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SSV Berghausen/TuSpo Richrath: Quarzsand sorgt für Verletzungen

Probleme mit Kunstrasenplätzen : Neue Verfüllung verletzt Fußballer

Seit Quarzsand eingebracht wurde, gibt es Probleme auf den Kunstrasenplätzen von SSV Berghausen und TuSpo Richrath, wo es gar einen Kreuzbandriss gab. Die Stadt Langenfeld kennt das Problem und wird bei einer Begehung ein Gutachten erstellen lassen.

Dass gehandelt werden musste, war klar. Die Umsetzung stellt sich aber nun als mindestens suboptimal heraus. Auf den Plätzen des Fußball-Bezirksligisten SSV Berghausen und des A-Kreisligisten TuSpo Richrath verklumpte das in den Kunstrasen eingestreute Gummigranulat durch die in den vergangenen heißen Jahren erhöhte Sonneneinstrahlung immer mehr, TuSpo-Trainer Marco Schobhofen spricht von „Golfball-großen Klumpen unter den Schuhen“, die das Laufen naturgemäß erschwerten. Auf beiden Plätzen hatten auch die Nähte zwischen den Rasenbahnen gelitten, bei TuSpo erwischte es im ersten Training der Vorbereitung deshalb Maurice Wermke übel, der in einer Naht hängenblieb und sich einen Kreuzbandriss zuzog.

Also musste die Befüllung ausgetauscht werden, und da das Gummigranulat durch seinen Mikroplastik-Anteil als umweltschädlich gilt, wurde Sand verfüllt. Allerdings kein spezieller Alpha-Sand, der gerundet ist, sondern Quarzsand, der scharfkantiger ist. Und prompt ist die Zahl der Verletzungen gestiegen. „Das reicht von Verbrennungen und Schürfwunden an den Knien, Ellbogen und Oberschenkeln bis hin zu Bänderverletzungen, weil der Boden scharf und gleichzeitig stumpf ist“, sagt SSV-Vorsitzender Wolfgang Wollenberg, der alle Verletzungen nun dokumentieren lässt, und ergänzen muss: „Unser Platz ist – in Anführungsstrichen – gesundheitsgefährdend. Auf diesen ,Heimvorteil’ könnten wir gut verzichten.“

Die Probleme sind auch dem Fußballkreis nicht verborgen geblieben, der darüber nachdenkt, die Plätze von TuSpo und Berghausen für den Spielbetrieb zu sperren. „Dann hätten wir ein echtes Problem“, sagt Wollenberg. „Wir haben 18 Mannschaften, die wir dann irgendwo unterbringen müssten. Mit einigen Teams könnten wir vielleicht auf die städtische Anlage beim VfB Langenfeld ausweichen, aber nicht mit allen. Und da beim GSV Langenfeld der Platz ebenfalls saniert werden soll, und die Plätze des SC Reusrath und des HSV Langenfeld auch komplett belegt sind, wüsste ich nicht, wo wir hin sollten.“ TuSpo-Coach Schobhofen sagt: „Ich hoffe nicht, dass es zu einer Platzschließung kommt, aber so, wie es jetzt ist, kann es auch nicht bleiben. Vorher war der Platz auch in keinem guten Zustand, aber jetzt hat er sich aus meiner Sicht noch verschlechtert.“ Wollenberg nennt die Verfüllung mit Quarzsand „kontraproduktiv“.

Immerhin: Die Stadt weiß um die Probleme und arbeitet an einer Lösung. „Der Betriebshof ist wöchentlich auf den Plätzen und sieht sich das genau an“, sagt Carsten Lüdorf, Leiter des Amtes für Kita, Schule und Sport der Stadt Langenfeld. Es habe aufgrund der massiven Verklumpung des Gummigranulats keine andere Möglichkeit gegeben, als mit Sand zu verfüllen. Die Nachrichten über die gestiegene Zahl der Verletzungen hat aber dafür gesorgt, dass die Stadt in den nächsten drei Wochen eine Begehung in Berghausen machen wird, nach der ein Gutachten mit Blick auf die Bespielbarkeit erstellt wird. Dieses wird dann auch in die Entscheidungen über die Plätze von TuSpo und des GSV mit einfließen. „Wir haben auch an eine Verfüllung mit Kork gedacht, darauf hat die Sonneneinstrahlung wohl aber auch keinen positiven Einfluss“, sagt Lüdorf. „Deswegen kommt – wie jetzt auch beim GSV, der auch eine neue Drainage erhält – Sand drauf. Wir hoffen, dass es da keine Probleme geben wird. Der Worst Case wäre, die Plätze zu schließen und dann schnell für Ersatz zu sorgen.“

 Den Quarzsand sieht man am Elferpunkt in Berghausen deutlich.
Den Quarzsand sieht man am Elferpunkt in Berghausen deutlich. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Das dürfte nicht ganz einfach werden, wenn man Wollenberg – siehe oben – hört. Der SSV-Vorsitzende hofft auf den „Rat von Experten, wie das Problem zu lindern ist“. Vielleicht schafft die geplante Begehung ja auch da Abhilfe. Dass das Füllmaterial zügig ausgetauscht werden kann, glaubt Wollenberg nicht: „Das sind ja immer europaweite Ausschreibungen. Darum rechne ich nicht mit Arbeiten in den Herbstferien oder der Winterpause, sondern eher erst in der nächsten Sommerpause.“ Bis dahin müssten alle Fußballer dann leider mit einem Platz leben, den Wollenberg so beschreibt: „Das ist ein Zustand wie in den 80er Jahren, als die ersten Kunstrasenplätze gebaut wurden.“ Da muss also gehandelt werden – wieder.