Lokalsport: Unruhe trifft auf Euphorie

Lokalsport : Unruhe trifft auf Euphorie

Handball-Oberligist SG Langenfeld tritt beim Neusser HV an – der gerade bestens drauf ist.

Handball-Oberligist SG Langenfeld tritt beim Neusser HV an — der gerade bestens drauf ist.

Beim Blick auf die andere Rheinseite könnten die Oberliga-Handballer der SG Langenfeld (SGL) und ihr Trainer Heino Kirchhoff vor dem Spiel morgen (16.30 Uhr) beim Neusser HV durchaus neidisch werden. Kirchhoffs Kollege René Witte hatte kürzlich ein echtes Luxusproblem, als er sich zum Tritt auf die Euphoriebremse genötigt sah: "Erst haben wir den Spieler des Monats, dann werden wir Mannschaft des Jahres und jetzt sind wir Tabellenführer. Jetzt reicht es mit der Feierei."

Das ist der Knackpunkt, denn von Euphorie oder guter Laune scheint sich die SGL gerade immer weiter zu entfernen. Das hat weniger mit der aktuellen Situation in der Tabelle zu tun, die Langenfeld mit 21:11 Punkten auf dem beachtlichen Platz sechs führt. In erster Linie geht es darum, dass sich um die kommende Serie unverändert manche Fragezeichen ranken.

Sicher ist, dass im Solinger Leszek Hoft ein neuer Trainer auf den Solinger Kirchhoff folgt. Darüber hinaus sollen die meisten Spieler aus dem aktuellen Kader fest ihr Bleiben zugesagt haben — gemäß einer Auflistung in der "Time Out" (Hallenheft) zur Partie am vergangenen Wochenende gegen Borussia Mönchengladbach (20:21) immerhin elf Team-Mitglieder. Der eine oder andere Spieler mochte den Stand der Dinge so allerdings nicht bestätigen. Das lässt unter dem Strich eher den Schluss zu, dass wohl doch einige personelle Fragen offen sind.

Weniger offen scheint die Frage nach den Aussichten für die Aufgabe in Neuss zu sein, das von Anfang an ein Titelkandidat war und in Kirchhoffs Augen längst als Top-Favorit für die Meisterschaft gilt. In der Hinrunde bot der Spitzenreiter neben starker Spielführung auch eine kräftige Portion Cleverness, die ihm letztlich das 28:27 einbrachte. Im Umkehrschluss traf Langenfeld damals viele falsche Entscheidungen — wie zuletzt bei der Niederlage gegen Mönchengladbach.

Dafür glaubt Kirchhoff die Ursache erkannt zu haben: "Wir machen uns oft zu viel Stress. Wir sind nicht zufrieden, wenn wir eine Mannschaft, die viel besser ist als wir, an den Rand einer Niederlage bringen. Wir sollten uns diesen Stress wegnehmen. Deshalb haben wir jetzt nichts anderes zu tun, als so gut wie möglich zu spielen." Dass die Hausherren nach sieben Siegen hintereinander auf Langenfelder Befindlichkeiten irgendwie Rücksicht nehmen werden, gilt zugleich als ausgeschlossen — und womöglich ist die SGL nach dem Spiel noch ein bisschen neidischer auf Neuss.

(RP/rl)