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Motorsport: Robin Chrzanowski: Abenteuer Nordschleife

Motorsport : Robin Chrzanowski: Abenteuer Nordschleife

Lagenfelder Motorsportler erlebte ein ungewöhnliches Rennen. Beim Porsche musste die Antriebswelle getauscht werden - draußen.

Verrückt. Abenteuerlich. Viel anders lässt sich kaum beschreiben, wie sehr Robin Chrzanowski für seine Leidenschaft kämpft. Immer wieder. Beim vierten Lauf der Langstrecken-Meisterschaft 2014 (VLN) auf dem Nürburgring gabs allerdings einen Höhepunkt - wie ihn selbst die dem Motorsport verfallenen Teammitglieder bei Chrzanowski Racing vermutlich noch nicht so oft erlebt haben. Das reine Ergebnis liest sich ernüchternd, denn der Porsche 911 GT 3 997 kam mit 13 Runden Rückstand auf das Siegerauto an. Dass der blau-weiße Dienstwagen mit der Startnummer 72 am Ende überhaupt noch dabei sein kann, ist aber so wertvoll wie ein Sieg - obwohl es dafür weder eine Punktewertung oder eine anders geartete Belohnung gibt.

Fürs Qualifying (Zeittraining/entscheidet über die Startaufstellung) hatte sich der Langenfelder Chrzanowski einiges vorgenommen. Mit neuen Reifen wollte er sofort beim ersten Versuch eine Top-Zeit auf die Kult-Strecke in der Eifel zaubern. Es war ein Versuch mit Hindernissen - und schon beim "Betreten" der Strecke nach der Boxengasse ging einiges an Tempo verloren, weil ein Auto aus einer kleineren Klasse zuerst im Weg war. "Da habe ich direkt etwas Schwung verloren", berichtete der 25-Jährige - kaum ahnend, was noch alles auf ihn zukommen sollte. Die erste Runde entwickelte sich immer mehr zum Versuch, überhaupt eine vernünftige Strategie zu entwickeln. Chrzanowski: "Da war sehr, sehr, sehr viel Verkehr." Kein Wunder: Insgesamt lagen 200 Meldungen für die verschiedenen Klassen vor. Als die Uhren nach 8:41,710 Minuten für die 24,358 Kilometer stoppten, stand die Bestzeit fest - weil der nächste Versuch nicht mehr funktionierte. Die Runde war zwar frei, aber plötzlich machte sich ein schleichender Plattfuß bemerkbar. Robin Chrzanowski kam mit einem vollständig von der Felge abgelösten Reifen in vorsichtiger Geschwindigkeit zu seinem Team zurück. Noch immer ahnte er nicht, dass er das "Beste" weiterhin erst vor sich hatte.

Diesmal erlebte er des Abenteuers nächsten Teil zunächst draußen mit. Den ersten Teil des Rennens übernahm Max Koch (Oberwiesenthal), der sich die Arbeit am Steuer mit Dominic Fuchs (Ransbach-Baumbach) und Chrzanowski teilen wollte. Die Einführungsrunde ging noch ohne Aufreger über die Bühne, ehe sich bereits in der ersten Runde des Rennens die Ereignisse überschlugen. Fuchs kam auf der legendären Nordschleife nach etwa 15 Kilometern bis zum Bereich Karussell, als die Antriebswelle abriss. Im Funkverkehr zwischen Fahrer und Team stand der Entschluss schnell fest: "Bleib, wo du bist. Wir kommen zu dir." Niemand dacht daran, die Flinte ins Korn zu werfen.

Im Transporter machten sich Robin Chrzanowski und drei Mechaniker mit Chefmechaniker Christoph Nobis an der Spitze unverzüglich auf den Weg zum Ort des Geschehens - außen herum, versteht sich. Die Hilfsaktion wurde teilweise zu einer ungewöhnlichen Irrfahrt, weil Zufahrten rund um den Nürburgring in aller Regel durch dicke, per Schloss gesicherte Schranken versperrt sind - um Unbefugten und nicht zuletzt solchen Motorsport-Fans, die sich das Geld für ein Ticket sparen wollen, auszusperren. Die Suche nach einem Durchlass kostete viel Zeit, ehe sich doch irgendwie ein passender Schlüssel fand. Der Rest ging im Eiltempo über die Bühne. Das auf einem Schotterweg aufgebockte Auto bekam innerhalb einer Rekord-Viertelstunde die mitgebrachte Ersatz-Antriebswelle eingebaut. Und der Porsche konnte das Rennen tatsächlich wieder aufnehmen.

Robin Chrzanowski hatte keine Stoppuhr in Gang gesetzt, konnte den gesamten Aufwand aber präzise einordnen: "Wir haben für alles zusammen etwa eine Stunde und 20 Minuten gebraucht. Hätten wir den Weg zum Porsche schneller geschafft, wären sogar alle noch zum Fahren gekommen." Ganz nebenbei stand hier fest, dass er selbst an diesem Tag gar keine Gelegenheit mehr bekommen würde, noch etwas fürs eigene Image als Motorsport-Profi zu tun.

Am Ende reichte es trotz allen Einsatzes nur zu insgesamt fünf Runden, weil das Rennen nach einem heftigen Unfall mit drei Autos vorzeitig abgebrochen wurde. Nach nicht einmal drei der vier vorgesehenen Stunden war Feierabend. Und die Hoffnungen wurden auf den fünften VLN-Lauf am 5. Juli vertagt. Weil allerdings viel mehr Abenteuer nicht geht, war Robin Chrzanowski dennoch ein Sieger - voller Leidenschaft nach Motorsport und bestimmt ein bisschen verrückt.

(RP)