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Sportgemeinschaft Langenfeld: Corona-Krise hat SGL schwer getroffen

Sportgemeinschaft Langenfeld : Corona-Krise hat die SGL schwer getroffen

Wochenlange Komplettsperrung, Kursausfälle, fortbestehende Einschränkungen: Die Corona-Krise hat der Sportgemeinschaft Langenfeld (SGL) arg zugesetzt. Bei der zu den größten Sportvereinen im Lande zählenden SGL haben allein seit Mitte März 716 Menschen ihre Mitgliedschaft gekündigt, sagt Vereinssprecherin Kristin Erven-Hoppe auf Anfrage.

Gemeinsam mit den beiden SGL-Vorsitzenden Martin Bock und Lars Kehren weist sie indes kursierende Gerüchte zurück, dass dies vor allem aus Verärgerung über die corona-bedingt reduzierten Angebote wie etwa Online-Sportkurse geschehen sei.„Normalerweise kündigen bei uns pro Halbjahr etwa 550 bis 600 Mitglieder aus persönlichen Gründen aller Art“, merkt Erven-Hoppe an. „Demgegenüber haben wir seit Beginn der Corona-Krise jedoch nahezu keine Neuanmeldungen, die in der üblichen Fluktuation normalerweise  die Zahl der Kündigungen übersteigen.“ Ende dieses Monats werde die SGL somit rund 7400 Mitglieder haben.

Als Hauptgrund der jüngsten Austritte sei die Unsicherheit im Umgang mit dem Coronavirus genannt worden, sagt der SGL-Vorsitzende Bock. „Dies trifft insbesondere auf Mitglieder aus Risikogruppen zu. Zudem leiden natürlich aktuell viele unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise und schauen, wo sie Ausgaben reduzieren können oder müssen.“

Finanzielle Einbußen habe die SGL seit dem ersten Tag der Corona-Krise gehabt, fährt Bock fort. So fehlten Einnahmen aus  der Physiotherapie,   sämtlichen Kursen, dem großen Feld Rehasport,  aus Ferienangeboten, Vermietung  und Verpachtung. „Gleichzeitig ist uns der gesamte Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements weggebrochen“, so Bock. „Insgesamt sprechen wir hier über Einnahmenausfälle in sechsstelliger Höhe.“ Finanzielle Unterstützung aus den verschiedenen Hilfspaketen dürfe richtigerweise nur bei akuter Ressourcenknappheit beantragt werden. Solche Mittel habe die SGL bislang nur für die Physiotherapie in Anspruch genommen. „Wir hoffen, auch die zweite Jahreshälfte bewältigen zu können.“

Ein Teil der rund 100 SGL- Mitarbeiter befindet sich laut Vorstand Kehren nach wie vor in Kurzarbeit. „Die hatten wir Anfang April angemeldet, um in der Corona-Krise möglichst lange durchhalten zu können.“ Die beiden Vorsitzenden widersprachen der unserer Zeitung von Insidern genannten Behauptung, dass Honorarkräften teils gekündigt worden sei.

Erven-Hoppe hält auch Kritik an den corona-bedingten Online-Angeboten der SGL für unangebracht. Die Rückmeldung der Mitglieder an den Verein sei  durchweg positiv gewesen. „Mit den Videos, die jederzeit über unsere Website abrufbar sind, sind wir bereits drei Tage nach Schließung des Bewegungszentrums online gegangen.“ Für qualitätvolle  und datenschutzrechtlich sichere Live-Streams für viele Teilnehmer zu unterschiedlichen Tageszeiten habe die SGL vorgeschriebene Anmeldemöglichkeiten ausschließlich für Mitglieder geschaffen.

Die sich ständig verändernden Auflagen der Coronaschutzverordnung erlauben der SGL  nach Kehrens Angaben zwar eine schrittweise Rückkehr zum Sportbetrieb (siehe Infobox). „Aktuell haben wir jedoch einen extremen Mehraufwand für dessen Organisation.“ Neben dem Sportgeschehen im Bewegungszentrum inklusive Studio und Physiotherapie, Livestreams und Outdoor-Angeboten gelte es, den coronakonformen Wiedereinstieg der vereinseigenen Wettkampfmannschaften zu begleiten. „Dazu gehören das Einreichen der Trainingskonzepte bei der Stadt, Einverständniserklärungen zur Datenerhebung oder etwa auch die Ausstattung aller Übungsleiter mit Desinfektionsequipment.“ Auch die Vorbereitung der am 29. Juni anstehenden Freibadöffnung sei für die SGL als Betreiber äußerst aufwändig.

Bock betont  den Anspruch, „trotz aller Einschränkungen die Rolle zu erfüllen, die uns als Solidargemeinschaft von kommerziellen Anbietern unterscheidet“. So habe die SGL zu Beginn der Krise rund 700 ihrer ältesten Mitglieder angerufen. „Wir haben uns nach ihnen  erkundigt, auf Wunsch Übungen per Post geschickt und einen Einkaufsservice organisiert.“