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Stadt Monheim will teure Kunst statt Platz zum Bolzen

An der Brandenburger Allee : Stadt will teure Kunst statt Platz zum Bolzen

Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte am Donnerstag für die Anschaffung des Kunstwerks von Alicja Kwade. Kosten: 3,9 Millionen Euro.

Viel Geld nimmt die Stadt Monheim für ein politisch umstrittenes Kunstwerk im Berliner Viertel in die Hand. 3,9 Millionen Euro kostet die Installation mit dem Arbeitstitel „Das blaue Band“ der zeitgenössischen Bildhauerin Alicja Kwade. Es besteht aus unterschiedlich großen, freistehenden Rahmen entlang der Brandenburger Allee. Jeder Rahmen steht in einem rechteckigen Wasserbecken, das von Sitzblöcken eingefasst ist. Die Becken und Sitzbänke sind in verschiedenen Blautönen gefliest. Der Ankauf wurde im Haupt- und Finanzausschuss mit den Stimmen der Peto-Fraktion mehrheitlich beschlossen. Die FDP enthielt sich. CDU, Grüne und SPD waren gegen das Projekt.

Stephan Wiese (FDP) schlug zu Beginn der Debatte vor, die Abstimmung zu verschieben. Er möchte, dass die Bewohner im dicht bebauten Berliner Viertel in die Entscheidung einbezogen werden. „Wir sollten uns diese Zeit nehmen.“ Wiese sagte, ihn „besorgt die Dimension und der Ort“, an dem die Installation aufgestellt werden soll. „Die Menschen nutzen die Freiflächen zum Fußballspielen.“ Alexander Schumacher sprang ihm bei. Auch die SPD wünsche sich, dass die Öffentlichkeit beteiligt werde. Ähnlich sieht es Manfred Poell (Grüne). Er hält eine Bürgerbeteiligung für „legitim“. Grundsätzlich gegen das Objekt ist Markus Gronauer: „Die CDU lehnt die Anschaffung ab. Zu teuer. Zu dominant.“

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Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) stellte fest: „Die Entscheidung ist nicht mehr offen. Wir können keine Bürgerbeteiligung durchführen.“ Möglich sei aber eine Infoveranstaltung für die Nachbarschaft. Er versteht das Kunstwerk „im weitesten Sinne als eine soziale Plastik“. Die Bewohner sollten die „Hosenbeine hochkrempeln und in die Wasserbecken steigen“. Weder Stadtrat noch Verwaltung hätten Einfluss auf das Kunstwerk genommen. Einer „Künstlerin dieser Qualität können wir nicht reinreden“, pflichtete ihm Ingo Elsner (Peto) bei. Die Menschen im Viertel hätten vielleicht Sorge, dass ihr Wohnumfeld nicht hübsch genug dafür sei. „Sie müssen sich nicht verstecken. Mit 3,9 Millionen Euro gehört es dorthin.“ Alicja Kwade könne nach Monheim kommen und ihr Werk vorstellen, schlug er vor.

Das 500 Meter lange Kunstwerk sei so teuer wie die drei geplanten Objekte im Rathauscenter, merkte Manfred Poell an. Besonders sei aber, dass es „bespielbar“ ist.  Markus Gronauer fragte nach der Sicherheit und,  ob Kinder beim Klettern ausrutschen und sich verletzen könnten. Er erntete den Spott des Bürgermeisters. Dann würde man wohl eher ein Kneipp-Becken bauen und kein Kunstwerk installieren, meinte der.  Stephan Wiese stellte heraus, der Platz an der Brandenburger Allee werde eigentlich durch das lebendige Treiben dort  erst schön. Er hat Sorge, diese Lebendigkeit durch das großflächige Objekt zu unterbrechen.