind seit anderthalb Jahren in der Flüchtlingshilfe tätig. "Die Leute sollen einfach miteinander ins Gespräch kommen, tanzen und etwas Essen", sagt Kirsten Wolf.

Nach Utensilien oder Dekoration, an denen man eine westliche Weihnachtsfeier in der Regel erkennt, sucht man vergebens. Kein Baum, keine Kugeln, keine Kerzen (schon allein aus Brandschutzgründen). Ein Programm für den Abend haben die beiden Organisatoren nicht geplant. Sie wollen alle zusammen bringen und für Geselligkeit und Spaß sorgen. Weihnachten schien dafür ein guter Anlass zu sein. Im Sojus-Café sitzen einige Leute und essen von dem Mitbring-Buffet. Kartoffelsalat und Falafel sind sehr beliebt. Monika Kuhnhenn erzählt: "Ich hatte mal einige Flüchtlinge zum Sonntagsessen bei mir zu Hause. Es gab Sauerbraten, Rotkohl und Klöße. Das haben die sehr gerne gegessen." Indes habe sie den Sauerbraten nicht in der rheinischen Variante aus Pferdefleisch, sondern in der allgemein akzeptierten Version aus Rind zubereitet.

Einer der Flüchtlinge, Dassem (23), kommt extra aus Aachen. Der junge Mann stammt ursprünglich aus Damaskus und geht mittlerweile in der Domstadt zur Schule. Seine Familie lebt immer noch in Damaskus. Kirsten Wolf kümmert sich viel um Dassem. Sie nennt ihn ihren Sohn und er sagt zur ihr "Mama" - eine deutsche Ersatzfamilie, weil die richtige zu weit weg ist. Auf ein soziales und familiäres Leben zu verzichten ist keinem Menschen möglich. Das weiß auch Mhjed (21) aus Homs. Seine Ehefrau lebt immer noch in der ausgebombten Stadt. Ab und zu ist es den beiden möglich, miteinander zu skypen. Mhjed wirkt sehr traurig, wenn er über seine Frau spricht. Die frohe Stimmung der anderen Besucher ist bei ihm noch nicht ganz angekommen. Er wohnt in Baumberg. Wenn er von seinen Erfahrungen in Deutschland erzählt, dann findet er eigentlich nur positive Worte. Die Leute seien alle sehr nett und hilfsbereit gewesen. Allerdings will er wissen, was genau solche Leute, wie die von der AfD gegen Flüchtlinge haben. Er fragt, was er anders machen könne, um sich besser zu integrieren, besser angenommen zu werden. Mhjed trinkt ein Bier, seine Religion sei ihm nicht besonders wichtig, sagt er. Wichtig sei nur in dieser Zeit seine Frau wieder zu sehen.

pascal conrads

(pds)