Fußball : Scheidung am Telefon

Noch vor dem 1:4 in Mönchengladbach sorgte der Fußball-Landesligist TuSpo Richrath für einen Paukenschlag. Am Samstag bekam Trainer Michael Kezmann nach einem Streit um den Einsatz von A-Jugendlichen seine Papiere.

Wer denn gar keine Probleme hat, macht sich einfach rasch welche. So oder ähnlich könnte die Devise beim Fußball-Landesligisten TuSpo Richrath lauten, der Michael Kezmann erst vor ein paar Monaten als Nachfolger von Ganija Pjetrovic und damit als neuen Trainer verpflichtet hatte.

Der 35-Jährige hat aber jetzt schon wieder die Muße, sich nach einem anderen Betätigungsfeld umzusehen. Am Samstag gegen 18 Uhr klingelte bei Kezmann das Telefon. Der Anrufer war der TuSpo-Vorsitzende Peter Kierdorf, der eine knackige Nachricht hatte: "Du bist entlassen."

Hinter der ebenso überraschenden wie erschreckenden Entwicklung steckt ein Streit, der sich in den vergangenen Tagen wohl richtig hochgeschaukelt hatte. Es ging vor allem um die drei A-Jugendlichen Marvin Klein, Dimitrios Koussidis und Kamil Grendzinski, die in den vergangenen Wochen grundsätzlich zu Stützpfeilern des Landesliga-Teams geworden waren. Wegen des bevorstehenden Saisonstarts der A-Jugend in der Leistungsklasse gab deshalb ein Gespräch.

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Eine neue Entscheidung

Daran nahmen unter anderem Kezmann und der Trainer der A-Junioren teil. Durchaus brisant: Hier handelt es sich um Lukas Beruda, den Abwehrchef der Richrather und auch deren Kapitän. Am Ende stand das Ergebnis: Kezmann wollte künftig auf die A-Jugendlichen komplett verzichten, um den Nachwuchs nicht in einer Doppelbelastung zu verheizen. Als dann die A-Jugend am Samstag zu Hause gegen den FC Monheim spielte (1:1), fehlte allerdings Offensiv-Mann Klein, der es sich noch einmal anders überlegt hatte und sich fortan doch lieber der Ersten widmen wollte.

"Stimmt. Es ging um diese drei Jugendspieler", sagt Kierdorf, "Kezmann war nicht bereit, mit der Jugend zu kooperieren." Kein Wunder: Die weiteren Beteiligten sehen das zum Teil sehr anders. "Ich bin total enttäuscht", sagt Kezmann, "das ist stillos und schon sehr hart." Für ihn habe immer die Erste Priorität gehabt — und deshalb habe er eine Entscheidung in dieser Angelegenheit haben wollen.

Weg: Künzel, Gerdes, Broch

In einem raschen Akt der Solidarität verabschiedeten sich gleichzeitig der bisherige Co-Trainer Guido Künzel sowie der Sportliche Leiter Arno Gerdes und Jörg Broch. "Das tut mir sehr leid für die Jungs", betont der (Ex-) Physiotherapeut, "aber dieses Vorgehen kann ich nicht billigen und nicht mittragen."

Wie sich die Dinge jetzt entwickeln, ist ungewiss. Gestern in der Partie beim SV Mönchengladbach 1910 (1:4) war Kapitän Lukas Beruda als Interimscoach tätig. "Das gilt erst mal nur für dieses eine Spiel", erklärte Kierdorf, "er kann ja schlecht A-Jugend und Erste trainieren."

(RP)