Fußball: Rückschlag: Baumberg besiegt sich selbst

Fußball : Rückschlag: Baumberg besiegt sich selbst

Der gefährdete Fußball-Oberligist verlor nach einer 0:1-Führung und groben Abwehrfehlern noch mit 1:2 beim TuS Bösinghoven.

Die Blicke gingen erst immer wieder zur Uhr, weil den Oberliga-Fußballern der Sportfreunde Baumberg (SFB) im Spiel beim TuS Bösinghoven die Zeit davonrannte. Irgendwo lag praktisch immer jemand am Boden, weil er behandelt werden musste. Darüber hinaus nutzten die Hausherren viele Situationen mehr oder weniger geschickt, um das Geschehen zu verzögern. Als der Unparteiische Kevin Domnick (TK Heißen) dann abpfiff, gingen die Blicke der Sportfreunde ins Leere. Keiner schien zu begreifen, was da gerade passiert war. Auf jeden Fall hatten die zuletzt achtmal in Folge ungeschlagenen Sportfreunde eine 1:2 (1:0)-Niederlage zu verkraften. Besonders bitter: Baumberg, das durch einen Dreier zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit die Abstiegsränge hätte verlassen können, bezwang sich praktisch selbst. "Das ist einfach Irrsein. Wir haben das Spiel komplett im Griff", urteilte der fassungslose Trainer Markus Kurth, "dann machen wir uns alles alleine kaputt."

Die Gäste zeigten zuerst, was sie in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hatte: Einsatz, Disziplin, kompakte Mannschaftsteile, Ruhe. Und in der sechsten Minute schien sogar das Glück zurückgekehrt zu sein. Louis Klotz beförderte den Ball bei einem Freistoß hoch in den Strafraum. Und der Klärungsversuch des Bösinghoveners Dustin Orlean landete im eigenen Netz — 1:0 für Baumberg. Der TuS erzeugte auf der anderen Seite höchstens aus der Entfernung mal Gefahr, sodass SFB-Keeper Tobias Bergen nur bei zwei Versuchen aus der Distanz aufpassen musste (19./20.). Der 20-Meter Freistoß des bis dahin fast unsichtbaren TuS-Torjägers Kevin Dauer deutete dann an, was später auf die Sportfreunde zukommen sollte.

Kurths Elf hätte sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jedes bangen ersparen können, wenn sie ihre Gelegenheit aus der Kategorie hundertprozentig genutzt hätte. Daniel Somuah eroberte den Ball und legte quer zum freien Erkan Ari — der diese große Chance vergab (33.). Der schlampige Umgang mit vielversprechenden offensiven Szenen setzte sich nach der Pause direkt fort. Beispiel: Kapitän Hayreddin Maslar, der in der Endphase verletzt aufhören musste, erkämpfte ebenfalls den Ball — den Louis Klotz Sekunden darauf ungenau verarbeitete (56..).

Die Wende passierte innerhalb von zwei Minuten, weil die Baumberger jetzt förmlich um die Strafe für ihr zögerliches Vorgehen zu betteln schienen. Bereits die Ecke für die Hausherren musste nicht sein. Noch rätselhafter war, warum sich bei der folgenden Hereingabe niemand zum Eingreifen aufgefordert sah. Der aufgerückte TuS-Verteidiger Mehmet Özer stand komplett frei und ließ sich naturgemäß nicht lange zum Kopfball bitten — 1:1 (58.) Kurz darauf agierten die Sportfreunde hinten so, als hätten sie vorher nie etwas von Dausers Qualitäten gehört. Der Stürmer vollendete einen Angriff über die linke Seite entschlossen zum 2:1 (60.).

Der Rest bestand vorwiegend aus verzweifelten Versuchen der Sportfreunde, den Schaden irgendwie zu reparieren und wenigstens einen Punkt zu ergattern. Die beste Szene verzeichnete dabei der eingewechselte Necati Ergül, dessen Kopfball beinahe tatsächlich den Ausgleich gebracht hätte (78.). Vieles andere wirkte ausgesprochen rat- und hilflos, sodass die gesamte zweite Halbzeit mit Oberliga-Niveau nicht mehr viel zu tun hatte. Die beiden Gegentreffer schienen Baumberg total den Stecker aus der Dose gezogen zu haben. Die Verantwortung dafür durften sie aber auf niemanden abschieben. Baumberg hat selbst dafür gesorgt, dass das ganz große Zittern im Abstiegskampf weitergeht.

(RP)
Mehr von RP ONLINE