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Handball: Warum die Baumberger absteigen werden

Handball : Warum die Baumberger absteigen werden

Dem Fußball-Oberligisten fehlen neun Punkte zum rettenden Ufer, obwohl das interne Klima besser geworden ist. Permanent auftretende Personalsorgen sind ein Problem. Gegen direkte Konkurrenz hat die Mannschaft zu oft einen Vorsprung noch eingebüßt.

Die Zeit der Sportfreunde Baumberg (SFB) in der Fußball-Oberliga neigt sich zumindest vorläufig dem Ende entgegen. Nach dem 1:1 beim SV Sonsbeck und den für Baumberg nicht hilfreichen Resultaten der ebenfalls gefährdeten Konkurrenz helfen Augenwischerei oder Durchhalteparolen nicht mehr. Natürlich verlangt Trainer Salah El Halimi, dass seine Mannschaft weiterhin alles gibt - um wenigstens zurück auf den viertletzten Platz zu klettern. Das ist aber eine rein vorbeugende Maßnahme. "Man weiß ja nie, was in der Klasse passiert", sagt der Coach. Außerdem mag er nicht aufgeben, solange das Schicksal der Sportfreunde rechnerisch noch nicht besiegelt ist. Dass Baumberg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die Landesliga absteigen wird, hat ein paar Gründe - über die sich Salah El Halimi als Winter-Nachfolger mit seinem Vorgänger Marc Schweiger wohl halbwegs einig wäre. Die Parallelen sind verblüffend.

Die Sportfreunde verfügen über eine Mannschaft mit vielen überdurchschnittlich veranlagten Spielern. Und nicht wenige ordnen die Qualität des Kaders ins obere Tabellendrittel ein. Ein Beispiel: Die Offensiv-Achse mit Ivan Pusic, Kosi Saka, Louis Klotz, Nils Esslinger und Erkan Ari gehört zum Besten, was die Oberliga zu bieten hat. Gemeinsam auf dem Platz standen die Herren jedoch im Laufe der Saison höchst selten. Zuletzt fehlten erst Klotz und Saka, ehe Saka zurückkehrte - und Esslinger an der Reihe war. Top-Angreifer Pusic verpasste in der Hinrunde einige Spiele.

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Noch härter traf es Baumberg weiter hinten, denn die Abwehr war praktisch immer eine Großbaustelle. Die oft umformierte Viererkette schien sich mit dem Comeback von Daniel Rey Alonso zu stabilisieren. doch das Pech blieb. Wie wichtig der 27-Jährige in der Innenverteidigung ist, belegen zwei Fälle. Mitte März führte Baumberg beim Kellerkonkurrenten Homberg mit 2:0, ehe Rey Alonso vom Platz musste. Danach gab es zwar noch das 3:0, doch später brach hinten phasenweise das Chaos aus (3:3). "Ich glaube, Tore nach Standard-Situationen haben wir nur in Spielen ohne ihn bekommen." So war es auch am vergangenen Sonntag, als aus einem 1:0 kurz vor dem Ende noch der 1:1-Endstand wurde.

Ebenfalls auffällig: Baumberg hat bisher zu selten einen Vorsprung ins Ziel gerettet. Neben dem unvergessenen 3:3 in Homberg und dem 2:2 gegen den VfB Hilden traf das auch in Sonsbeck zu. "Wenn man das mal addiert, fehlen uns sechs Punkte", sagt Trainer El Halimi, "und hätten wir die, wären wir voll dabei." Die Ursache mag er trotzdem nicht als Mangel an Qualität bezeichnen: "Es kommen immer viele Kleinigkeiten zusammen. Vielleicht sind wir in manchen Situationen nicht clever genug." Treffend ist die Einschätzung, dass die Sportfreunde unter seiner Regie noch nicht auf den Faktor Glück bauen konnten. Es gab in der Rückrunde keinen Punktgewinn oder Sieg, der unverdient gewesen wäre. "Und so etwas hätte ich selbstverständlich gerne mal genommen", räumt der Coach ein.

"Bestes" Beispiel für eine fatale Mischung aus individuellen Fehlern und Pech war das Abstiegsduell gegen SW Essen, das Baumberg vor gut einem Monat am 2. April mit 0:1 abgeben musste. Vor dem Treffer des Tages in der 75. Minute ging der Ball im Aufbau verloren. Hinten wollte Louis Klotz das Unheil noch verhindern - und lenkte das Spielgerät dabei ins eigene Netz. Die Niederlage wirkte sich für die Sportfreunde krass aus, weil sich Essen dadurch zum rettenden Ufer orientieren konnte. Bei einem umgekehrten Resultat wäre die übrige Saison vermutlich etwas anders weitergegangen.

Die 14 Zähler aus der Hinrunde werden die Baumberger vermutlich übertreffen, denn aus zwölf Partien mit El Halimi gab es bisher zwölf Punkte. Deutlich besser ist das interne Klima geworden, das im ersten Teil der Serie oft grenzwertig wirkte. "Ich bin bis auf ein oder zwei Ausnahmen sehr zufrieden damit, wie die Mannschaft auftritt", erklärt der SFB-Trainer. Da hat er seinem Vorgänger Schweiger ausnahmsweise etwas voraus. Dennoch steht die Mannschaft für den Rest der Serie bis Anfang Juni weiter unter Beobachtung - ein Puzzleteil im Blick auf 2015/2016. "Die Planungen sind natürlich viel schwieriger, wenn du nicht genau weißt, wo du spielen wirst", sagt El Halimi. Manches spricht nun dafür, dass ein anderer Oberliga-Trainer mit seinem Urteil richtig liegen wird: "Wenn du Glück hast, spielst du mit dieser Baumberger Mannschaft weit oben hast. Wenn du Pech hast, kannst du sogar absteigen."

Danach sieht es jetzt aus, zumal am Sonntag (15 Uhr, Sandstraße) gegen den Ersten SSVg. Velbert die schwierigste mögliche Aufgabe wartet. El Halimi versucht es mit Humor: "Diese Aufgabe würde ich am liebsten überspringen." Anschließend gibt es die Aufgaben beim Neunten Kapellen/Erft (17. Mai), gegen den Siebten Hiesfeld (25. Mai), gegen den Letzten Nievenheim (31. Mai) und beim Achten TuRU Düsseldorf (7. Juni). Dass Baumberg alles gewinnt und die besser platzierte Konkurrenz alles verliert, ist äußerst unwahrscheinlich. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass sich die Oberliga-Zeit der Sportfreunde dem Ende entgegenneigt. Darin könnte dann auch die große Chance liegen, sich neu aufzustellen - was den Wunsch vom direkten Wieder-Aufstieg nicht ausschließt.

(RP)