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Langenfeld: Stadt sucht Nachfolger für einen Schiedsmann

Langenfeld : Stadt sucht Nachfolger für einen Schiedsmann

Seit knapp zehn Jahren schlichtet Winfried Graw ehrenamtlich Streitigkeiten und vermittelt bei Privatklagedelikten. Nun legt er sein Amt nieder - und die Stadt sucht einen Nachfolger.

In wie vielen Fällen Winfried Graw in den vergangenen zehn Jahren vermittelt hat, kann er nicht mehr schätzen. "Das waren auf jeden Fall eine ganze Menge", sagt der 75-Jährige. Allerdings weiß er relativ genau, wie oft er Erfolg hatte. Rund 170 Schlichtungen sind dem ehemaligen Stadtkämmerer und Ersten Beigeordneten gelungen. "Das Amt der Schiedsperson ist manchmal zeitaufwendig und auch anstrengend, aber oft lohnt sich die Mühe. Es ist eine schöne Arbeit."

Nach rund zehn Jahren im Amt will Graw nun aufhören und seinen wohlverdienten Ruhestand genießen. Zuständig war er für den Schiedsbezirk I, der den Bereich nördlich der L402 entlang der Düsseldorfer Straße umfasst und den Ortsteil Berghausen (bis zur Knipprather Straße) sowie Richrath und Wiescheid einbezieht. Der Rest des Stadtgebietes bildet den zweiten Bezirk, in dem Monika Ahrend schlichtet.

Die Idee, Streitigkeiten durch Schlichtung beizulegen, ohne einen Richter zu bemühen, ist modern und hat doch eine lange Tradition. Die Institution der vorgerichtlichen Streitschlichtung durch das Amt der Schiedsperson besteht schon seit 1827. Gewählt werden die Schiedsleute durch den Stadtrat für die Dauer von fünf Jahren. In der Sitzung am 9. Dezember will der Rat einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Graw wählen.

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Eingesetzt werden die Schlichter bei einer Vielzahl von Konflikten. Grenzfragen von Grundstücken, Lärmbeschwerden, Beleidigungen, Streitigkeiten in der Nachbarschaft und Sachbeschädigung sind nur einige Beispiele. Auch leichte Körperverletzung oder Bedrohung können dazu gehören. "Das Ziel der Schiedsleute ist, einen Kompromiss zu finden - oder besser noch: eine Versöhnung zu erreichen", sagt Graw. "Das ist natürlich in manchen Fällen nicht ganz einfach." Sollte ein durchgeführter Schlichtungsversuch erfolglos bleiben, erhalten die Parteien eine entsprechende Bescheinigung. Diese ist dann dem Gericht bei Klageeinreichung vorzulegen. Das Ziel der Verfahren ist, die Gerichte zu entlasten und für alle Beteiligten eine zufriedenstellende sowie kostengünstige Lösung zu finden. Die Fähigkeiten, die eine Schiedsperson braucht, fasst Graw wie folgt zusammen: "Verständnis, Geduld, professionelle Distanz eine gewisse natürliche Autorität und ein wenig Talent für Moderation." Für ihn seien die vergangenen zehn Jahre trotz mancher Rückschläge eine schöne Erfahrung gewesen, sagt er. "Die Tätigkeit hat mir viel gezeigt - manchmal auch mein eigenes Unvermögen."

Schiedsleute werden vom Bund Deutscher Schiedsmänner und- frauen geschult. In Einführungs- und Fortbildungsseminaren erhalten sie nicht nur das juristische und verfahrenstechnische Rüstzeug für ihre Amtsführung, sondern lernen die Feinheiten der Verhandlungstechniken. "Außerdem stellt die Stadt den Schiedsleuten im Rathaus ein eigenes Büro mit entsprechender EDV-Ausstattung zur Verfügung", sagt Stadtsprecher Andreas Voss. "Interessenten für dieses Ehrenamt können sich noch bis zum 7. November bewerben."

(RP)