Stadt Monheim will kostenlosen Nahverkehr einführen

Öffentlicher Nahverkehr : Stadt Monheim setzt auf Nulltarif

Die Stadt Monheim ist die erste Stadt in NRW, die Busfahren für ihre Bürger konsequent kostenfrei machen will. Dabei hielt sich bei einem Testlauf das Interesse eher in Grenzen.

Es war ein Experiment: Eine Woche lang konnten die Bürger in Monheim im November einzelne Buslinien kostenlos nutzen, fünf insgesamt. Die Bilanz fiel eher dürftig aus, zu groß war die Verwirrung, für welche Linien nun bezahlt werden musste und für welche nicht. Ein paar hundert Tickets wurden am Ende ausgegeben, das Interesse hielt sich in Grenzen.

Dennoch wagt Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann nun den nächsten Schritt: Als erste Stadt in NRW soll Monheim den Nahverkehr für seine Bürger ab April 2020 kostenfrei machen – wobei „kostenfrei“ heißt, dass am Ende die Stadt die Rechnung übernimmt. Zwischen 2,5 und drei Millionen Euro müsste sie aus ihrem Haushaltsüberschuss künftig an ihre Tochter, die Bahnen der Stadt Monheim, zahlen, damit diese die Kunden ohne Ticket von A nach B bringt. „Wir haben uns in unserem Klimakonzept dazu verpflichtet, die Emissionen zu senken“, machte Zimmermann am Montag bei der Vorstellung seiner Pläne deutlich. Doch beim Verkehr hapere es. Noch immer würden in Monheim rund 55 Prozent der Bürger das Auto nutzen, nur 20 Prozent hingegen das Rad oder den ÖPNV.

Es ist ein Problem, mit dem viele Städte zu kämpfen haben. Die Diesel-Fahrverbote, über die Gerichte verhandeln, sind eine Folge davon. Laut Umweltbundesamt hat der Pkw-Verkehr zwischen 1995 und 2017 um 18 Prozent zugenommen, wodurch trotz saubererer Motoren insgesamt sogar mehr Schadstoffe ausgestoßen werden als früher.

Daher wird vielerorts darüber diskutiert, wie man den Nahverkehr so stärken kann, dass mehr Menschen umsteigen. Vorbild sind Städte wie die estnische Hauptstadt Tallinn, die schon vor Jahren den kostenlosen ÖPNV eingeführt haben. Andere, wie Österreichs Hauptstadt Wien, testen gerade alternative Modelle. „Wir sollten in Düsseldorf über ein 365-Euro-Ticket so wie in Wien nachdenken. Zu diesem Preis gäbe es Freifahrt für das ganze Jahr“, zeigt sich Düsseldorfs Stadtoberhaupt Thomas Geisel nach einem Besuch im Nachbarland angetan. Einen Nulltarif hält er hingegen für schwierig, weil man die zusätzliche Nachfrage nicht befriedigen könne. 

Ähnlich zurückhaltend ist man beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), zu dem auch Monheim gehört. Die Pläne der Stadt wolle man diskutieren, heißt es. Ein Modell für ganz Deutschland sieht ein Sprecher darin kurzfristig nicht: „Wir haben heute in Spitzenzeiten schon Angebotsengpässe.“ Bevor man über einen kostenlosen Nahverkehr nachdenke, müsse man daher erstmal über einen Ausbau diskutieren.

„Ein ticketfreier oder preisgünstiger Nahverkehr ist ein wichtiger Baustein für eine gelingende Verkehrswende“, sagt auch der NRW-Chef der SPD, Sebastian Hartmann: „Bund und Land sind daher gefordert, mehr in den Nahverkehr zu investieren. Nur so können alle Kommunen im Land solche Projekte vorantreiben und nicht nur einzelne reiche Städte, die sich auf Kosten anderer Kommunen profilieren.“

Monheim, wo die Wirtschaft seit Jahren floriert, kann diese Kosten locker stemmen, sofern der Rat der Stadt zustimmt, womit gerechnet wird. „Wir verursachen durch unser Projekt keine weiteren Kosten für andere Verkehrsbetriebe“, so Zimmermann.

Zum Jahresbeginn könnte rund 44.000 Monheimern dann der so genannte Monheim-Pass zugestellt werden. Dieser soll so ausgerüstet sein, dass Bus- und Bahnfahrer, die über die Stadtgrenzen hinaus  reisen wollen, ihr Guthaben elektronisch als Einzel- oder Monatsticket entsprechend aufladen können. Da der Kostenanteil für Monheim wegfällt, werden auch für Pendler Strecken nach Düsseldorf erheblich preiswerter, rechnen Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) und Detlef Hövermann, Geschäftsführer der Bahnen der Stadt Monheim (BSM) vor. Dass dadurch direkt deutlich weniger Menschen das Auto nehmen, glaubt Zimmermann nicht. „Aber ein Schritt ist getan, das Busfahren attraktiver zu machen.“

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