SG Ratingen verliert Halbfinale im HVN-Pokal 28:29 gegen SG Langenfeld

Handball : SG Langenfeld wirft SG Ratingen aus dem Pokal

Handball-Regionalligist SG Langenfeld ist dem Oberligisten TV Angermund in das Finale des HVN-Pokals gefolgt: Bei Liga-Konkurrent SG Ratingen setzte sich das Team von Trainer Markus Becker mit 29:28 durch. Es ist ein verdienter Erfolg, basierend auf einer taktisch und kämpferisch starken Leistung.

Zwei Zielvorgaben hatte Geschäftsführer Bastian Schlierkamp an die Regionalliga-Handballer der SG Ratingen formuliert: acht Punkte aus den fünf Liga-Spielen vor Weihnachten und den Sieg im Verbandspokal (HVN). Während die erste Vorgabe noch erreichbar ist, wenn die beiden Partien gegen Siebengebirge und Köln-Wahn gewonnen werden, ist die zweite seit Dienstagabend passé: Die SG Langenfeld (SGL) gewann das Halbfinale des HVN-Pokals in Ratingen 29:28 (15:13), und auch wenn das Ergebnis knapp ist, war der Sieg völlig verdient.

Die Gäste hatten sich taktisch einiges überlegt. Auf Tempo zu setzen ist gegen eine Mannschaft, die mindestens einen Abwehr-Angriff-Wechsel hat, ein erprobtes und probates Mittel, und auch wenn es nicht überraschte, so war es doch effektiv. Zum anderen setzte Trainer Markus Becker nahezu von Anfang an auf den siebten Feldspieler, nahm also seinen Torwart vom Feld, um im Angriff konstant in Überzahl spielen zu können. Dabei agierte die SGL dann mit zwei Kreisläufern, die sich häufig bei Alexander Oelze in der Ratinger Defensive tummelten – der SG-Kapitän ist zwar ein absoluter Torjäger und kam auch am Ende des Spiels auf zwölf Treffer, aber kein Deckungsspezialist. So fielen vier von sechs Toren am Anfang über die rechte Angriffsseite, also die Abwehrseite von Oelze. Das 6:3 nach rund siebeneinhalb Minuten war der Lohn, Ratingens Trainer Ace Jonovski musste schon da seine erste Auszeit nehmen.

Allerdings hatte sein Team auch im Angriff erhebliche Probleme, spielte oft zu behäbig, zu eng und vor allem zu fehlerhaft. Der Zwischenstand von 11:6 für die SGL verdeutlichte das. Die Ratinger mussten sich noch bei Torwart Nils Thorben Schmidt bedanken, dass sie überhaupt im Spiel blieben, viel besser wurde es aber auch nach dem 9:11 nicht – kurz darauf betrug der Rückstand beim 9:13 wieder vier Tore (23. Minute). Dann bekamen die Gäste allerdings Yannik Nitzschmann nicht in den Griff, der als Rechtshänder von Rechtsaußen zwar einen schlechten Winkel hat, aber von dort eine hundertprozentige Trefferquote aufwies: Vier Tore bei ebensovielen Versuchen in Hälfte eins, zwei von zwei in Hälfte zwei. So gingen die Hausherren nur mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause.

In Halbzeit zwei ging es dann hin und her, erst drehte Ole Völker aufseiten der SGL auf und erzielte vier Treffer in Folge, auf der anderen Seite war aber auf Oelze Verlass. Auch ein vergebener Gegenstoß von Nitzschmann warf die anfangs weiter arg fehlerhaften Gastgeber nicht aus der Bahn, sie blieben dran und kamen in der 48. Minute erstmals wieder zum Ausgleich: Filip Lazarov erzielte das 23:23 und kurz darauf per Siebenmeter das 24:24. Als sich dann bei der SGL André Moser am linken Knie verletzte, sah es nach einem bitteren Abend für die Langenfelder aus, der Spielmacher hatte zusammen mit André Boelken im Rückraum die Abwehr der Ratinger gehörig durcheinander gewirbelt.

Die Gäste steckten den Schock von Mosers Ausscheiden aber weg, Boelken fand seinen Kreisläufer Jan Schirweit, der das 26:25 markierte. Auf der Gegenseite warf Lazarov in den Block, Becker nahm seine zweite Auszeit. Als kurz darauf Nitzschmann und wenig später Christian Mergner Zeitstrafen kassierten, nutzte die SGL das zum 27:25 durch Linksaußen Julian Schulz (56.). Und als dann Lazarov per Siebenmeter an Alexander Riebau scheiterte, war das Momentum endgültig auf der Langenfelder Seite. Mathis Poetzsch besorgte von Rechtsaußen noch das 29:27, Oelzes Anschluss elf Sekunden vor dem Ende kam zu spät. Becker nahm noch seine dritte Auszeit fünf Sekunden vor Schluss, und den Ball gaben die Langenfelder nicht mehr her. Sie feierten den „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ und sorgten damit erstmals für Stimmung in der gähnend leeren Halle an der Gothaer Straße. Die Hausherren waren da mehr als bedient, das Ziel Pokalsieg haben sie verpasst.