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Regionalliga: SG Langenfeld tritt bei MTV Rheinwacht Dinslaken an

Porträt André Boelken : Langenfelds Spielmacher kämpft sich zurück

Der Kreuzbandriss vor einem Jahr stoppte André Boelken auf dem bisherigen Leistungshöhepunkt. Der 25-jährige Mittelmann der SG Langenfeld arbeitet hart an sich. Er sollte auch im unangenehmen Spiel bei Vorjahresmeister MTV Rheinwacht Dinslaken am Sonntagmorgen weiter an seine Bestform herangeführt werden, eine Schulterverletzug macht seinen Einsatz aber fraglich.

André Boelken muss nicht nachdenken. Er weiß es sofort. Der Tag? Der 17. November 2018. Der Gegner? Der TuS Spenge. Der Spielstand? 4:1 für die eigene Mannschaft. Eigentlich war der Handballer der SG Langenfeld (SGL) in der 9. Minute des Drittliga-Heimspiels drauf und dran, per Tempogegenstoß die Führung seines Teams weiter auszubauen, ehe er ungünstig landete und sofort ahnte, dass etwas nicht stimmte. Das linke Knie schwoll an, mit etwas Abstand kam die bittere Gewissheit: Kreuzbandriss. Der erste schwere Rückschlag in der Karriere des spielstarken Mittelmanns.

„Das Knie war so dick, da war praktisch ein Ballon drum“, berichtet der 25-Jährige. Die Hoffnung, dass alles doch nicht so schlimm gewesen sein könnte, zerschlug sich so schnell, wie sie kam. Erste Tests der Langenfelder Physiotherapeuten hatten den Eindruck erweckt, dass das Kreuzband – die so anfällige Stelle im Bandapparat des Kniegelenks – wohl nicht betroffen sei. Eine MRT-Untersuchung wenige Tage später bewies aber das Gegenteil. Boelken ließ sich, nachdem er von drei verschiedenen Ärzten Meinungen eingeholt hatte, operieren.

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Und dann stand er da, kaum fähig zu gehen und ziemlich frustriert, dass der simple Alltag plötzlich ziemlich schwer zu bewältigen war. „Mein Bein sah aus wie mein Handgelenk, da war nichts mehr dran. Es hing alles nur noch herum. Das war nicht so cool“, sagt Boelken, der in seiner rund neunmonatigen Leidenszeit bis zu sechs Kilo abnahm. Physiotherapie und Krafttraining bauten ihn und die Muskulatur seines Sprungbeins über lange Wochen und Monate wieder auf. „André hat sich in die Reha gestürzt wie ein Irrer, wir mussten ihn etwas bremsen“, sagt Trainer Markus Becker lobend wie mahnend zugleich.

Doch der „krankhafte Ehrgeiz“ (Becker) des Langenfelders lohnte sich. Anfang dieser Saison, die SGL war aus der 3. Liga in die Nordrheinliga abgestiegen, kehrte Boelken auf das Feld zurück. Seitdem kämpft der Rechtshänder im Langenfelder Team darum, wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Fast ein Jahr nach dem Tag der Verletzung ist er noch nicht der Alte.

„André war auf einem Niveau, auf dem man ihn im Verein selten gesehen hat“, berichtet der SGL-Trainer über den November 2018, „bei 100 Prozent ist er jetzt noch nicht. Aber er kämpft sich heran und ist ein ganz, ganz wichtiger Faktor, gerade, wenn er wieder mehr Spielanteile bekommt.“ Das weiß auch Boelken: „Ich fühle mich ein bisschen so, als wäre ich frisch aus der A-Jugend zu den Senioren gestoßen. Mal ist ein gutes Spiel dabei, mal ein schlechteres“, sagt er. „Aber“, fügt er an, „es geht aufwärts. Definitiv.“

Am Sonntag (11.15 Uhr) im unangenehmen Spiel bei Vorjahresmeister MTV Rheinwacht Dinslaken sollte Boelken erneut mehr Spielzeit erhalten, sich mit André Moser in der Mitte abwechseln. Doch nun ist sein Einsatz wegen einer Dehnung in der Schulter fraglich. Bei seinen bisher wenigen Einsätzen war Boelken, der deutlich jüngere der beiden Spielgestalter, vorwiegend auf halbrechts neben dem 31-jährigen Moser eingesetzt worden. Doch Becker sieht ihn in der Mitte. „Es ist ja ganz normal, dass beide mal eine Pause brauchen“, sagt der Trainer und befürchtet daher kein Überangebot auf der so wichtigen Position. Denn ohnehin würden sich Moser und Boelken unterscheiden. Moser, ehemals Eich, überzeuge mit Spielintelligenz und Übersicht, sagt Becker. Die habe auch Boelken, aber „er kommt mehr über die Geschwindigkeit“, sagt der Trainer.

Doch an dieser hapert es noch. Die Zweikampfhärte und das maximale Tempo fehlen Boelken auf dem Weg zurück – noch. „Als ich im Training das erste Mal umgehauen wurde, das war schon komisch“, erinnert er sich an seinen Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining Ende August. Wenn er jetzt auf dem Feld stehe, spüre er aber „nichts mehr“, versichert Boelken. „Wenn das Spiel einmal angefangen hat, blende ich mein Knie aus.“

Die Langenfelder jedenfalls können ihren Spielmacher in Bestform derzeit bestens gebrauchen. Mit 3:7 Punkten hinkt der Drittliga-Absteiger den eigenen Ansprüchen noch hinterher. „Wenn wir in allen Spielen an unsere Leistungsspitze herangekommen wären, stünden wir besser da“, glaubt Boelken – und hofft zugleich auf eine faire Einschätzung des umgebauten Teams. „Hier in Langenfeld waren die Leute zuletzt sehr erfolgsverwöhnt. Bei unseren Umbrüchen kann es passieren, dass du in dieser Saison mal Sechster oder Siebter wirst.“

Dafür muss die SGL nun aber punkten. Dass André Boelken nach und nach wieder in Form kommt, dürfte dabei nur förderlich sein.