Lokalsport: Mittendrin: Jörg Bergmeister ist gefragt

Lokalsport : Mittendrin: Jörg Bergmeister ist gefragt

Der Langenfelder Motorsportler reist aus Belgien fast direkt weiter zu den 24 Stunden auf dem Nürburgring.

Er ist mit 42 sicher kein junger Hüpfer mehr. In Sachen Geschwindigkeit gilt Jörg Bergmeister aber immer noch als einer der Besten seines Fachs - weltweit. Hinzu kommt, dass der Langenfelder inzwischen aus einem reichen Fundus an Erfahrung schöpfen kann. Deshalb gehört der Motorsportler nach wie vor zum exklusiven Kreis der Porsche-Werksfahrer. Deshalb wollen ihn viele im Team haben. Und ganz nebenbei: Bergmeister ist immer offen für Neues. So war er zuletzt beim Sechs-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps in Belgien, dem Auftakt zur Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC), für "Project 1" in einem Porsche 911 RSR unterwegs. Das Team aus Lohne (Niedersachsen) beendete seine WEC-Premiere auf dem neunten Platz - womit das wichtigste Ziel erreicht war, bis zum Schluss durchzuhalten. Bergmeister war nicht euphorisch, aber einverstanden: "Von der Geschwindigkeit her waren wir gut bei der Musik dabei. Darauf können wir aufbauen."

Irgendwann reifte bei den Verantwortlichen von "Project 1" der Entschluss, sich einer anderen Herausforderung zu stellen - und die Vorbereitung begann. Relativ früh kam Jörg Bergmeister mit ins Boot. Der Motorsport-Profi macht den Unterschied etwa zwischen nationalem Carrera-Cup und Langstrecken-Weltmeisterschaft deutlich: "Das ist nicht nur, dass du wie im Fußball aus der 2. Liga in die 1. Liga aufsteigst. Das ist viel mehr. Du kommst direkt in die Champions League - mindestens." Zusammen mit Patrick Lindsey (Kalifornien), den er aus gemeinsamen Einsätzen in den USA gut kennt, und dem Norweger Egidio Perfetti bildet er das gut harmonierende Fahrertrio. "Spa hat gezeigt, dass wir uns nicht vor der Konkurrenz verstecken müssen", sagt Teamchef Axel Funke.

Mit Platz drei im Qualifying deutet der Project-1-Porsche sein Potenzial an. Die Startphase des Rennens lief ebenfalls vielversprechend, denn Perfetti arbeitete sich auf Rang zwei der Klasse LMGTE vor. Dann gab es ein technisches Problem (Benzindruck) und Lindsey musste für einen ungeplanten Stopp an die Box. Noch deutlich mehr Zeit kostete später der Kontakt zwischen Egidio Perfetti und einem Konkurrenten - bei dem der Porsche beschädigt wurde. Weil das "Zusammenflicken" relativ lange dauerte, wollten manche den Dienstwagen gleich abstellen. Dagegen hatte Bergmeister aber etwas. Er wollte wenigstens die Zähler mitnehmen, die es nur beim Erreichen des Ziels gab: "Das ist kein Einzelrennen, sondern eine Weltmeisterschaft. Diese zwei Punkte könnten ja wichtig werden." Sein Fazit für die WEC-Premiere von Project 1: Team und Auto funktionieren, das Debüt macht Appetit auf mehr.

Gemeinsam wollen sich alle weiter in die Arbeit stürzen. "Es gibt schon noch viele Sachen, in denen wir besser werden müssen", findet Bergmeister. Direkt der nächste Termin ist das Nonpluslutra, denn am 16./17. Juni warten in Frankreich die 24 Stunden von Le Mans. Bergmeister: "Das ist eine krasse Herausforderung." Ähnliches gilt auch für die 24 Stunden auf dem Nürburgring, bei denen Bergmeister am kommenden Wochenende einen weiteren Einsteiger unterstützt. Das "KÜS Team75 Bernhard" des Porsche-Werksfahrers Timo Bernhard (Bruchmühlbach-Miesau) bestreitet mit einem Porsche 911 GT 3 R seine Premiere beim Langstrecken-Klassiker. Teamchef Bernhard kennt sich mit Triumphen in der "Grünen Hölle" aus, weil er dort bereits fünf Mal gewann - anders als Jörg Bergmeister, der hier bei den 24 Stunden noch nie ganz oben auf dem Siegertreppchen stand. Diesmal nimmt er mit Michael Christensen (27/Dänemark), André Lotterer (36/Duisburg) und Matteo Cairoli (21/Italien) den nächsten Anlauf. Die vier sind Kandidaten für ein Top-Ergebnis - ohne dass sich Bergmeister festlegt: "Was herauskommt? Das sehen wir dann." