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Fußball: "Wir haben alle etwas Unfassbares geschafft"

Fußball : "Wir haben alle etwas Unfassbares geschafft"

Der scheidende Trainer des Fußball-Oberligisten SF Baumberg ist nach Klassenerhalt und Triumph im Niederrheinpokal mächtig stolz.

Die Saison hätte mit dem Klassenerhalt in der Fußball-Oberliga und dem Triumph im Niederrheinpokal für Sie und die Sportfreunde Baumberg nicht besser laufen können. Wie Sie bereits vor einigen Wochen erklärt haben, hören Sie in Baumberg auf. Gab es Momente, in denen Sie diese Entscheidung bereut haben? Wie viel Wehmut jetzt?

Moreno Offen gesagt, ist überhaupt keine Wehmut vorhanden. Ich bin in keiner Weise traurig. Die Freude ist weiter ungemein groß, dass uns als Team die Vorgabe des Vereins geglückt ist, den Klassenerhalt zu realisieren. Dass dann auch noch der Einzug in die erste DFB-Runde geglückt ist, toppt den Abschluss und macht uns sehr stolz. Hierfür möchte ich mich bei meiner Mannschaft, Trainerteam, Vorstand, Fans, Sponsoren und meiner Familie bedanken. Ich möchte auch erwähnen, dass uns die zweite Mannschaft und die A-Jugend super unterstützt haben. So funktioniert Vereinsfußball.

Ihr Einstand im Frühjahr war gelungen. Darauf folgte eine recht lange Schwächephase. Erst mit einem furiosen Endspurt und fünf Ligasiegen in Folge konnte der Klassenerhalt gesichert werden. Wie haben Sie und die Mannschaft es geschafft, das Ruder herumzureißen?

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Moreno Vielleicht war es der zerstörte Gartenstuhl während des Spiels gegen Sonsbeck, als wir in der 90. Minute verloren haben. Sicher waren die Pokalerfolge für eine positive Grundstimmung wichtig. Hier möchte ich auch Ede Yotla erwähnen, der als zusätzlicher Co-Trainer nach seiner unglücklichen Verletzung sehr gute Arbeit geleistet hat. Er hat in unserer Schwächephase ebenfalls viel positiven Einfluss genommen und einiges angeregt.

Der Höhepunkt der Saison war sicherlich der Sieg im Niederrheinpokalfinale bei RW Oberhausen. Was war das für ein Gefühl, als ein ganzer Verein und mit ihm alle Spieler den größten Erfolg ihres sportlichen Lebens feiern konnten?

moreno Ich habe heute noch ständig ein Dauergrinsen. Ich freue mich sehr, ein Teil dieses Erfolges zu sein. Wir haben etwas für uns alle Unfassbares geschafft. Ich habe als Junge den Einzug von Hilden-Nord in den DFB-Pokal mitverfolgt und empfand dies damals als etwas Außergewöhnliches. Aber selbst ein Teil einer Mannschaft zu sein, die dies schafft, ist aktuell mit Worten nicht zu beschreiben.

Der Verein ist mit den 100 000 Euro, die der Einzug in den DFB-Pokal bringt, finanziell wieder gut aufgestellt und die Mannschaft dürfte durch den gemeinsamen Erfolg noch mal enger zusammengerückt sein. Was ist den Sportfreunden in der kommenden Saison zuzutrauen?

Moreno Ich denke, dass sich der Verein besser aufstellen kann und somit für den Gesamtverein einiges einfacher wird. Für die Mannschaft gilt es jetzt mehr zu machen — denn jeder möchte den Niederrheinpokalgewinner schlagen. Personell kann sich sehen lassen, was Jürgen Schick und Ede Yotla für Baumberg haben gewinnen können. Erfolg kann nur entstehen, wenn alle schnell eine Einheit werden. Wir sind in der Rückrundentabelle Fünfter geworden, punktgleich mit Schwarz-Weiß Essen. Das ist durchaus in der kommenden Saison wieder realisierbar. Es ist, wie bereits erwähnt, wichtig, dass die Mannschaft und der neue Trainer schnellstmöglich eine Einheit werden.

Sie kennen die Mannschaft seit einem halben Jahr. Wenn Sie den Baumbergern einen neuen, extra auf die Spieler zugeschnittenen Trainer schnitzen dürften: Welche Eigenschaften müsste er haben?

Moreno Aus meiner Sicht braucht die Mannschaft einen Trainer, der seine Linie durchzieht. Er muss aber auch die Eigenschaften der Spieler kennen und es verstehen, auf die Mannschaft einzugehen. Ich habe in der Rückrunde häufig die Faust in der Tasche gemacht — häufig weggeschaut, was außerhalb geschah. Im Training und im Spiel habe ich jedoch nur eins zugelassen — meine Ansicht des Fußballs, um erfolgreich zu sein. Damit hatten nicht viele Spaß. Mit Eckespielen, Torschusstraining und Abschlussspiel kann man nicht erfolgreich sein. Ich denke, ich habe Recht behalten.

Sie sind erst 38 Jahre alt. Der größte Teil Ihrer Trainerlaufbahn steht noch vor Ihnen. Können Sie sich vorstellen, in Zukunft noch einmal bei den Sportfreunden zu arbeiten?

Moreno Durchaus. Wenn man einmal als Trainer gearbeitet hat, dann hat man Spaß daran gefunden. Wenn der Erfolg hinzukommt, findet man irgendwann wieder den Weg auf einen Fußballplatz. Warum nicht wieder Baumberg?

DIE FRAGEN STELLTE MARTIN RÖMER

(mroe)