Langenfeld: Stadt reißt Familienhilfe ganz an sich

Langenfeld: Stadt reißt Familienhilfe ganz an sich

Jugendverwaltung beendet die Übertragung hoheitlicher Aufgaben an Sozialdienst SkF und Diakonie.

Seit Jahrzehnten übernehmen der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und die Diakonie in Langenfeld Aufgaben der Familienhilfe. Doch das soll nun vorbei sein. Die Stadtverwaltung hat mit Wirkung zum Ende des Jahres 2018 die Verträge gekündigt. Im Jugendhilfeausschuss scheiterte der SkF mit einem Antrag, als Ersatz für wegfallende Aufgaben den Status einer Beratungsstelle zu bekommen.

Eingangs der Diskussion hatte Fachbereichsleiter Ulrich Moenen die Politiker aufgefordert, dem Antrag des SkF nicht nachzukommen. Die Stadtverwaltung sei gesetzlich gezwungen, hoheitliche Aufgaben im Sozialdienst wieder zu übernehmen, die Langenfeld als einzige Stadt im Umkreis noch von freien Trägern erledigen lasse. "Es geht vor allem um Kindswohlgefährdung, außerdem um die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. In anderen Städten, die bei diesen Themen ebenfalls Aufgaben an freie Träger abgegeben hatten, mussten nach aufgetretenen Missständen dennoch die Mitarbeiter der städtischen Jugendämter haften." Aus diesem Grund sollen laut Moenen Zuständigkeiten wieder ins Rathaus geholt werden, zudem erfordere eine neue Spezialsoftware einen besonderen Datenschutz. Ausdrücklich betonte Moenen, dass SkF und Diakonie auf diesen Gebieten in Langenfeld bislang gute Arbeit leisteten. SkF-Geschäftsführerin Stephanie Krone bat in der Sitzung nachdrücklich, wenigstens die nicht hoheitlichen Aufgaben bei ihrem Team zu belassen. "Zum Beispiel ist unsere Trennungs- und Scheidungsberatung von Langenfelder Bürgern stark frequentiert. 29 Familien nahmen sie 2017 in Anspruch." Nach dem Wegfall dieses Angebots beim SkF müssten Langenfelder als Alternative zum Sozialdienst der Stadtverwaltung dann nach Monheim ins Beratungscentrum oder in die Beratungsstelle fahren. "Das entspricht unseres Erachtens nicht dem Willen des Gesetzgebers." Auch die erzieherische Erstberatung des SkF, die im vergangenen Jahr 43 Familien genutzt hätten, entfiele. Die Politiker ermunterten Krone, den abgelehnten Antrag dann neu einzureichen, wenn Möglichkeiten einer weiteren Arbeitsteilung ausgelotet sind.

(mei)