Kegeln: Über Nacht: Sportkegler sind jetzt Bundesligist

Kegeln : Über Nacht: Sportkegler sind jetzt Bundesligist

Die Fusion mit Paffrath führt dazu, dass nun auch die Langenfelder Herren in der höchsten Klasse spielen - als krasser Außenseiter.

In der vergangenen Saison ging Toni Perez noch für das Viertliga-Team des SKC Langenfeld auf die Bahn. Nun hat sich der sportliche Anspruch für ihn und seine Mitspieler praktisch über Nacht deutlich erhöht. Am Samstag (13 Uhr) bestreitet er gegen den TSV Salzgitter seine erste Partie in der Bundesliga. Möglich wurde der überraschende Sprung durch die Klassen, weil im Juni die Fusion mit dem Bundesligisten SKC 67 Paffrath erfolgte - der bereits seit einigen Jahren seine Heimspiele in der Manni-Jung-Sportkegelhalle am Freizeitpark über die Bühne bringt.

Der Zusammenschluss hat vor allem finanzielle Gründe. Der bisherige Haupt-Geldgeber der Mannschaft aus Bergisch Gladbach hat sein Engagement für die kommende Saison nicht verlängert - und es war unmöglich, kurzfristig einen Ersatz zu finden. Die Kosten für Auswärtsreisen und Spielerprämien konnte der Verein deshalb nicht mehr decken, sodass er sogar kurz vor der Auflösung stand. "Mit der Fusion haben wir auch das Startrecht in der Bundesliga erhalten", sagt Perez, Geschäftsführer des Dachvereins Sportkegler Langenfeld, "es gab allerdings die Auflage des Verbandes, dass Paffrath im Namen des neuen Vereins enthalten sein muss. Deswegen haben wir uns umbenannt."

Im Grunde gab es zwei Optionen. Die erste: Paffrath löst sich auf und einige Spieler wechseln nach Langenfeld. Das hätte allerdings zur Folge gehabt, dass die Mannschaft wie bisher in der Rheinlandliga hätte antreten müssen. Die Alternative zu dieser Idee war die Fusion nebst Umbenennung und Startrecht in der Bundesliga. "Der Kader setzt sich aus Spielern beider Teams zusammen", berichtet Perez, "wir wissen, dass es eine extrem harte Saison wird." Das liegt vor allem an den vielen Abgängen aus dem alten Kader der Paffrather. Die stärksten Stützen sind größtenteils zu anderen Bundesligisten abgewandert - vor allem wegen der Prämien.

Der Rest bildet nun zusammen mit dem Viertliga-Team der Langenfelder Herren den Kader für die höchste deutsche Spielklasse. "Im Grunde sind wir nicht bundesligatauglich", räumte der 45-jährige Perez ein. Daraus ergibt sich: "Wir sind absoluter Außenseiter und können eigentlich nur gewinnen." Viel mehr als einige Achtungs-Arfolge seien wohl nicht zu holen, vermutet Perez. Die Saisonziele umschreibt er entsprechend zurückhaltend: "Wir wollen vor allem dazulernen und vielleicht die eine oder andere Überraschung schaffen."

Die Abstiegsrunde dürfte daher bereits vor dem Start gebucht sein für die Herren des SKC Langenfeld/Paffrath, die nach Möglichkeit trotzdem nicht nur ein Punktelieferant für die etablierten Teams sein wollen. "Wir wollen das Beste daraus machen - auch wenn wir vermutlich einige Spiele ziemlich klar verlieren werden", betont Perez, "wir kalkulieren von Anfang an die Abstiegsrunde mit ein." Und falls es nicht für die Bundesliga reiche, wolle sich Langenfeld im nächsten Jahr in der 2. Liga beweisen.

Um den Verbleib in der höchsten Spielklasse geht es hingegen erneut bei den Damen des SKC, die am 6. September (14 Uhr) beim KSC Dilsburg ebenfalls unter dem neuen Namen in die Bundesliga-Saison starten. Das Team um Spitzenspielerin Bettina Woltersdorf schaffte in den vergangenen Jahren stets den Klassenerhalt und erarbeitete sich dadurch den Nimbus der "Unabsteigbaren". Für Manuela ter Haar ist das auch diesmal das erste Ziel - allerdings verbunden mit einem Blick nach oben. "Vielleicht schaffen wir es in dieser Saison in die Play-Offs um die Meisterschaft", sagt die Teamsprecherin, "man soll sich ja schließlich immer nach oben orientieren." Es scheint, als hätten sich die Herren des SKC diesem Motto angeschlossen. "Die Erwartungen sind gering, aber vielleicht ist genau das eine kleine Chance für uns", glaubt Toni Perez.

(dora)