Langenfeld am Alt-Kölsch-Äquator

An der Nahtstelle zwischen den Großräumen Düsseldorf und Köln ein eigenes Profil zu gewinnen, ist für eine Mittelstadt nicht einfach. Das knapp 60.000 Einwohner zählende Langenfeld schlägt sich im Wettstreit der rheinischen Dauerrivalen weder auf die eine noch auf die andere Seite. Wozu auch? Am Alt-Kölsch-Äquator fließen in den heimischen Kneipen die vermeintlich unvereinbaren Biersorten einträchtig nebeneinander aus den Zapfhähnen und auch sonst lässt es sich mit Kompromissen gut leben. Langenfeld ist selber solch ein Kompromiss. Schon bei der Stadtwerdung 1948 einigte man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Weder Richrath, Reusrath noch ein anderer der über Jahrhunderte gewachsenen Ortsteile schafften es bis in den gemeinsamen Stadtnamen, sondern einzig Langenfeld, einst kaum mehr als ein Häuserhaufen, eine ehemalige Postkutschen-Haltestelle an der Köln-Düsseldorfer Chaussee. Ein Kompromiss sind auch die "Langenfelder”, also jenes Völkchen, dessen Mehrheit gerade nicht in Langenfeld wohnt, sondern in einem der anderen Ortsteile. In Richrath ruft man "Helau”, trinkt bevorzugt Alt und fiebert für Fortuna oder die DEG, in Reusrath drückt sich kölsches Lebensgefühl aus: beim Bier, im Karneval, unter den Sportfans. Und in Wiescheid im Osten der Stadt leben schon die Bergischen, die sich nur mit Solinger Vorwahl anrufen lassen.

Angefangen hat alles vor tausend Jahren. Damals kam Richrath zum Dekanat Neuss und Reusrath zum Dekanat Deutz. "Zu den erstaunlichen Tatsachen der Langenfelder Stadtgeschichte gehört”, schreibt der Historiker Rolf Müller, "dass diese aus dem Mittelalter stammende Grenze bis auf den heutigen Tag wie eine Bruchlinie quer durch die Stadt geht und in bestimmten Verhaltensweisen der Bevölkerung immer noch erkennbar ist. Auswärtige S-Bahnfahrer verbinden mit der Stadt und deren gleichnamigem Bahnhof den "Langenfelder Sprung”: Wer von Düsseldorf-Eller nach Leverkusen-Rheindorf fuhr oder von Köln-Stammheim nach Benrath, der musste beim Zwischenstopp in Langenfeld fix sein: Aussteigen, abstempeln, einsteigen.

Ganz Versierte schafften es sogar, zwischen Aussteigen, Abstempeln und Einsteigen noch ein Ticket zu ziehen. Grund war der undurchsichtige, teure Übergangstarif der beiden Verkehrsverbünde, die hier aufeinander stoßen. Inzwischen haben VRR (mit Düsseldorf) und VRS (mit Köln) einen kundenfreundlicheren Schnittmengen-Tarif eingeführt. Doch Langenfeld definiert sich nicht nur als Nahtstelle zwischen den rheinischen Metropolen. Vor allem innerhalb des vergangenen Jahrzehnts hat es die unmittelbar an Düsseldorf, Hilden, Solingen, Leichlingen, Leverkusen und Monheim angrenzende Stadt geschafft, ein eigenes Profil als Wohn-, Arbeits- und Einkaufsstadt auszuprägen: als Die Eröffnung des regionalen Briefverteilzentrums oder der NRW-Reit- und Fahrschule zeugen von der wachsenden Bedeutung Langenfelds.

Die von mittelständischer Wirtschaftsstruktur geprägte Stadt hat durch einen strikten Sparkurs und weiterhin sprudelnde Gewerbesteuer-Einnahmen seit 1986 die Pro-Kopf-Verschuldung von 927 auf jetzt rund 110 Euro verringert. Die für das Jahr 2009 angepeilte komplette Entschuldung der Stadt soll nun sogar um ein Jahr nach vorne gezogen werden. Dabei flossen seit 2000 Millionenbeträge in den weiteren Ausbau der City mit der Einkaufspassage "Stadtgalerie”, Markthalle oder Kulturzentrum sowie der Schulen und Sportanlagen.