Judo Perfekt bis ins Detail

Judo · Für Anita Preuß ist Judo die optimale Mischung aus Kampfsport und festen Regeln. Die Monheimerin, die sich selbst als "Spätzünderin" bezeichnet, erreichte jetzt nach einer intensiven Vorbereitung den 2. Dan – mit 53 Jahren.

 Wurfbereit: Anita Preuß scheint ihren Mann Siggi fast leicht auf die Schulter nehmen zu können. Verrückt nach Judo sind beide.

Wurfbereit: Anita Preuß scheint ihren Mann Siggi fast leicht auf die Schulter nehmen zu können. Verrückt nach Judo sind beide.

Foto: Matzerath

Für Anita Preuß ist Judo die optimale Mischung aus Kampfsport und festen Regeln. Die Monheimerin, die sich selbst als "Spätzünderin" bezeichnet, erreichte jetzt nach einer intensiven Vorbereitung den 2. Dan — mit 53 Jahren.

Das Training von Siggi und Anita Preuß sieht mitunter aus wie eine elegante Choreographie. Die Schrittfolge, Bewegungsabläufe und sogar die Zeit der Atemzüge sind bis ins kleinste Detail vorgeschrieben. Alles soll genau nach Plan ablaufen. Die festgelegte Abfolge von Techniken wird im Judo "Kata" genannt. Werfen, Hebeln, Halten, Würgen — es gibt viele verschiedene Varianten. Neben den jeweiligen Kampftechniken sind die einstudierten Übungen für Judoka wichtige Elemente der Meisterprüfung. Um einen "Dan", wie die Meistergrade nach dem schwarzen Gürtel genannt werden, aufzusteigen, ist die jeweils geforderte Kata perfekt auszuführen. Sonst gibt es Punktabzüge. Anita Preuß ist jetzt ein makelloser Vortrag gelungen, denn sie hat den 2. Dan erreicht — mit 53 Jahren.

"Ich bin in dieser Hinsicht ein Spätzünder", sagt die heutige Abteilungsleiterin der SG Monheim (SGM), die überhaupt erst mit 35 zum Judo fand: "Daran ist mein Mann schuld. Ich habe damals einen Trainingstag bei ihm besucht und das hat mir sehr gut gefallen. Er hat mich erst vom Judo überzeugt und dann von sich." Das war 1993. Die beiden Judoka verliebten sich ineinander und wurden ein Paar. Von der asiatischen Kampfkunst ist Anita Preuß aber nicht nur deshalb begeistert: "Es ist ein sehr fairer Kampfsport. Man tobt sich zwar auf der Matte aus, aber alles läuft nach festen Regeln ab. Es gibt selten Verletzungen und trotzdem kann man mit Kraft und Technik kämpfen."

"Wichtig für den Charakter"

Ihr Mann Siggi (64), seit 1978 als Trainer aktiv, hat bereits den 3. Dan erreicht. Für Preuß ist Judo eine "Schule für Geist und Körper". Es gehe um Geduld, Selbstbeherrschung, Haltung und Respekt vor dem Gegner. "Es ist wie eine Mischung aus Kampfsport und Philosophie", findet der Judo-Veteran, "die Charakterbildung spielt eine wichtige Rolle."

Um einen Dan aufzusteigen, müssen die Judoka ihre Kata absolut exakt ausführen sowie Kampftechniken im Stand und auf dem Boden beherrschen. Großmeister, die sich jede Bewegung ganz genau anschauen, bewerten jeden einzelnen Schritt. "Im Grunde kann das jeder lernen", meint Anita Preuß, "es gibt keine bestimmten Voraussetzungen." Natürlich sei körperliche Kraft von Vorteil, aber es lasse sich mit wenig Kraft ebenfalls viel erreichen: "Es kommt vor allem auf die Technik an."

Der Blick nach vorne

Ob sie auch die Prüfung zum 3. Dan absolviert, weiß die Monheimerin noch nicht. Möglich wäre das aufgrund der strengen Regularien erst in etwa vier Jahren. "Das könnte ein bisschen zu spät sein", meint Anita Preuß, "ich bin dann 58 Jahre alt und das macht sich natürlich auf der Matte bemerkbar. Aber ich trainiere weiter. Und wenn ich denke, dass ich es schaffen kann, werde ich es versuchen."

(dora)