Oberliga: Sportfreunde Baumberg empfangen FC Monheim im Stadt-Derby

Fußball : Monheim fährt mit breitester Brust zum Derby

Der Tabellenzweite der Fußball-Oberliga, der FC Monheim, spielt am heutigen Samstag bei den Sportfreunden Baumberg. Wer hat die Vormachtstellung in der Stadt? Diese Frage ist inzwischen nicht mehr so einfach zu beantworten wie früher.

Es ist nicht sehr lange her, da war die Frage nach der fußballerischen Vormachtstellung in Monheim noch eindeutig geklärt. Über Jahre hinweg waren die Sportfreunde Baumberg die klare Nummer eins am Rhein, spielten seit der Jahrtausendwende immer mindestens in der Landesliga und waren im vergangenen Jahrzehnt sogar die meiste Zeit in der Oberliga zu Hause. Der FC Monheim (FCM) hingegen kam lange nicht über die Bezirksliga hinaus, und als im Jahr 2013 der langersehnte Sprung in die Landesliga gelang, musste der FCM in der nächsten Saison schon wieder runter. An der klaren Rollenverteilung schien sich auch dann wenig zu ändern, als den Monheimern 2017 in sensationeller Art und Weise der Durchmarsch bis in die Oberliga gelang und die beiden Lokalrivalen plötzlich Klassenkonkurrenten wurden. Zu konstant waren die Darbietungen der Baumberger, die 2018 Vierter wurden und sich in der vergangenen Saison sogar die Vizemeisterschaft sicherten. In den direkten Aufeinandertreffen behielten die Sportfreunde ebenfalls die Nase vorne, wenn auch knapp: Dreimal trennten sich Monheim und Baumberg unentschieden, und nur im Rückspiel der Vorsaison trug der Platzhirsch einen 1:0-Sieg davon.

Auf der anderen Seite machten aber auch die Monheimer große Schritte nach vorn. In der Premierensaison 2017/2018 gelang dem FCM mit Platz elf problemlos der Klassenerhalt, und in der vergangenen Spielzeit preschte die Mannschaft von Trainer Dennis Ruess gar auf Rang vier vor. Weil dieses starke Abschneiden noch mit dem Einzug ins Niederrheinpokal-Halbfinale garniert wurde, schien die Saison kaum noch zu übertreffen zu sein. Genau dieses Kunststück gelingt den Monheimern aber aktuell, womit sie zumindest für den Moment sogar die Baumberger Vormachtstellung in der Stadt ins Wanken bringen: Nach 15 Spielen ist der FCM mit sagenhaften 34 Punkten Tabellenzweiter in der Fußball-Oberliga und hat aktuell 14 Zähler Vorsprung auf die an Position zehn geführten Baumberger, die allerdings noch ein Nachholspiel in der Hinterhand haben. Sind die Monheimer vor dem direkten Aufeinandertreffen am Samstagnachmittag im Baumberger Stadion (16 Uhr) damit jetzt der Favorit? „Wenn man nur auf die Tabelle guckt, dann ist die Favoritenrolle ziemlich klar. Und ich sehe die Monheimer auch tatsächlich im Vorteil, weil sie aktuell aus dem Vollen schöpfen können und richtig gut im Rhythmus sind. Das ist ein Punkt, den man nicht unterschätzen darf. Aber am Ende ist es ein Derby, in dem immer alles möglich ist“, sagt Baumbergs Trainer Salah El Halimi.

Die Sportfreunde hatten nach einem guten Start mit drei Siegen aus den ersten vier Spielen zwischenzeitlich gehörig den Faden verloren – auch weil aus unterschiedlichsten Gründen zahlreiche wichtige Stützen wegbrachen und sogar El Halimi wegen einer Bandscheibenoperation mehrere Wochen fehlte. Inzwischen sind entscheidende Akteure wie Kapitän Ivan Pusic oder Torhüter Daniel Schwabke aber wieder an Bord, und prompt zeigt auch die Formkurve wieder klar nach oben: Zwar lief beim knappen 4:3-Sieg gegen Tabellenschlusslicht Sportfreunde Niederwenigern noch längst nicht alles wieder rund, doch zuletzt rangen die Sportfreunde den Essener Spitzenteams FC Kray (4:4) und Spvg. Schonnebeck (1:1) jeweils ein Unentschieden ab. „Das war in den letzten Wochen sowohl vom Auftreten als auch von den Ergebnissen her eine positive Entwicklung, gerade auch im Spiel gegen Schonnebeck, in dem wir sehr stabil waren“, meint El Halimi.

