Vierter Spieltag: Quo vadis, Baumberg?

Fußball : Vierter Spieltag: Quo vadis, Baumberg?

Der Fußball-Oberligist trifft nach drei Partien ohne Sieg auf den ETB SW Essen, der ohne einen einzigen Punkt noch unzufriedener ist.

Es wird das Duell der Enttäuschten, die sich die Dinge am Anfang der Saison in der Fußball-Oberliga ganz anders vorgestellt hatten. Erstens: Der Vorjahres-Vierte SF Baumberg (SFB) wollte vernünftig beginnen und die Basis dafür legen, dass der Weg zum sicheren Klassenerhalt so schnell wie möglich erledigt ist. In der vergangenen Serie war das immerhin schon nach der Hinrunde der Fall und das Team des damaligen Trainer Salah El Halimi durfte sogar als Tabellenführer überwintern. An die Spitze wollte eigentlich auch der ETB SW Essen, denn der Sechste der Saison 2017/2018 hatte vor der neuen Saison nicht mal besonders heimlich den Plan ausgegeben, es doch ernsthaft mit dem Aufstieg in die Regionalliga zu probieren. Fazit nach den ersten drei Partien: Baumberg hängt mit zwei Zähler noch ohne Sieg auf Rang 13 herum, der definitiv kein bequemes Ruhekissen ist. Da könnte es fast eine Art Trost sein, dass es dem Klub aus dem Ruhrgebiet noch schlechter geht – Platz 17, Vorletzter, null Punkte. Nun erwartet Baumberg die Essener morgen (15 Uhr, Sandstraße) zu einem Spiel, das für beide Seiten die Weichen in die eine oder andere Richtung stellen dürfte.

Der Sportliche Leiter Redouan Yotla weiß sehr genau, dass in der Vorbereitung vieles ganz und gar nicht zum Standard bei einem Oberligisten passte. Das lag auf der einen Seite daran, dass Urlaubspläne von Spielern das anwesende Personal bisweilen drastisch reduzierten. Hinzu kamen Verletzungen und Erkrankungen, sodass Interims-Cheftrainer Francisco Carrasco (Co-Trainer) kaum vernünftig arbeiten konnte und bei dem einen oder anderen Test sogar auf A-Junioren und Testspieler zurückgreifen musste. Außerdem beendete der erst für diese Saison als Nachfolger von Salah El Halimi (Fußball-Pause) verpflichtete Andreas Franke (offizielle Begründung: berufliche Gründe) seine Tätigkeit plötzlich – was die Baumberger so auch nicht erwartet hatten. Gerade sind die Sportfreunde dabei, das möglichst Beste aus den Umstellungen zu machen. „Manche Jungs haben Nachholbedarf“, sagt Yotla, „und natürlich macht sich jede fehlende Woche bemerkbar.“ Sein fester Plan: „Das wird so nicht mehr vorkommen.“

Am ersten Spieltag bot Baumberg gegen den Aufsteiger Union Nettetal vor allem in der ersten Halbzeit eine ordentliche Leistung, konnte aber am Ende mit dem 2:2 wenig anfangen. Es folgte das 1:2 beim VfB Homberg, dass die Verantwortlichen trotz der Niederlage als Schritt in die richtige Richtung werteten. Weniger Begeisterung löste dann das 2:2 beim TVJahn Hiesfeld aus. „Das kann nicht sein, dass wir da in der 90. Minute durch das Tor von Jannik Weber glücklich einen Punkt holen“, findet Yotla. Weit weniger glücklich waren bislang die Essener, die dreimal knapp den Kürzeren zogen – 0:1 gegen den SC Velbert, 1:2 in Nettetal, 0:1 gegen den VfB Homberg. Besonders die Niederlage in Homberg traf das Team von Trainer Manfred Wölpper hart, denn den Treffer des Tages für die Hausherren erzielte Dennis Wibbe in der Nachspielzeit.

Duelle zwischen Essen und Baumberg zeichnen sich durch zwei Faktoren aus. Erstens: Es fallen bisweilen viele Tore. Zweitens: In der Regel gewinnt doch Schwarz-Weiß, das in der vergangenen Saison zum Beispiel sein Heimspiel gegen die Sportfreunde mit 5:4 zu seinen Gunsten entschied. mann des Tages war seinerzeit ETB-Stürmer Marvin Ellmann, der im September 2017 alle fünf Treffer für die Hausherren erzielte – nicht zuletzt deshalb, weil ihn die SFB-Abwehr in der einen oder anderen Szene großzügig gewähren ließ oder sogar bediente. In der Rückrunde im März 2018 gingen die Sportfreunde beim 3:4 erneut leer aus. Dass sich Ellmann dabei mit einem Treffer begnügte, war für die Gastgeber kein wirklicher Trost. Baumberg braucht trotzdem nicht darüber nachzudenken, ob Essen eine Art Angstgegner sein könnte. Co-Trainer Carrasco bringt es richtig auf den Punkt: „Das wird für uns definitiv keine einfache Aufgabe. Schwarz-Weiß gehört nicht dort hin, wo sie jetzt stehen.“ Er hat die Versäumnisse von Hiesfeld angesprochen und geht fest davon aus, dass die Mannschaft ihre Lernfähigkeit unter Beweis stellt.

Größte Baustelle dürfte erneut die zentrale Defensive sein, weil Patrick Jöcks noch gesperrt ist und Lukas Fedler nach überstandenem Bänderriss erst auf dem Weg zu alter Frische. Carrasco: „Er quält sich für die Mannschaft.“ Voran werden wohl besonders Kapitän Ivan Pusic und Robin Hömig gehen müssen – der eine als Ordnungsfaktor etwas weiter hinten im Mittelfeld (Pusic), der andere mit den dringend benötigten Impulsen etwas weiter vorne.

Baumberg wirkt ruhig, kennt aber die Gesetzmäßigkeiten des Fußballs. „Allen ist klar, dass wir gegen Essen gewinnen müssen“, erklärt der Sportliche Leiter Yotla. Zwei teambildende Maßnahmen sollen zusammenschweißen. Gestern Abend war das Team bei der Hochzeitsfeier von Ali Daour, heute folgt ein gemeinsames Frühstück. Am liebsten wäre es den Sportfreunden jedoch, wenn morgen drei Punkte auf den Tisch kommen.

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