Motorsport Ziemlich genervt

Motorsport · Motorsportler Jörg Bergmeister verpasste beim Rennen in Elkhart Lake seinen zweiten Sieg in der American Le Mans Series 2012. Weil zwei Gelbphasen genau zum falschen Zeitpunkt kamen, war mehr als Platz zwei nicht drin.

 Mienenspiel: Selbst Helm und feuerfeste Schutzkleidung konnten kaum verbergen, dass sich Jörg Bergmeister letztlich doch mehr gewünscht hätte als Platz zwei – den er für zu mager hielt.

Mienenspiel: Selbst Helm und feuerfeste Schutzkleidung konnten kaum verbergen, dass sich Jörg Bergmeister letztlich doch mehr gewünscht hätte als Platz zwei – den er für zu mager hielt.

Foto: Porsche AG

Grundsätzlich war der Plan perfekt. Auch die Boxenstopps passten und der Dienstwagen lief wie ein Uhrwerk. Darüber hinaus boten die Fahrer des Teams Flying Lizard Motorsports (Sonoma/Kalifornien) immer wieder Kostproben ihres Könnens – je nach Bedarf taktisch klug oder mit dem höchsten möglichen Einsatz. Trotzdem verpasste Motorsportler Jörg Bergmeister beim siebten Lauf zur American Le Mans Series 2012 in Elkhart Lake (Wisconsin) den zweiten Saison-Erfolg – und das auf seiner Lieblingsstrecke "Road America". Am Ende fehlten ihm exakt 2,63 Sekunden. "Es ist einfach nur schade, dass in diesem Rennen nicht das beste Auto und die beste Strategie über den Sieg entschieden haben, sondern der Zeitpunkt der Safety-Car-Phasen", fand Bergmeister, der mit Rang zwei eher wenig anfangen konnte: "Das ist doch wieder nur der erste Verlierer."

Schon das Qualifying (Zeittraining) deutete an, dass der Porsche 911 GT 3 RSR mit der Nummer 45 erneut gute Chancen auf ein Top-Resultat haben sollte. Für seine schnellste Runde auf dem 6,514 Kilometer langen Kurs benötigte Bergmeister 2:04,428 Minuten und damit nur einen Wimpernschlag mehr als Marco Holzer (Lochau) im zweiten Lizards-Porsche mit der Nummer 44 (2:04,415). Den winzigen Rückstand arbeitete der Langenfelder beim Start direkt auf und fortan dominierte er. "Ich habe das relativ locker kontrolliert", berichtete der 36-Jährige, dessen genau ausgeklügelter Boxenbesuch allerdings zum Hindernis wurde.

Blitzartige Abfertigung

Bergmeisters Stopp war längst terminiert, als es auf der Strecke einen Unfall und eine Gelbphase gab – sodass die Lizards ihren Halt verschieben mussten. Als Jörg Bergmeister dort nach 55 Minuten aus dem Porsche stieg und das Lenkrad an den Teamkollegen Patrick Long abgab, wurde aus der Führung der vierte Platz. Klar: Damit gab sich niemand zufrieden. Der Kalifornier Long kletterte zunächst auf Rang drei vor, ehe er beim nächsten Boxenstopp nach gut zwei Stunden im Auto blieb, nahezu blitzartig abgefertigt wurde – und als Belohnung den ersten Platz zurückeroberte. Pech für die Lizards: Der Traum vom Sieg drohte durch eine zweite "falsche" Gelbphase endgültig zu platzen, denn Jörg Bergmeister fiel jetzt sogar auf den sechsten Rang zurück.

"Natürlich ist das echt nervig", räumte der fünfmalige ALMS-Meister ein, der kurz vor Schluss einen Fehler zweier Konkurrenten nutzen und Platz zwei erreichen konnte – ehe ihm gegen Ende die Zeit davonlief. "Nach so einem Verlauf hätte es ja sein können, dass wir mit einem Ergebnis unter den ersten fünf zufrieden sein müssen", meinte Bergmeister, der sich unter dem Strich immerhin bestätigt sah: "Wir sind wieder voll konkurrenzfähig."

Immer noch stark

In den jüngsten vier Rennen gabs zwei erste zwei zweite Ränge – was normal 74 Punkte gebracht hätte. Obwohl den Lizards 20 Zähler aberkannt wurden (Disqualifikation in Lime Rock wegen eines Verstoßes gegen technische Vorschriften), erzielten sie mit 54 Zählern in diesem Abschnitt die stärkste Ausbeute in der GT-Klasse. "Unser Porsche war heute großartig", fand Bergmeister, "aber das Glück war nicht auf unserer Seite." Deshalb wäre es ihm sehr recht, dass ein grundsätzlich perfekter Plan demnächst wieder die erhoffte Ernte einbringt.

(RP)
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