Lokalsport: Pfiffe-Chaos: Handballer quälen sich zum Sieg

Lokalsport: Pfiffe-Chaos: Handballer quälen sich zum Sieg

Der Regionalligist SG Langenfeld gewann gegen den Bergischen HC II mit 31:27. Die Unparteiischen prägten vor allem die Schlussphase.

Da kam es bestimmt auf den Blickwinkel an. Einerseits war es in der Partie des Handball-Regionalligisten SG Langenfeld (SGL) gegen den Bergischen HC II plötzlich sehr unübersichtlich. Vor allem gegen Ende waren viele Pfiffe der Unparteiischen kaum nachzuvollziehen. Es herrschte die ziemlich komplette Verwirrung. Auf der anderen Seite sah das plötzlich sehr übersichtlich aus, weil Beteiligten beinahe im Sekunden-Takt mit Zeitstrafen belegt wurden. Komplette Mannschaften umfassen jeweils sechs Feldspieler - ergibt bei zwei Teams insgesamt zwölf. Nun blieben vorübergehend nur acht. Drei ziemlich einsame Langenfelder hatten es erst mit sechs Solingern zu tun und dann mit fünf. Das alles passierte in den letzten zweieinhalb Minuten, als die SGL mit 31:25 (58.) führte. Kurz darauf waren alle heilfroh, als die Schluss-Sirene ertönte und das 31:27 (14:8) amtlich war. Wichtig für die Gastgeber: Der Tabellenführer behauptete durch den glanzlosen Sieg seine Tabellenführung (22:2 Punkte) vor dem TuS Bonn rrh. (19:3). "Das war ein Arbeitssieg, mehr nicht", sagte Langenfelds Trainer Jurek Tomasik.

Die Partie begann mit einem hohen Tempo und einer nicht viel geringeren Fehlerquote - 4:4 (6.). Einziger Langenfelder mit einer durchgängig guten Form war Torhüter Alexander Riebau, der seine starken Leistungen der vergangenen Wochen erneut zu bestätigte. Das entspannte Verhältnis zwischen den beiden Teams zeigte die Szene in der achten Minute, als sich Solingens Jonas Dell bei einer Spiel-Unterbrechung an der SGL-Bank an einer Wasserflasche bediente und ein paar Worte mit Regisseur André Eich wechselte, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ins Geschehen eingegriffen hatte. Kurz darauf verhinderte Riebau mit einer Glanzparade einen Rückstand, ehe sich Tomasik zur ersten Auszeit gezwungen sah (9.). Neben eindringlichen Worten gab es wenig später den Einsatz von Eich, der angeschlagen war (wie Spielmacher-Kollege Boelken). Mit ihm kam tatsächlich mehr Struktur in die Angriffs-Aktionen.

Spätestens ab dem 7:4 (16.) durch den Siebenmeter von Eich übernahm Langenfeld die Kontrolle. Und dass die Gäste nach dem 9:5 (22.) durch Christian Mergner das Risiko erhöhten, half ihnen nur begrenzt weiter. Die Zweite des Zweitliga-Ersten nahm oft den Keeper herunter und brachte dafür den siebten Feldspieler. Die Taktik funktionierte mehr schlecht als recht - und die SGL hätte mühelos einige einfache Treffer erzielen können. Erst probierten es Alexander Riebau und André Boelken erfolglos. Dann traf Vinzenz Preissegger tatsächlich zum 13:6 (27.), ehe Christian Mergner nach der Pause beim Stande von 21:13 (41.) das Ziel verfehlte und André Eich beim Stande von 22:17 (47.) lediglich den linken Pfosten traf. Kurz darauf war der BHC-Schlussmann sogar mit den Fingern am Ball, als Preissegger auf 23:17 erhöhte (47.). Dass es Mergner besser kann, zeigte er mit dem 27:21 (52.). Anschließend bewies der Kreisläufer Sinn für Humor, als er sich von den Teamkollegen für seinen Treffer feiern ließ.

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Richtig in Gefahr geriet der Sieg nicht, obwohl die Unparteiischen die Reihe ihrer undurchsichtigen Entscheidungen auf die Spitze trieben. Zuerst erwischte es nach dem offiziellen Spielbericht Felix Korbmacher - was Tomasik umgehend auf die Palme brachte. Folge: Es gab eine zusätzliche Zeitstrafe gegen die Bank (58.). Etwas später musste Regisseur Eich ebenfalls runter (59.), sodass es drei Langenfelder mit sechs Solingern zu tun hatten - bis es dessen Rückraumspieler Ole Völker erwischte, der ein ahndungswürdiges Foul an André Boelken begangen haben sollte. Für die beiden Handballer selbst schien die Szene weniger schlimm gewesen zu sein und die Angelegenheit war nach einem kurzen Dialog vom Tisch.

Obwohl die SGL in der wirren Schlussphae lediglich den 31:27-Endstand kassierte (60.), konnte sich Tomasik später kaum beruhigen. Sein eindeutiges Urteil: "Ich habe lange nicht mehr so schlechte Schiedsrichter gesehen." Gleichzeitig war klar, dass sich die SGL fürs Spitzenspiel am kommenden Samstag (19.30 Uhr) in Bonn wieder steigern muss. Das ist sogar eine sehr übersichtliche Tatsache und keine Frage des Blickwinkels.

(RP)
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