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Lokalsport: Zwischen Gipfelsturm, Talfahrt und Stagnation

Lokalsport : Zwischen Gipfelsturm, Talfahrt und Stagnation

Jubel, Ärger, Schockmomente und tiefe Enttäuschungen – Das Sportjahr 2012 glich in vielerlei Hinsicht einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Jubel, Ärger, Schockmomente und tiefe Enttäuschungen — Das Sportjahr 2012 glich in vielerlei Hinsicht einer emotionalen Achterbahnfahrt.

 Ich bin dann mal weg: Heino Kirchhoff verabschiedet sich nach sieben erfolgreichen Jahren auf der Trainerbank der SG Langenfeld.
Ich bin dann mal weg: Heino Kirchhoff verabschiedet sich nach sieben erfolgreichen Jahren auf der Trainerbank der SG Langenfeld. Foto: RALPH MATZERATH.

Die Wechselhaftigkeit des Sports hat sich auch 2012 wieder in vollem Umfang gezeigt. In beiden Städten lieferten Gewinner gute Gründe für Feiern und Verlierer sorgten für nachdenkliche Momente. An manchen Momenten trat der Sport auch komplett in den Hintergrund, während andererseits kaum etwas für mehr Diskussionsstoff in der Szene sorgte, als die Ergebnisse des letzten Spieltags.

 Am Boden: Die SG Langenfeld Devils und ihr Kapitän Tommi Melkko (rechts) peilen den schnellen Wiederaufstieg in die 2. Liga an.
Am Boden: Die SG Langenfeld Devils und ihr Kapitän Tommi Melkko (rechts) peilen den schnellen Wiederaufstieg in die 2. Liga an. Foto: RALPH MATZERATH (ARCHIV).

Die Vereine standen und stehen vor sportlichen Herausforderungen — und einige Akteure, die einst bejubelt wurden, fanden sich wenige Monate später auf dem Abstellgleis wieder. Sport ist meist ein ambivalentes Geschäft. Es gibt nur Erfolg oder Misserfolg und dazwischen relativ wenig Spielraum.

 Das Rennen auf dem "Mid-Ohio Sports Car Course" im US-amerikanischen Lexington (Ohio) beendeten Jörg Bergmeister (rechts) und sein Teamkollege Patrick Long auf Platz 2. Es war einer der wenigen Erfolge in der insgesamt verkorksten Saison in der American Le Mans Series. Der fünffache Meister belegte am Ende der Serie den 5. Platz.
Das Rennen auf dem "Mid-Ohio Sports Car Course" im US-amerikanischen Lexington (Ohio) beendeten Jörg Bergmeister (rechts) und sein Teamkollege Patrick Long auf Platz 2. Es war einer der wenigen Erfolge in der insgesamt verkorksten Saison in der American Le Mans Series. Der fünffache Meister belegte am Ende der Serie den 5. Platz. Foto: PORSCHE-AG.

Das vielleicht deutlichste Beispiel dafür ist die Situation der Sportfreunde Baumberg (SFB). Der akut vom Abstieg bedrohte Fußball-Oberligist trennte sich Anfang Dezember von seinem Chefcoach Jörg Vollack, weil Anspruch und Wirklichkeit nicht mehr in Einklang zu bringen waren. Dabei ist es gerade einmal knapp fünf Monate her, dass der kürzlich geschasste Trainer noch gefeiert wurde — und zwar nicht nur, weil ihm doch noch der Einzug in die neu strukturierte Oberliga gelang.

 Auf und davon: Mittelfeldspieler Manuel Windges (links) steht mit dem FC Monheim an der Tabellenspitze der Bezirksliga. .
Auf und davon: Mittelfeldspieler Manuel Windges (links) steht mit dem FC Monheim an der Tabellenspitze der Bezirksliga. . Foto: RALPH MATZERATH (ARCHIV)
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Die Sportfreunde starteten im Sommer furios in die neue Spielklasse und waren nach drei Auftaktsiegen sogar Tabellenführer. Danach gab es im Eiltempo 16 Spieltage, die trotz guter Leistungen kaum Zählbares brachten. Es gab nur zwei weitere Siege zu feiern. Der Verein stürzte auf Rang 16 ab.

