1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld
  4. Lokalsport

Motorsport: Saisonstart: Wenig Traum, viel Wirklichkeit

Motorsport : Saisonstart: Wenig Traum, viel Wirklichkeit

Motorsportler Jörg Bergmeister belegte in Silverstone im neuen Porsche 911 RSR nach einem Reparatur-Stopp nur den sechsten Platz.

Sechster. Das sagt schon viel und klingt eher mäßig begeisternd. Richtig ist, dass sich Jörg Bergmeister für den Saisonauftakt in der World Endurance Championship (WEC) mehr erhofft hatte. Ebenfalls zutreffend ist aber, dass der Langenfelder Motorsportler keineswegs als realitätsfremd gilt – und deshalb vor dem Sechs-Stunden-Rennen in Silverstone (England) davon ausgegangen war, dass der neue Porsche 911 RSR möglicherweise nicht auf Anhieb siegfähig sein könnte. "Das war nicht ganz unser Traumergebnis. Trotzdem haben wir viel gelernt an diesem Wochenende", sagte der 37-Jährige, "die Bedingungen waren nicht die einfachsten, weil wir keine Trainingszeit im Trockenen hatten für die Abstimmung. Das haben die Ingenieure ganz gut hingekriegt."

 Vorfahrt: An der Spitze tummelt sich Jörg Bergmeister besonders gerne – was ihm in Silverstone allerdings nur in einer Moment-Aufnahme gelang.
Vorfahrt: An der Spitze tummelt sich Jörg Bergmeister besonders gerne – was ihm in Silverstone allerdings nur in einer Moment-Aufnahme gelang. Foto: Porsche AG

Schon im Qualifying (Zeittraining/für die Startaufstellung entscheidend) deutete sich an, wie stark die Konkurrenz sein würde. Bergmeister und Teamkollege Patrick Pilet (Frankreich) musste jeweils zwei möglichst schnelle Runden hinlegen – und dafür gaben die Werksfahrer alles. Trotzdem reichte es mit einem Mittelwert (aus vier Runden) von 2:01,423 Minuten für die 5,981 Kilometer lange Strecke nur zum dritten Platz hinter zwei Teams von Aston Martin.

  • Julian Hanses findet Unterstützung im Talent
    Motorsport : Hildener Julian Hanses peilt im Porsche die Top-Drei an
  • Julian Hanses ist gespannt auf Oschersleben.
    Motorsport : Hildener Rennfahrer Julian Hanses plant Aufholjagd
  • Julian Hanses führt die Verfolgergruppe in
    Motorsport : Julian Hanses fährt in Oschersleben in die Top-Ten

An den Kräfteverhältnissen änderte sich fürs Rennen wenig, obwohl Pilet (Startfahrer) den Dienstagen mit der Startnummer 91 zunächst auf Rang drei halten konnte. "Vielleicht wäre das Podium für uns drin gewesen", meinte Bergmeister, der den Anfang vom Ende sämtlicher Hoffnungen auf ein besseres Resultat hautnah mitbekam – weil er gerade selbst hinter dem Lenkrad saß. Wegen eines kleineren technischen Problems mit der Aufhängung musste er zur Reparatur die Box der Mannschaft Porsche AG Team Manthey ansteuern. Insgesamt ging der Kontakt nach vorne komplett verloren, denn trotz der guten Arbeit der Mechaniker standen jetzt zwei Runden Rückstand auf dem Konto. "Da gab es nichts mehr zu gewinnen", sagte Bergmeister. Fortan ging es in erster Linie darum, das Auto im Wechsel mit Pilet und Timo Bernhard ((Bruchmühlbach-Miesau) ohne großes Risiko sicher nach Hause zu bringen. Das gelang, sodass Bergmeister mit seinen persönlichen Teil-Einsätzen halbwegs zufrieden sein durfte.

Weniger begeisternd fand er einen anderen Punkt: "Die Aston Martin sind in einer eigenen Klasse gefahren." Da dürfte bald wieder die "Balance of Performance (BoP) im Mittelpunkt mancher Diskussion stehen. Die Regelung soll durch Eingriffe in die Technik (unter anderem Luftmengenbegrenzer, der die Motorleistung beeinflusst) grundsätzlich für Chancengleichheit sorgen – was Porsche hier jedoch nicht zu erkennen vermag. Es bleibt das Vertrauen darauf, dass für die Einstufung zuständige Automobile Club de l'Ouest (ACO) seine Ankündigung umsetzt. "Falls es nötig ist, wird die Balance of Performance angepasst", hatte der französische ACO-Sportdirektor Vincent Beaumesnil damals versprochen.

Porsche selbst will bis dahin die eigenen Hausaufgaben erledigen "Natürlich gibt es am Auto noch was zu tun", räumte Wolfgang Hatz ein (Vorstand Forschung und Entwicklung bei Porsche), "insgesamt sehe ich das jedoch als positives Wochenende. Nicht so gut wäre gewesen, wenn wir viele Probleme gehabt hätten. Doch das war nicht der Fall." Jörg Bergmeister legt sich für die nahe Zukunft eindeutig fest: "Ich hoffe, dass wir eher früher als später alles im Griff haben." Sechster – das sagt eben schon viel, klingt aber eher mäßig begeisternd.

(RP)