Zu viel Druck: Thema Klassenerhalt ist tabu

Handball: Zu viel Druck: Thema Klassenerhalt ist tabu

Der Drittligist SG Langenfeld will beim Vorletzten SG VTB/Altjührden „nur“ eine Reaktion aufs 25:32 gegen Volmetal zeigen.

Eine Art Vergnügungssteuer braucht nicht zu befürchten, wer derzeit für die Handballer der SG Langenfeld (SGL) unterwegs ist. Erstens: Am vergangenen Wochenende verlor der Aufsteiger die wichtige Partie gegen den TuS Volmetal deutlich mit 25:32\. Zweitens: Trainer Markus Becker präsentierte seinen Spielern die entsprechende Video-Aufnahme in voller Länge. Drittens: Am Samstag steht für die SGL die mit rund 320 Kilometern weiteste Fahrt in dieser Saison auf dem Programm. Viertens: Langenfeld tritt in Friesland an. Bei der SG VTB/Altjührden. Fünftens: Es ist das Duell zwischen dem Letzten Langenfeld und dem Vorletzten.

Becker hat beschlossen, zumindest vorerst die Themen Kampf um den Klassenerhalt und Gewinnen-Müssen aus seinem Sprachgebrauch zu streichen: „Wir reden nicht mehr vom Klassenerhalt, wie denken nur noch von Spiel zu Spiel.“ Vor der Pleite gegen Volmetal hatte Langenfeld auch mit dem 22:31 beim VfL Gummersbach II einen Rückschlag erlitten. Das ist zwei Monate her, tut aber noch weh. Mittlerweile trägt Langenfeld als Hypothek immerhin sechs Punkte Abstand zum rettenden Ufer mit sich.

Erst kürzlich gab gab Varel die Trennung von seinem bisherigen (Spieler-) Trainer Ivo Warnecke bekannt. Nach der Erklärung aller Beteiligten sie die Scheidung einvernehmlich erfolgt. Unter der Regie von Interimstrainer Ralf Koring verlor die verbesserte SG zuletzt beim Longericher SC mit 32:38, sodass sich die Lage im Keller für die Gastgeber ebenfalls weiter zugespitzt hat. Der Sportliche Leiter Christoph Deters stellt nun vor dem Spiel gegen Langenfeld eine klare Forderung auf: „Was soll ich großartig sagen? Die Vorzeichen sind klar, wir müssen Samstag liefern.“

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Langenfeld sieht zwei Spieler bei Altjührden, auf die es besonders zu achten gilt: Regisseur Dennis Summa und Rückraumspieler Lukas Kalafut. Der 31 Jahre alte Slowake kehrte erst im September vom Zweitligisten Wilhelmshaven zu seinem früheren Verein zurück, aus dessen Jugend er stammt. Für die SGL geht es allerdings nicht nur darum, den wohl wichtigsten Spieler der Hausherren einigermaßen in den Griff zu bekommen, sondern zuzsätzlich um eine Steigerung der eigenen Angriffs-Leistung. Das Rezept: Tempo, Tempo, Tempo.

Zwei personelle Handicaps wird die SGL in Friesland erneut zu verarbeiten haben. Regisseur André Boelken, der für höchste Geschwindigkeit perfekt geeignet wäre, fällt wegen seines Kreuzbandrisses bis zum Ende der Saison aus. Und Kreisläufer Mats Heyde, der gegen Volmetal ebenfalls an allen Ecken und Ende fehlte, wird im Jahres-Endspurt wegen seiner Polizei-Ausbildung aus dienstlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen. Dass beide ziemlich große Lücken hinterlassen, ist sicher. Wie sich die Mannschaft diesmal ohne zwei wichtige Stammkräfte verkauft, wird sich dagegen erst zeigen müssen.

Trainer Becker, der sich natürlich über einen Erfolg riesig freuen würde, verlangt vor allem eins: „Wir müssen uns nachher alle noch selber in die Augen sehen können. Alles andere ist zweitrangig.“ Sollten anständiger Auftritt und Erfolg eine Einheit bilden, wäre er vermutlich trotzdem bereit, vor lauter Vergnügen eine Art Steuer zu entrichten.

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