 David Moreno will die Sportfreunde Baumberg retten.
David Moreno will die Sportfreunde Baumberg retten. Foto: RM

Die Verantwortlichen zogen die Notbremse und entließen Vollack. Sein Nachfolger David Moreno soll nun den Abstieg in die Landesliga verhindern. Sein erstes Spiel auf der Bank der Baumberger gegen den SV Hönnepel-Niedermörmter vor der Winterpause endete 1:1. Es ist also noch ein weiter Weg aus der Abstiegszone, den Moreno zum Beginn der Rückrunde am 3. Februar antritt. Dann reisen die Sportfreunde zu ihren Namensvettern nach Hamborn.

 Für Martina Schmidt und den SKC zählt nur der Klassenerhalt.
Für Martina Schmidt und den SKC zählt nur der Klassenerhalt. Foto: RM.

"Die Qualität für den Klassenerhalt ist auf jeden Fall vorhanden", meinte der neue Coach nach seinem Debüt, "aber alle im Verein müssen ihre persönlichen Interessen in den Hintergrund stellen und voll mitziehen." Derzeit belegen die Sportfreunde mit 21 Punkten Platz 16 in der Tabelle — knapp vor dem kommenden Gegner Hamborn, der zwar punktgleich, aber mit dem schlechteren Torverhältnis auf Rang 17 liegt. Im Februar wartet also ein richtungsweisendes Spiel auf den Oberligisten.

Einen Trainerwechsel wird es auch bei den Handballern der SG Langenfeld (SGL) geben — allerdings erst nach der Saison. Heino Kirchhoff, der das Team 2011 bis in die Oberliga führte und seit sieben Jahren auf der Langenfelder Bank sitzt, hört auf. Der Schritt kam für viele überraschend, zumal die Mannschaft derzeit mit 17:9 Punkten auf dem 5. Platz überwintert und damit auf ähnlichem Niveau spielt, wie in der vergangenen Saison, die am Ende ebenfalls den 5. Platz in der Oberliga brachte. Von Abstiegsgefahr kann also kaum die Rede sein. Eine sportliche Talfahrt ist ebenfalls nicht zu erwarten. "Wir sind uns einig, dass es einfach an der Zeit für Veränderungen ist", kommentierte Kirchhoff kurz und knapp seinen Abgang zum Saisonende.

Sein Nachfolger ist bereits gefunden: Leszek Hoft wird sich nach der laufenden Spielzeit, die wohl im sicheren Mittelfeld der Tabelle enden wird, auf die SGL-Bank setzen. Zurzeit trainiert der 59-Jährige die Bundesliga A-Jugend des VfL Gummersbach. Sein Geld verdient er als Lehrer an der Felix-Metzmacher-Schule.

Der Neue soll vor allem die Jugendarbeit und die Förderung der Talente verbessern. Begabten Nachwuchs brauchen auch die SG Langenfeld Devils, die sich aus der 2. Skaterhockey-Bundesliga verabschieden mussten.

Das Team um Kapitän Tommi Melkko ging mit viel Elan in die Saison und holte auch Punkte, die nicht unbedingt fest eingeplant waren. Nach sieben Spieltagen hatten die Devils zehn Punkte auf dem Konto, was eine ordentliche Ausbeute war. Da sich allerdings die zuvor zweimal von der SGL besiegten Mannheim Monsters aus dem Ligabetrieb zurückzogen, verloren die Langenfelder ihr bis dahin komfortables Punktepolster quasi über Nacht. "Das war der Knackpunkt der Saison", analysierte Melkko nach dem Abstieg, der seinen Ursprung allerdings auch in den spielerisch schwachen Leistungen gegen die direkte Konkurrenz hatte. Tiefpunkt war die 2:12-Heimniederlage am vorletzten Spieltag gegen die Commanders Velbert, die zu dem Zeitpunkt in der Tabelle noch knapp hinter den Devils lagen.

