Fussball: Torfrau Doege soll den HSV nach oben führen

Fussball : Torfrau Doege soll den HSV nach oben führen

Die ehemalige Jugendnationalspielerin kehrt in ihre Heimat zurück. die inzwischen 20-Jährige ist als Sportlerin gereift.

Sie ist wieder da – Leonie Doege, die Torfrau, die beim HSV Langenfeld das Fußballspielen lernte, streift seit dieser Saison wieder regelmäßig das Trikot des Hucklenbrucher Sportvereins über und unterstützt die 1. Damenmannschaft, die im vergangenen Jahr in die Landesliga aufgestiegen ist.

Aber nicht nur im Tor, wie sich gleich im ersten Spiel am vergangenen Sonntag zeigte – denn da war sie gleich mal 90 Minuten im Sturm zu sehen. „Das erste Spiel war für mich persönlich super schön“, erzählt Doege, die ursprünglich Feldspielerin war, bevor ihr Torwarttalent entdeckt wurde. Beim 2:2 gegen die SVG Neuss-Weissenberg klappte es zwar nicht mit einem Tor, aber einer Torvorlage. „Vorrangig wird sie aber sicherlich im Tor eingesetzt werden“, erklärt HSV-Damen-Trainer Volker Bochnia. Kein Wunder, denn die Erfahrung auf dem Feld wirkt sich auch aufs Torwartspiel aus. „Ein Torwart spielt mittlerweile rund 80 Prozent der Bälle mit dem Fuß statt mit der Hand“, weiß Doege. Das Rauskommen hat sie also drauf und Angst vor dem Ball hat sie auch nicht.

Dass die 20-Jährige nun wieder beim HSV spielt, ist auch seinem Engagement zu verdanken. „Als ich in der Zeitung gelesen habe, dass Leonie wieder da ist und beim SSV Berghausen Torwarttraining gibt, habe ich sie mal angesprochen, ob sie wieder spielen möchte“, erinnert sich Bochnia. Für Doege, die in anderthalb Jahren College-Fußball mit einem Vollstipendium an der Butler-University in Indianapolis wertvolle Erfahrungen sammelte, war nach ihrer Rückkehr Ende 2018 relativ schnell klar, dass sie sportlich etwas kürzer treten wollte. „Ich hatte schon ein paar leichtere Verletzungen und wollte hinsichtlich meines Sportstudiums das Leistungspensum runterfahren“, berichtet sie von ihren Beweggründen.

Bei acht Praxiskursen von Volleyball bis Schwimmen im Rahmen des Studiums verständlich – mit den Damen des HSV steht dazu noch drei Mal in der Woche Training an. „Das ist schon anstrengend und man braucht eine gute Regeneration“, weiß die erfahrene Sportlerin – inklusive Dehneinheiten, um dem Muskelkater vorzubeugen und eines guten Schlafrhythmus’, erklärt Leonie Doege ihr Vorgehen.

„Hier kann sie das Training, zum Beispiel in der Klausurenphase, auch mal einschränken“, sagt Bochnia. Denn die Ausbildung oder auch der Schichtdienst beruflich eingebundener Spielerinnen gehe vor. Als Zweitfach für das Lehramt an Haupt-, Real- und Gesamtschule hat sich Doege für Biologie entscheiden. Dass sie nicht mehr Bundesligafußball spielt ist für die passionierte Sportlerin kein Problem. „Ich hab mich nie um den Ruf gekümmert. Egal, was für ein Spiel, ich wollte immer mein Bestes geben und gewinnen.“

Ursprünglich dachte Volker Bochnia, es wäre ein weiter Weg, die Spielberechtigung für Doege zu bekommen. „Weil einem Wechsel immer der letzte Verein zustimmen muss“, erklärt er – der Weg über den nordamerikanischen Verband schien ein weiter zu sein. Doch da die College-Mannschaft in Indianapolis letztlich nicht als Verein gesehen wurde, ging alles sehr schnell. „Man merkt ihr an, dass sie mit ihren 20 Jahren eine gewisse Reife und Professionalität mitbringt“, und davon profitiere auch der Rest der Mannschaft, weiß der Trainer. Im Vergleich sei das deutsche Fußballspiel taktischer, findet Leonie Doege. „In den USA können die Trainer unbegrenzt wechseln“, erinnert sie sich. Da könne sich ein Stürmer 20 Minuten auspowern, sich auf der Bank ausruhen und anschließend wieder ins Spiel kommen. Das Planen von Wechseln und das Einteilen der Kräfte im deutschen Spiel findet sie „schöner“. Als besonderen Vorteil im amerikanischen Spiel hat sie das Anhalten der Spielzeit bei Unterbrechungen ausgemacht. „Dadurch, dass absichtliches Zeitspiel nichts bringt, ist das Spiel insgesamt angenehmer und es gibt keine Unruhen.“

Leonie Doeges größter Erfolg mit dem HSV in der Vergangenheit war der Aufstieg mit der U17 in dei Niederrheinliga. Danach zog es sie zum großen Nachbarn Bayer Leverkusen in die dortige U17-Bundesligamannschaft. Mit der U17-Nationalmannschaft wurde sie 2016 sogar Europameisterin. Dass für sie in Zukunft die DFB-Auswahl keine Option sein würde, war schon früh klar. Für die A-Nationalmannschaft ist sie mit 1,67 Meter als Torfrau zu klein.

Nach 16 Spielen steht ihr Verein nun auf dem dritten Platz und es wird spannend zu sehen, wie die erfahrene Rückkehrerin die 1. Damen des HSV Langenfeld weiter unterstützen und nach vorne bringen wird. Trainer Bochnia hat zumindest große Pläne: „Leonies Rückkehr ist ein weiterer Schritt, um uns im gehobenen Frauenfußball auf Verbandsebene zu etablieren.“