Vor dem Derby zeigt sich der 43-Jährige gelassen: „Ich glaube, das Umfeld ist da ein bisschen aufgeregter als ich das bin. Ich gehe da ganz entspannt rein, auch wenn es natürlich etwas Besonderes ist, auf der anderen Seite so viele Akteure zu kennen. Man sieht bei den Monheimern in dieser Saison jedenfalls, dass der Erfolg keine Eintagsfliege war. Sie sind sehr gut im Umschaltspiel. Wenn sie den Ball erobert haben, geht es schnell. Und hinten sind sie sehr gefestigt, sodass wir uns darauf einstellen müssen, nicht allzu viele Chancen zu bekommen.“

Welche Startelf El Halimi ins Rennen schicken wird, ist indes noch fraglich: Zwar feierte gegen Schonnebeck Routinier Kosi Saka nach einmonatiger Verletzung sein Comeback, doch gleichzeitig waren die Sportfreunde gezwungen, gleich dreimal verletzungsbedingt zu wechseln. Robin Hömig (muskuläre Probleme) und Dominik Cikac (Prellung) mussten zur Halbzeit raus, und später erwischte es auch noch Ali Daour, dem durch eine geschwollene Platzwunde über dem Auge die Sicht genommen wurde. Hömig wird im Derby fehlen, der Einsatz von Cikac und Daour könnte sich erst kurzfristig entscheiden.

Auf der anderen Seite fahren die Monheimer mit einer Brust nach Baumberg, die breiter kaum sein könnte. Den gesamten September, den gesamten Oktober und nun auch die erste November-Hälfte blieb der FCM in der Liga ungeschlagen, die letzte Niederlage datiert vom 31. August (1:3 bei der SSVg Velbert). Und so stört es auch nicht, dass es zuletzt gegen das formstarke Schwarz-Weiss Essen (0:0) und den FC Kray (2:2) jeweils nur einen Zähler gab „Ich sehe das nicht so, dass wir seit zwei Spielen nicht mehr gewonnen haben, sondern dass wir seit zehn Spielen nicht mehr verloren haben und Zweiter sind. Diesen Moment genießen wir, aber wir wollen uns jetzt im oberen Bereich auch festbeißen. Die Jungs haben mir zu verstehen gegeben, dass sie da auch Bock drauf haben“, sagt Trainer Ruess. Das Derby möchte auch er nicht überhöhen: „Es ist schön, dass wir aktuell vor Baumberg stehen, aber das macht unsere Saison nicht besonders gut. Es ist für uns nicht existenziell wichtig, dieses Derby zu gewinnen, auch wenn ich natürlich lügen würde, wenn ich sagen würde, dass es ein Spiel wie jedes andere ist.“

Trotzdem hätten die Monheimer wohl nichts dagegen, wenn es am Samstag den ersten Sieg im direkten Duell gegen den Lokalrivalen gäbe. „Ich glaube, dass wir inzwischen einen Schritt weiter sind als beim Aufstieg vor zwei Jahren, und wir haben auch eine andere Herangehensweise an diese Partie. Das ändert aber nichts daran, dass es für uns ein brutal schweres Spiel wird. Baumberg hat eine wahnsinnig erfahrene Mannschaft, die gerade in der Offensive über unheimlich viel Potenzial verfügt. Und so, wie ich das aus der Ferne beurteilen kann, haben sie ihre Schwächephase jetzt auch überwunden“, sagt Ruess, der im Mittelfeld zwei schmerzhafte Ausfälle verkraften muss: Während Philip Lehnert mit einer Schulterverletzung schon länger ausfällt, handelte sich Vizekapitän Tim Kosmala am vergangenen Wochenende eine Gelb-Rote Karte ein und ist damit für das Derby gesperrt. „Das ist schade, weil er ein Mentalitätsspieler ist, der dir in so einem Spiel sehr viel geben kann“, erklärt Ruess.

Wie auch immer das Derby ausgehen wird, die Frage nach der fußballerischen Vormachtstellung in Monheim wird in Zukunft nicht mehr so einfach zu beantworten sein wie bisher.