Motorsport : Zehn Minuten zu spät

Motorsportler Jörg Bergmeister hatte beim fünften Lauf der American Le Mans Series in Mid-Ohio erneut Siegchancen. Ein Ausrutscher des US-Teamkollegen Patrick Long im sintflutartigen Regen beendete den Traum.

Jörg Bergmeister ist ein echter Profi. Die American Le Mans Series 2011 stellt den Langenfelder Motorsportler allerdings in Sachen Frust-Toleranz vor ganz besondere Anforderungen, denn in diesem Jahr ist die Serie vor allem eine schier unendliche Pechsträhne. Nach dem bescheidenen fünften Platz vom Saisonstart beim Zwölf-Stunden-Rennen in Sebring (Florida) fuhr Bergmeister jetzt in Mid-Ohio zum vierten Mal hintereinander aussichtsreich um den Sieg mit. Ergebnis: Der Langenfelder und sein US-Teamkollege Patrick Long sahen am Ende erneut in die Röhre.

Sämtliche Chancen auf den ersten Saisonsieg schwammen in den letzten 20 Minuten des Rennens im sintflutartigen Regen davon. Da hatte Bergmeister seinen Teil der Arbeit im Porsche 911 GT 3 RSR des Teams Flying Lizard Motorsports (Kalifornien) bereits erledigt. "Wir waren das ganze Wochenende sehr zufrieden mit unserem Set-Up fürs Auto und wir waren richtig konkurrenzfähig", berichtete der 35-Jährige, "für mich war der Start perfekt." Der Langenfelder, der im Qualifying (Zeittraining) die viertschnellste Zeit erzielt hatte, hielt den Kontakt zur Spitzengruppe.

Das Regen-Roulette

Dass die Veranstaltung später ein Drama werden sollte, konnten nach dem Fahrerwechsel weder Jörg Bergmeister noch der jetzt ins Dienstauto gekletterte Patrick Long ahnen. Nach knapp der Hälfte der auf 2:45 Stunden angelegten Veranstaltung lag der Lizards-Porsche auf Platz zwei, als das Wasser-Roulette begann — mit leichtem Niederschlag. 20 Minuten später nahm der Regen zu, sodass sich das Team zum Reifenwechsel entschloss. Als der zu diesem Zeitpunkt führende Ferrari weitere 20 Minuten darauf ebenfalls an die Box fuhr, übernahm Long sogar die Führung.

Doch die besten Piloten der ALMS erlebten plötzlich einen see-artigen Kurs. Das Wasser stand so hoch, dass es bei null Sicht im heftigen Regen immer wieder zu Rutschpartien kam. Dann passierte, was zur bisherigen Saison der Lizards passt. Long flog von der Strecke — ohne jede Chance, den Ausrutscher zu verhindern. "Da kann ihm keiner einen Vorwurf machen", fand Bergmeister, "das passiert halt." Noch bitterer: Neun Minuten später griffen die Renn-Verantwortlichen ein, zeigten die Rote Flagge und brachen die Veranstaltung ab.

Bergmeister nicht ansprechbar

Für die Lizards kam die Entscheidung genau zehn Minuten zu spät und der neunte Platz war mit den mageren zwei Pünktchen für die Gesamtwertung nicht mal einen Trostpreis wert. "Als das passiert ist, war ich nicht ansprechbar", gab Bergmeister zu, "ich habe mich erst mal verzogen." Dass der Meister der Jahre 2005, 2006, 2008, 2009 und 2010 noch lange mit dem sportlichen Schicksal hadert, darf die Konkurrenz trotzdem kaum erwarten. Schon am 20. August wollen Long und Bergmeister in Elkhart Lake (Wisconsin) beim sechsten Lauf 2011 wieder angreifen — weil die beiden Profis sind und irgendwann jede Serie reißt.

(RP)