Lokalsport: Wo Sportler bis unter die Decke fliegen

Lokalsport: Wo Sportler bis unter die Decke fliegen

Cheerleading wird derzeit in Langenfeld immer beliebter. Es ist eine Mischung aus Tanz, Akrobatik und Turnen.

Das Training hat ein bisschen was von militärischem Drill. Der Headcoach steht erhöht und zählt laut von eins bis acht. Und die Truppe spurt. Sie stellt sich in Position und zeigt die Basisfiguren - im besten Fall alles synchron. Cheerleading heißt der Sport, der immer mehr Kinder und Jugendliche anzieht, meist Mädchen. Und obwohl es sehr streng zuzugehen scheint, fühlen sich alle als eine große Familie. 260 Mitglieder hat der Verein Cheer Label Langenfeld (CLL) mittlerweile. "Mit aufsteigender Tendenz", sagt Adrian Oglaza, 2. Vorsitzender und Kassierer.

An diesem Abend ist die kleine Sporthalle Hinter den Gärten in Langenfeld gut gefüllt. Viele sind zum Schnuppern gekommen und machen das Probetraining mit - junge Mädchen mit zum Pferdeschwanz gebundenen Haaren, vereinzelt auch Jungs, geben alles beim Warming up. Einige Ungeübtere sind bereits nach wenigen Minuten aus der Puste.

Beim Cheerleading geht es nicht nur darum, im kurzen Röckchen mit Silberpuscheln am Arm nett zu posieren und ein bisschen rumzuhopsen, bevor die eigentlichen Stars erscheinen, die Footballer. "Cheeren" (jubeln oder anfeuern), wie es die Insider nennen, ist ein harter Wettkampf-Sport und "heißer Anwärter für die nächste Olympiade", sagt Patrizia Weidner (34). Sie ist eine der beiden CLL-Headcoaches, der höchsten Trainer in dieser Sportart. Die drahtige Mutter eines kleinen Jungen brennt für ihren Sport. Als Leistungsturnerin kam sie mit 17 Jahren verhältnismäßig spät zum "Cheeren". In der jüngsten Truppe des CLL, den Peewees, starten bereits Vierjährige. Natürlich ohne Drill.

Ihre sportliche Vorgeschichte erleichterte Patrizia Weidner den späten Einstieg. Auch heute noch fliegt sie durch die Luft, beherrscht den Rückwärts-Überschlag aus dem Stand und die Doppelschraube. Sportliches Cheerleading - im Vergleich zum Dance-Cheeren - erfordert Mut und Vertrauen ins Team. Bis zu acht Meter werden die Mädels in der höchsten Leistungsstufe von ihrer Gruppe in die Höhe geworfen - und wieder aufgefangen. Die Mischung aus Turnen, Tanz und Akrobatik sorgt für atemberaubende Auftritte. Zwei CLL-Teams schafften jetzt den Sprung nach Orlando (Florida) zu den Weltmeisterschaften 2018: Rangers (Mädchen und Jungs ab 15 Jahren) und Dancers Damen (Frauen ab 16 Jahren) mit ihrer Hip Hop-Vorführung.

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Während die Hobby-Cheerleader ein- bis zweimal pro Woche trainieren, üben die Wettkampfteilnehmer vor dem großen Auftritt vier- bis fünfmal pro Woche Stunts (Pyramide), Tumbling (Bodenturnen) und Basket (Wurfelement). "Unsere Hebefiguren sind erheblich anspruchsvoller als die im Karneval", betont Patrizia Weidner.

Laura Segendorf aus Leverkusen ist im vierten Jahr bei den Cheerleadern. Sieben Mal war die sportliche 15-jährige Gymnasiastin mit der Haltung einer Profi-Tänzerin bereits bei Meisterschaften dabei. Sie hat sich gleich beide Disziplinen des CLL ausgesucht - das Dance-Cheering und die akrobatische Variante, die bald auch bei Olympia zugelassen sein wird: "Ich liebe den Teamgeist, die Mischung aus Tanz, Akrobatik und Turnen. Außerdem ist die Musik immer toll." Die kommt übrigens immer frisch aus den USA.

Für ihre Leidenschaft nimmt Laura Segendorf das Doppeltraining gerne in Kauf. Manchmal gibt es für die Teilnahme an Meisterschaften sogar einen Tag schulfrei - wie kürzlich bei den Europameisterschaften in Wien. "Natürlich hole ich aber den versäumten Stoff zu Hause nach", versichert Laura.

Ihr Traum ist, an einem Wettkampf in Amerika teilzunehmen. Und ihr noch größerer Traum ist es, ebenfalls mal Headcoach zu werden, wie Patrizia Weidner. Erst einmal steht aber der Spaß an erster Stelle. Das Training (täglich, mitunter auch am Wochenende) ist momentan in der Dreifach-Sporthalle Hinter den Gärten, in der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule und in der Don-Bosco-Schule untergebracht. Mehr Infos: www.cll-cheerleader.de. Jeder, der Spaß am Cheerleading hat, ist beim Cheerlabel zum Schnuppern willkommen.

(RP)
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