Nun soll Thomas Schütt ein neues Team formen und den Wiederaufstieg in die zweithöchste Spielklasse anstreben. Der "Neue" ist dabei ein alter Bekannter. Er saß bereits von 1999 bis 2009 auf der Trainerbank der Devils, bevor er in die Nachwuchsabteilung des Vereins wechselte. Schütt löst damit den zuletzt glücklosen Trainer Dieter Klaus ab.

Auf Glück kann und will sich der Motorsportler Jörg Bergmeister wohl kaum verlassen. In der Amercan Le Mans Series 2012 musste sich der Langenfelder häufiger als gewohnt geschlagen geben. Am Ende reichte es für den fünffachen Titelträger "nur" zum fünften Platz in der Gesamtwertung. Zu oft verfehlte Bergmeister in seinem Porsche 911 GT3 RSR des Teams Flying Lizard Motorsports (Sonoma/Kalifornien) einen Platz auf dem Podium. Technische Probleme und Zeitstrafen machten dem Rennfahrer und seinem US-amerikanischen Teamkollegen Patrick Long immer wieder zu schaffen. Trotz der verkorksten Serie mit mehr Frust als Lust zählt Bergmeister zweifellos zu den erfolgreichsten Fahrern der vergangenen zehn Jahre. Auch 2013 bleibt der Langenfelder Werksfahrer für Porsche. Dann allerdings nicht mehr für Flying Lizard Motorsports.

Dass der Sport nicht alles im Leben ist, wurde in diesem Jahr ebenfalls deutlich. Am 4. Mai hatte Tim Bergmeister, der ebenso wie sein Bruder Jörg hauptberuflich Rennfahrer ist, einen schweren Unfall in der Serie Super GT 2012. Die Verletzungen waren lebensbedrohlich, es folgte ein mehrwöchiger Krankenhausaufenthalt. Rund zehn Wochen nach seinem schweren Unfall auf dem Kurs von Fuji (Japan) war Tim Bergmeister wieder einsatzbereit — doch das hinter seinem Team "Art Taste" stehende Unternehmen beschloss nach dem heftigen Crash den Ausstieg aus dem Motorsport. Als sicher gilt, dass der Lagenfelder schnellstmöglich wieder hinters Lenkrad zurückkehren will.

In der höchsten Spielklasse mischen die Damen des SKC Langenfeld weiter munter mit — obwohl die Sportkeglerinnen eigentlich abgestiegen waren. Der Rückzug des Bundesligisten SKC Trier bescherte dem Team um Spitzenspielerin Bettina Woltersdorf eine "geschenkte Saison", die bestmöglich genutzt werden soll. Das gelingt dem Team bisher ganz gut. Nach 12 von 14 Spieltagen steht der SKC mit 20 Punkten auf Platz 4, der sogar zur Teilnahme an den Play-offs um die Deutsche Meisterschaft berechtigen würde. Soweit will Mannschaftssprecherin Manuela ter Haar nicht gehen: "Das Ziel ist und bleibt der Klassenerhalt."

Ähnlich würde es wohl auch Michael Will formulieren. Der Trainer des FC Monheim II (FCM) hat seinem Verein eine kuriose Situation beschert. Weil im Sommer der Aufstieg in die Bezirksliga gelang, tritt der FCM mit zwei Mannschaften in derselben Spielklasse an — allerdings in verschiedenen Gruppen. Aber vielleicht löst sich diese Situation von selbst, denn die "Erste" liegt derzeit auf Platz 1 in der Bezirksliga und peilt den Aufstieg in die Landesliga an, während die "Zweite" vor allem die Klasse halten will.

(RP/rl)