Langenfeld: Spritpreise ärgern Autofahrer

Langenfeld: Spritpreise ärgern Autofahrer

Das Osterhoch bei den Benzinpreisen führt zu Unmut an den Tankstellen. Die beobachten einander und passen ihre Tarife entsprechend an. Noch mehr als sonst sparen die Erdgas-Fahrer: "Für 50 Euro bis Kroatien".

Wer zu spät tankt, den bestrafen die Ölmultis. Diese Erfahrung musste Jürgen Martens gestern machen. "Als ich vor einer halben Stunde hier vorbeifuhr, um meine Frau aus Richrath abzuholen, zeigte die Preistafel fürs Benzin noch 1,40(,9) Euro an, jetzt kommen wir zurück, und plötzlich sind es 1,43(,9)", seufzt der Immigrather an diesem Montagmittag an der Star-Tankstelle Richrather Straße und zieht kopfschüttelnd den Tankrüssel aus seinem Smart. "Und bei der Top-Tankstelle die Straße ein paar hundert Meter weiter war es bis auf den zehntel Cent ganz genauso. Das finde ich unverschämt", entrüstet sich der 63-Jährige.

Pünktlich zur Oster-Reisewelle verärgert das fast schon obligatorische Ferienhoch bei den Spritpreisen wieder die Autofahrer. 1,44 Euro für den Liter Benzin — das sind knapp sieben Prozent mehr als der deutschlandweite Monats-Durchschnittswert, den der ADAC noch im Februar feststellte (135). Ganz zu schweigen vom letzten Tiefpunkt vor der aktuellen mittelfristigen Teuerungswelle: Vor 15 Monaten, im Dezember 2008, tankten Deutschlands Autofahrer noch für 1,11 Euro (Normal/Super).

"Keine schlüssige Erklärung"

Waren die Spitzen davor vor allem auch auf hohe Rohölpreise zurückzuführen, so fehlt diesmal — von der Euro-Schwäche abgesehen — eine "schlüssige Erklärung", kritisieren Bundespolitiker und der ADAC. "Die Konzerne sprechen sich doch ab", vermutet auch Smart-Fahrer Martens. "Und der Staat greift nicht ein, weil er ja über die Mineral- und Mehrwertsteuer kräftig mitverdient", sagt der Immigrather mit Blick vor allem auf die 65,4 Cent Mineralölsteuer pro Liter Benzin (vor 20 Jahren noch 29,1).

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Absprache? Vor Ort ist es eher ein Sich-Belauern. Bei der Top-Tankstelle an der Richrather Straße hatte gestern Kassiererin Maria diese Aufgabe. "Wir beobachten übers Internet die Preise der Konkurrenz und melden Veränderungen an unsere Zentrale", erklärt die 26-Jährige, warum die Tarife von "Star" und "Top" so oft identisch sind. Mit der Preisumstellung selbst sei sie aber nicht befasst. "Die wird aus der Ferne erledigt. Am Kassencomputer piept's, und — klick — verändern sich die Zahlen auf der großen Anzeige." Die Reaktionen der Kundschaft darauf entgegenzunehmen ist dann wieder Marias Sache. Sie reichen von verärgerten Kommentaren bis zur Konsum-Unlust: "Ist doch klar: Was die Leute mehr fürs Benzin bezahlen müssen, sparen sie zum Teil bei Zigaretten oder Süßigkeiten wieder ein."

Männer wie Kersten Kerl oder Winfried Ruhnke haben das nicht nötig. Denn der Stadtwerke-Chef und sein Service-Leiter fahren Erdgas-Autos. 81,9 Cent fürs Kilo zahlen sie derzeit an der Aral-Tankstelle an der Hardt, einer der beiden Erdgas-Zapfstellen in Langenfeld (die andere steht bei bft an der B 8 in Berghausen). "Der Erdgas-Preis ist seit Monaten stabil, da gibt's keine vorösterlichen bösen Überraschungen", freut sich Kerl. Gründonnerstag will er seinen Sohn zu den Großeltern nach Cottbus bringen. Für die rund 1250 Kilometer hin und zurück rechnet er mit etwa 60 Euro Kraftstoffkosten — weniger als die Hälfte dessen, was er mit einem E-Klasse-Benziner verfahren würde. Ruhnke hat es nach eigenen Angaben mit seinem 3er BMW schon für 50 Euro nach Kroatien geschafft.

Dafür nehmen beide gern in Kauf, dass sie bei deutschlandweit nur knapp 900 Erdgas-Tankstellen ihre Fernfahrten etwas sorgfältiger planen müssen als andere. Denn eine Gastankfüllung reicht, je nach Modell, für 200 bis 400 Kilometer. Ist der Tank leer, muss mit Benzin weitergefahren werden, diesem "teuren Zeug", wie Kerls Ehefrau, ebenfalls Erdgas-Pilotin, nach Worten ihres Gatten mal abwehrend kommentierte. Die höheren Anschaffungskosten — etwa 3000 Euro mehr gegenüber dem jeweils vergleichbaren Benziner-Modell — haben sich nach Angaben von Langenfelds oberstem Erdgas-Verkäufer nach 15 000 Kilometer Fahrleistung amortisiert: "Ab dann fährt man für die Hälfte."

(RP)