Lokalsport: Tag der Entscheidung: Bleibt Langenfeld drin?

Lokalsport: Tag der Entscheidung: Bleibt Langenfeld drin?

Der Handball-Drittligist trifft zum Saison-Abschluss auf Minden II. Die Partie könnte eine Geburtstagsparty für Andreas Nelte werden.

Es ist ein besonderer Tag. Die Handballer der SG Langenfeld (SGL) stehen schließlich vor einem echten Endspiel im Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga. Und mehr Spannung geht nicht. Gewinnt der Aufsteiger heute Abend (19 Uhr, Halle Konrad-Adenauer-Gymnasium) gegen den TSV GWD Minden II sein letztes Saisonspiel, kann er die Klasse halten - vielleicht. "Es hat keiner damit gerechnet, dass wir noch dieses Finale haben", sagt Andreas Nelte, "dass es so kommt, hätten wir jederzeit unterschrieben." Nelte weiß die Lage einzuschätzen - und alles hängt an einem seidenen Faden. Für ihn selbst wäre ein Erfolg nicht nur der perfekte Abschluss einer ziemlich einmaligen Karriere in Langenfeld. Nelte ist der erfahrenste Spieler des Kaders. Und er wird heute 35 Jahre alt.

Die Vergangenheit: Als Andreas Nelte vor zehn Jahren nach Langenfeld kam, war der heutige Trainer Dennis Werkmeister sein Mitspieler - und Beach-Handball ein Teil der Vorbereitung des damaligen Landesligisten. Foto: Ralph Matzerath (ARCHIV)

Als Nelte 2007 von der Burscheider TG zum Landesligisten SGL kam, war er Rückraumspieler. Der damalige Trainer Heino Kirchhoff machte aus ihm einen Kreisläufer - eine Entscheidung, die sich als Volltreffer erweisen sollte. Direkt in der Saison 2007/2008 sprang der Aufstieg in die Verbandsliga heraus und 2011 folgte der Sprung in die Oberliga. In der traumhaften Saison 2016/2017 gab es eine weitere Steigerung: Nelte war entscheidend am Aufstieg in die 3. Liga beteiligt und zentraler Bestandteil jener Mannschaft, die den Deutschen Amateurpokal gewann - als Abwehrspieler, als Kreisläufer, als Fixpunkt des Teams. Sonst war kein anderer Spieler der heutigen Mannschaft über zehn Jahre lang ununterbrochen dabei.

Inzwischen bekommt Nelte weniger Einsatzzeit, weil ein Teamkollege genau auf seinen Positionen in den Vordergrund gerückt ist. "Damit habe ich überhaupt kein Problem", betont Nelte, "Dustin Thöne hat sich stark entwickelt. Und es ist völlig legitim, dass er mehr spielt." Trainer Dennis Werkmeister findet diese Einstellung großartig: "Das zeichnet Andi Nelte aus." Gemeinsam gehören beide bald als Spieler zur zweiten Mannschaft in der Verbandsliga, denn Werkmeister hört als Coach der Ersten auf. Ebenfalls für die Zweite werden demnächst Matthias Herff und Alexander Klimke auflaufen, während Thöne (Longericher SC) und Tim Menzlaff (Leichlinger TV) in der 3. Liga bleiben. Torhüter Tobias Geske wechselt zur HG Remscheid (Oberliga). Gemeinsames Ziel zum Abschluss: Gegen Minden soll ein Sieg her.

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Insgesamt gibt es für heute mehrere Möglichkeiten im Krimi mit den Hauptdarstellern Ahlener SG (Platz 13/18:40 Punkte), TuS Volmetal (14) und SGL (15/jeweils 17:41). Einer wird sicher den feststehenden Absteiger SG Ratingen (5:53) in den Aufzug nach unten begleiten. Wäre bereits Schluss, müsste Langenfeld absteigen - weil es den bei Punktgleichheit entscheidenden direkten Vergleich gegen Volmetal verloren hat (26:29/36:33). Selbst ein Langenfelder Sieg über Minden genügt dann nicht, wenn auch Ahlen (beim Zehnten HSG Krefeld) und Volmetal (gegen den Zwölften VfL Gummersbach II) die Oberhand behalten. Das andere Extrem: Holt die SGL einen Erfolg und verlieren die Kontrahenten, klettert sie bei dann 19:41 Zählern auf den rettenden Rang 13.

Die zweite Option auf den Klassenerhalt könnte die Qualifikation in einer Woche gegen weitere Drittliga-Drittletzte sein. Langenfeld müsste sich dafür um eine Position verbessern - wozu mindestens ein Punkt notwendig ist, um wenigstens Volmetal hinter sich zu lassen. Andere Variante: Langenfeld und Volmetal gewinnen, während Ahlen verliert - und dann der zweite direkte Absteiger wäre. Ob der Sieger der Quali-Runde wirklich in der Klasse bleibt, wird sich erst nach der Saison zeigen. Alles hängt davon ab, ob alle qualifizierten Drittligisten melden und ob alle aufstiegsberechtigten Oberligisten ihre Fahrkarte auch benutzen.

Rechenspiele und heiße Drähte in andere Hallen werden überflüssig, falls Langenfeld gegen Minden leer ausgeht. Schwierig ist die Aufgabe, weil die Reserve des Bundesligisten mit bisher 17:11 Punkten eine starke Rückrunde hinlegt und auf Rang neun längst sämtliche Sorgen los ist. Werkmeister zeigt sich optimistisch: "Wir gewinnen." Nelte sieht es fast sachlich: "Wir werden alles geben und dann sehen, was herauskommt. Ich habe ein ganz gutes Gefühl." Ein besonderer Tag ist es sowieso.

(RP)
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