Motorsport: Weltreise: Bergmeister nach Brasilien

Motorsport : Weltreise: Bergmeister nach Brasilien

Der Langenfelder Motorsportler steht kurz vor dem zweiten Teil der Saison 2013. Sein Ziel vor dem vierten Rennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft in Sao Paulo: Aufwärtstrend mit dem Porsche 911 RSR fortsetzen, Rennen gewinnen.

Seinen bisher letzten offiziellen dienstlichen Einsatz hatte Jörg Bergmeister vor der Sommerpause in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (World Endurance Championship/WEC). Das war am 22. und 23. Juni bei den legendären 24 Stunden von Le Mans, die dem Motorsportler mit Platz zwei auch das bisher beste Saison-Ergebnis 2013 brachten. Weil der 37-Jährige als dauerhaft ehrgeizig gilt, dachte er damals natürlich nicht ans gemütliche Zurücklehnen bis zum nächsten Einsatz — im Gegenteil. Und es gab vom persönlichen Fitnesstraining bis zu den üblichen Testkilometern mit dem Porsche 911 RSR viel zu tun. Schließlich kommt der größte Teil der sportlichen Arbeit für dieses Jahr erst noch. Der Europa-Teil der WEC in England (Silverstone), Spa-Francorchamps (Belgien) und Frankreich (Le Mans) liegt hinter Bergmeister. Nun geht die Weltreise richtig los. Und der Auftakt am Sonntag in Sao Paulo wird sogar ein Abenteuer.

"Finde ich klasse", sagt der Langenfelder, "in Brasilien war ich noch nie." Daraus folgt: Auch die 4,309 Kilometer lange Strecke im "Autodromo José Carlos Pace", besser bekannt unter dem Namen "Interlagos", ist für den Motorsport-Profi erst mal ein unbekanntes Wesen. Durch das Studium von Fernsehbildern und Augenzeugenberichten von Kollegen konnte er immerhin erste theoretische Kenntnisse gewinnen. Fazit: "Die Strecke sieht sehr interessant und anspruchsvoll aus. Ich freue mich auf die Herausforderung." Weil Bergmeister neue Gegebenheiten schnell zu erfassen versteht, lässt er die Dinge sowieso gelassen auf sich zukommen. "Sicher wird es ein paar Runden dauern, sich an den Kurs zu gewöhnen, aber das bekomme ich hin", glaubt der Porsche-Werksfahrer. Zum Einleben bleiben insgesamt drei Freie Trainings (zweimal am Freitag, einmal am Samstagmorgen), ehe am Samstagnachmittag der erste Höhepunkt auf dem Programm steht.

Das Qualifying wird darüber entscheiden, wer in der Klasse LM GTE Pro als Erster in die Startaufstellung rücken darf. Das Ergebnis des Zeittrainings ist für ein Sechs-Stunden-Rennen zwar keine Entscheidung, gibt aber immer wichtige Fingerzeige für die Fortschritte. Jörg Bergmeister ist zuversichtlich: "Wir haben seit Le Mans einige Details verbessern können, die uns weitergebracht haben. Ich bin zufrieden mit dem Auto." Davon konnte in den beiden ersten Rennen des Jahres kein bisschen die Rede sein — weil der sechste Platz von Silverstone und die Nullnummer von Spa-Francorchamps krasse Enttäuschungen waren. Für die Saison 2013 hatte Porsche zum ersten Mal nach 15 Jahren wieder ein eigenes Werksteam aufgebaut und entsprechend hohe Ziele ausgegeben. Denen konnte zuerst keiner der beiden eingesetzten Porsche gerecht werden — weder die Startnummer 91 mit Bergmeister und Patrick Pilet (Frankreich) noch die Startnummer 92 mit Marc Lieb (Ludwigsburg) und Richard Lietz (Österreich). Die Konkurrenz von Aston Martin und Ferrari zog eher mühelos davon.

Der Mythos Le Mans brachte den erhofften sportlichen Durchbruch und hauchte den hohen Ambitionen neues Leben ein. Lieb/Lietz und Bergmeister/Pilet sorgten für einen Doppelsieg, sodass die Welt für Porsche auf einmal wieder deutlich freundlicher aussah. Folge: Das Werksteam kletterte in der Hersteller-Wertung und in der Wertung für die einzelnen Autos eines Teams jeweils an die Spitze. Der kleine Haken für Bergmeister: Er und sein Partner Patrick Pilet liegen in der "Einzelwertung" mit 44 Punkten auf Rang fünf, während die Kollegen Lieb/Lietz hier mit 74 Zählern ebenfalls die Führung eroberten.

Daraus folgt, dass irgendwann vielleicht der Zeitpunkt für interne taktische Ideen kommen könnte, damit am Ende der Saison zumindest einer der beiden Porsche den ersten Platz ins Ziel bringt. Bergmeister macht aus seinen Wünschen trotzdem kein Geheimnis: "Am liebsten würde ich noch ein paar Rennen gewinnen." Die Entscheidung fällt ja sowieso auf der Strecke und nicht am Reißbrett.

(RP)
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