Regionalliga Nordrhein: SG Langenfeld schlägt BTB Aachen 25:23

Handball : SG Langenfeld zittert sich zum Sieg

Im Heimspiel gegen BTB Aachen sieht es nach der Halbzeit bei einem Elf-Tore-Vorsprung nach einem klaren Erfolg in der Handball-Regionalliga für die SG Langenfeld aus, doch die Hausherren machen es durch viele Fehler noch einmal unnötig spannend. Am Ende gibt es durch das 25:23 aber den ersten Saisonsieg, der den Druck mindert.

Der Weltrekord im Luftanhalten liegt bei 11 Minuten und 35 Sekunden, von den 240 Zuschauern in der Halle am Konrad-Adenauer-Gymnasium hätte am Samstagabend vermutlich niemand länger als zwei Minuten durchgehalten. Und doch fühlte es sich in den letzten drei Minuten der Handball-Partie der SG Langenfeld gegen BTB Aachen so an, als hätte jeder in der Halle das Atmen eingestellt. Nur zwei Tore trennten die beiden Nordrhein-Regionalligisten noch, Langenfeld drohte den ersten Sieg der laufenden Saison doch noch aus der Hand zu geben. „Gott sei Dank ist es nicht so gekommen“, sagte Linksaußen Julian Schulz später. Am Ende behielt die SGL zwei wichtige Punkte und gewann mit 25:23 (14:6) – gleichermaßen glücklich wie verdient.

Dabei war in den 50 Minuten zuvor wenig Spannung zu spüren. Langenfeld agierte dominant und abgebrüht, setzte sich fünf Minuten nach der Halbzeitpause sogar mit elf Treffern von den schwachen und oftmals defensiv behäbigen Gästen aus Aachen ab. „Da hatten wir sie sehr gut im Griff“, sagte SGL-Trainer Markus Becker, und auch Schulz sah „ein gutes Tempo“ sowie „Selbstvertrauen nach dem Punkt in Ratingen“. In der Vorwoche blieb Beckers Mannschaft nach zuvor zwei Niederlagen zum Auftakt erstmals ungeschlagen beim 28:28, nun folgte der erste Sieg. „Als Absteiger ist man immer in der Pflicht. Da will man zu Hause immer gewinnen. Dementsprechend mussten wir den Sieg heute holen, die Stimmung war auch gut in der Mannschaft“, sagte Schulz. Den zweifellos starken und überzeugenden Start ins Spiel erklärte er so: „Wir wussten, dass Aachen schnell nach vorne spielt, aber nach hinten etwas behäbiger verteidigt. Das wollten wir ausnutzen.“

Der 22-Jährige trug mit drei Treffern selbst zum guten Start bei, hatte aber später mit einigen Fehlwürfen auch genauso großen Anteil daran, dass noch einmal Nervenkitzel aufkam: „Wir wissen, was wir können. Aber das ist auch eine große Mentalitätssache. Wenn der Gegner merkt, dass etwas geht, wird es schwierig.“ Und Aachen merkte das, weil Langenfeld nach dem Elf-Tore-Vorsprung nachlässig wurde: Torhüter Jascha Schmidt, lange Zeit auf Klasse-Niveau unterwegs, hielt plötzlich nicht mehr jeden Ball, der oftmals so treffsichere Spielmacher André Moser warf nur noch einmal ein, und vorne ließen auch Beckers andere Protagonisten immer wieder beste Gelegenheiten aus. Eine Lehrbuchvorführung darin, Gegner stark zu machen.

„Da kam ein Bruch rein, den ich mir nicht erklären kann“, sagte Becker und analysierte weiter: „Wir treffen vorne nichts mehr und dann decken wir in dieser Phase halblinks zu weich. Da haben wir die ganzen Tore über links bekommen.“ Dort hatte der im Sommer von der zweiten Mannschaft zum Viertligateam gestoßene Julian Schulz zeitweise Routinier Vinzenz Preissegger abgelöst. „Ich stelle mich da hinter Vinzenz an“, betonte Schulz, und auch Coach Becker gab sich selbstkritisch: „Da muss ich vielleicht links früher mal wieder zurückwechseln, um Stabilität reinzukriegen.“

Das hätten die Langenfelder dringend nötig gehabt, denn so musste sich Becker am Ende trotz des ersten Sieges doch ganz schön ärgern. „Ich bin kritisch, und das muss ich auch sein, weil mir die zweite Halbzeit nicht gefallen hat“, sagte er, fand aber immerhin im Ergebnis etwas Positives: „Das muss man souveräner gestalten, aber Sieg ist Sieg.“ Damit fällt auch der Druck der vergangenen Wochen ab, in denen der Drittliga-Absteiger einen schlechten Start erwischte und unter seinen Möglichkeiten agierte. „Klar, da lastete Druck auf den Jungs“, verriet Becker. „Jetzt ist er weg.“ Und auch Rechtshänder Schulz beschwor seine Qualitäten und die seiner Mitstreiter: „Es ging in die richtige Richtung, aber da ist auf jeden Fall noch Potenzial für mehr.“ Immerhin, das war aber erstmal das wichtigste, sind jetzt zwei Punkte mehr auf dem Liga-Konto.

Mehr von RP ONLINE