Motorsport: Tim Bergmeister: Nächster Halt ist Japan

Motorsport : Tim Bergmeister: Nächster Halt ist Japan

Der Langenfelder Motorsportler belegte zum Auftakt der Pirelli World Challenge 2014 beim schwierigen Rennen in St. Petersburg den zehnten Platz. Nach einem Mini-Aufenthalt in der Heimat flog der 39-Jährige direkt nach Okayama.

Traumhaft war höchstens die Lage, denn St. Petersburg in Florida gehört zum Golf von Mexiko. Wer da am Wasser steht, kann bei den richtigen äußeren Bedingungen einen fantastischen Blick genießen. Amerikaner nennen das gerne "scenic view" — was so viel wie malerisch heißen soll. Der Langenfelder Motorsportler Tim Bergmeister dürfte aber aus mehreren Gründen wenig beeindruckt gewesen sein. Erstens hatte er sich mit seinem in Texas beheimateten Team Effort Racing im Porsche 911 GT 3 R vor allem um dienstliche Belange zu kümmern, denn es stand der Auftakt zur Saison 2014 in der Pirelli World Challenge auf dem Programm. Zweitens funkte plötzlich ein heftiges Unwetter dazwischen, sodass eins der beiden angesetzten Rennen kurzfristig abgesagt werden musste. Und drittens war der zehnte Platz im einen verbliebenen Rennen nicht richtig dazu geeignet, in Jubel auszubrechen.

Wartezeit: Sogar die Ruhephasen verbrachte Tim Bergmeister bisweilen in der Nähe seines Dienstwagens. Foto: Effort Racing

"Wir wussten vorher, dass St. Pete für uns schwierig wird", sagte Bergmeister, der nach seinem schweren Unfall aus dem Mai 2012 zum ersten Mal wieder in einer Meisterschaft um Punkte kämpfte. Dafür hatte er sich gemeinsam mit den Mechanikern und Ingenieuren intensiv vorbereitet, um gegen die starke Konkurrenz mithalten zu können. "Vom Team her war das alles super", berichtete Bergmeister. Dafür deutete sich bereits in den beiden freien Trainings an, dass für die erhoffte Top-Platzierung schon sämtliche Puzzleteile optimal passen müssen.

Bergmeister, der alles gab, musste sich zweimal mit dem elften Rang begnügen. Im Qualifying (Zeittraining, entscheidet über die Startaufstellung) sprang Rang 13 heraus — mit rund 1,9 Sekunden Rückstand auf den Tschechen Tomas Enge in einem Lamborghini Gallardo. Die Differenz war für den nur 2,9 Kilometer langen Straßenkurs eine gefühlte Ewigkeit, die sich später im Rennen ähnlich bemerkbar machte.

Der Langenfelder erwischte einen ordentlichen Start, war zwischenzeitlich auf dem achten Platz unterwegs und hätte womöglich auf Rang fünf spekulieren können. Daraus wurde allerdings nichts. Bergmeister: "Wir hatten Probleme mit den Reifen und dazu noch mit unserem ABS-System." Bisweilen musste er außerdem machtlos zusehen, wie der eine oder andere Mitbewerber auf der Geraden mühelos vorbeizog. Das hatte mit der Einstufung des Porsche 911 GT 3 R zu tun, der zum Beispiel mit einem anderen Luftmengenbegrenzer unterwegs war (Restriktor). Formel: Weniger Luft bringt weniger Leistung. "Der Lambo vorne ist in einer eigenen Liga gefahren", urteilte Bergmeister; "wir arbeiten dran." Er hofft, dass die Serien-Verantwortlichen für die weiteren Rennen nachbessern.

Nachbessern musste der Ausdauer-Fanatiker zudem bei seiner Reiseplanung. Und der ohnehin nur kurze Aufenthalt in der Heimat fiel noch kürzer aus — wegen des heute beginnenden Streiks auf deutschen Flughäfen. Am Montag kam der Langenfelder aus Orlando wieder in der Heimat an. Hier gönnte er sich einen Abstecher zur Kartbahn nach Kerpen, um rasch ein paar Details für die Kart-Challenge zu klären — in der sein Sohn Jakob (8) in Kürze um die Meisterschaft fährt. Bereits am Dienstagmorgen saß Tim Bergmeister dann am Frankfurter Flughafen — nachdem er den für gestern geplanten Flug nach Japan umgebucht und um einen Tag vorgezogen hatte.

In Okoyama beginnt am Wochenende die japanische Serie Super GT, die Bergmeister ebenfalls nicht als gemächlichen Betriebsausflug ansieht. "Unser Material da sollte passen", glaubt der Motorsport-Profi, der sich am Steuer eines Porsche 911 GT 3 R des Teams KTR mit dem Japaner Akihiro Tsuzuki abwechselt. Okoyama ist eine Hafenstadt und bietet vermutlich ebenfalls reizvolle Blicke aufs Meer. Tim Bergmeister wird vermutlich wieder kein besonderes Auge dafür haben. Ein ordentliches Ergebnis wäre ihm sowieso viel lieber.

(RP)