Handball: So bitter: Wer plötzlich nichts in der Hand hat

Handball : So bitter: Wer plötzlich nichts in der Hand hat

Handball-Oberligist SG Langenfeld führte bei den Bergischen Panthern mit 22:17, kam aber vom Kurs ab und verlor noch mit 22:23.

Manche starrten für eine Weile ins Leere, andere sanken erschöpft auf den Hallenboden. Und es ließ sich für jeden nachvollziehen, warum sich der Handball-Oberligist SG Langenfeld (SGL) wie im falschen Film vorkam. Das Team um Trainer Heino Kirchhoff bot beim Zweiten HSG Bergische Panther für über 45 Minuten eine erstklassige Leistung und schien mit dem 22:17 (47.) auf dem besten Weg zu einem Sieg zu sein. Ab da lief aber fast alles total quer, sodass beim Abpfiff tatsächlich ein 22:23 (15:11) auf der Anzeigetafel stand. Während die Hausherren den schmeichelhaften Erfolg feierten, war Kirchhoff um Fassung bemüht: "Unverdienter kann eine Niederlage nicht sein."

Vorbildlich: Kapitän Stefan Wagener trieb die SGL mit seiner Leidenschaft immer nach vorne. Foto: Matzerath

Einen zumindest erheblichen Teil der Schuld sah der Coach bei den Unparteiischen, die umstrittene Zeitstrafen gegen Christian Majeres (48.) und Andreas Nelte (57.) verhängten, dem sie nach dem Zweikampf mit HSG-Spieler Erwin Reinacher sogar eine "Schwalbe" attestierten. "Diese beiden Entscheidungen waren spielentscheidend", fand Kirchhoff. Ob Langenfeld ohne diese Zwei-Minuten-Verweise den Vorsprung ins Ziel gerettet hätte, wird sich allerdings kaum klären lassen.

Auf der anderen Seite bot die SGL definitiv einige Anhaltspunkte, die fürs präzise Gegenteil sprachen. Die Szene in der 46. Minute deutete an, wie schwierig der Rest der Partie werden sollte. Andreas Nelte kam von der Bank und vergab frei das 21:15 – worauf die Panther im Gegenzug auf 16:20 verkürzten. Beim Stande von 22:18 scheiterten Nelte und Alexander Klimke in Unterzahl kurz hintereinander (49.), ehe die Hausherren Sekunden darauf auf 19:22 verkürzten. Dann trat der zuvor sicher verwandelnde Matthias Herff zum Siebenmeter an – und scheiterte ebenfalls (51.)

Während die Hausherren zunehmend ihre Routine einsetzten, stieg bei der SGL die Fehlerquote weiter in die Höhe – mit ungenauen Würfen und Ballverlusten. Übers 22:20 (52.) und 22:21 (54.) glich Burscheid zum 22:22 (57.) aus, bevor Neltes Zeitstrafe die Aufgabe für Langenfeld zusätzlich erschwerte – neben der Tatsache, dass sich die HSG längst intensiv um Rückraumspieler Dawid Rosiak und Langenfelds Aufbau kümmerte. Kirchhoffs Mannschaft erkämpfte sich trotzdem den Ball, verlor ihn schnell wieder und kassierte per Siebenmeter das 22:23 (59.). Sieben Sekunden vor dem Ende kam Langenfeld letztmals an den Ball – und wurde endgültig ausgebremst. Simon Kluge (HSG) hielt Matthias Herff kurz vor der Mittellinie resolut auf und nahm die fällige Zeitstrafe locker entgegen. Eine Sekunde darauf war Feierabend.

Langenfeld erfuhr schmerzhaft, dass sich in der Oberliga mit über 13 Minuten ohne einen eigenen Treffer und nur zwei Toren in den letzten 20 Minuten wohl nie ein Spiel gewinnen lässt. "Wir haben am Ende wieder viel zu schlecht geworfen", fand auch Kirchhoff, "und wir waren nicht clever genug." Während die herausragende Arbeit der Deckung vor dem famos haltenden Keeper Tobias Geske bis zum Schluss auf Top-Niveau stattfand, verloren die vorne so lange durchdacht vorgetragenen und abgeschlossenen Aktionen unter steigendem Stress zunehmend an Qualität. Auf jeden Fall brachte ein Kampf voller Leidenschaft unter dem Strich null Ertrag. Und deshalb war es kein großes Wunder, dass sich mancher wie in einem falschen Film vorkam.

SG Langenfeld: Kottwitz, Geske – Majeres (3), Rosiak (6), Wolter, Justen, Wagener (1), Klimke (1), Felder, Herff (8/4), Schickhaus, Körner (1), Eich, Nelte (2).

(RP)