Parcours-Bauer gibt Reitern die Richtung vor

Olaf Hermann ist seit 29 Jahren mit Begeisterung dabei. : Ein Parcours-Bauer ist der Herr der Stangen

Olaf Hermann, 54 Jahre alter Optiker, bringt viel Augenmaß mit. Bei den Rheinischen Meisterschaften war er zum zweiten Mal dabei.

Springreiten ist im Pferdereitsport eine Königsdisziplin, bei der ein ordentlicher Parcours maßgeblich über Erfolg und Miss-Erfolg eines Turniers entscheiden kann. Ist der Parcours zu einfach und überwinden ihn zu viele Reiter fehlerfrei, kommt es zum Stechen mit zu vielen Kandidaten. Ist er zu schwierig, sind die Reiter gefrustet. Der Bau einer solchen Hindernis-Bahn ist daher eine Kunst für sich, die jede Menge Augenmaß benötigt, sagt Rolf-Peter Fuß, der Turnierleiter der Rheinischen Meisterschaften. Olaf Hermann bringt diese Eigenschaft mit. Der 54-Jährige ist gelernter Augenoptiker und erprobter Parcours-Bauer auf internationalem Parkett. In Langenfeld war er in diesem Jahr zum zweiten Mal als Parcours-Chef für den Bau der verschiedenen Hindernisbahnen verantwortlich.

Wenn Olaf Hermann über sein außergewöhnliches Hobby erzählt, das er nun schon seit 29 Jahren ausübt, ist seine Begeisterung deutlich spürbar. Gelernt hat er das Parcoursbauen durch jahrelanges Zu- und Abgucken und bei einer ganzen Reihe von Verbandsprüfungen: „Ich bin früher selbst geritten und fand es faszinierend, wie kreativ man beim Bau der Parcours sein kann.“ Eigentlich gebe es dabei nur wenige Vorgaben, dafür aber viele Möglichkeiten. „Bei Sichtungen werden einige Grundanforderungen gestellt, wo bestimmte Hindernisse auf jeden Fall vorhanden sein müssen, wie etwa ein Wassergraben“, berichtet Hermann. Ansonsten darf sich ein Parcoursbauer kreativ austoben.

Für die Rheinischen Meisterschaften hat sich Olaf Hermann einiges einfallen lassen: Insgesamt 25 Rundläufe mit diversen Hürden und Schikanen, Rick, Planke, Oxer und Triplebarre in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, hatte der 54-Jährige in langer Vorbereitung am Computer geplant und skizziert. Bei seiner Planung spielte auch die Leistungsfähigkeit der Turnierteilnehmer eine Rolle. Weil bei den Rheinischen Meisterschaften aber in der Regel schon die besseren Reiter teilnehmen, hatte Hermann freie Auswahl.

Eine besondere Herausforderung sei es, nach einem Durchgang innerhalb von nur 30 Minuten einen komplett neuen Parcours aufzubauen. Hermann: „Dabei helfen mit drei Assistenten und ein großes hauseigenes Helferteam vor Ort.“ Viel Kritik von den Reitern musste sich Hermann bislang nicht anhören – wobei er betont, ohnehin stets den Kontakt und das Gespräch mit ihnen zu suchen: „Ich kann einen Parcours noch so toll finden, wenn die Reiter ihn nicht mögen, dann ist er nicht gut.“

Hermann hat auch immer ein Auge darauf, wie sich der Reitsport entwickelt. Außerdem achtet er darauf, wie Kollegen Hindernisse aufbauen und was es Neues auf dem Markt gibt. Schöpfen kann er dabei aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz und zahlreichen internationalen Beteiligungen. Jedes Jahr ist er bei den großen Reitturnieren in Aachen, Riesenbeck, Millstreet (Irland) und Oliva (Spanien) dabei. Ein absoluter Höhepunkt seiner Karriere, erzählt Hermann, sei die Teilnahme bei den Sea-Games in Singapur gewesen: „Das war einfach spektakulär, mit einer großen Eröffnungsfeier, wie bei den Olympischen Spielen.“

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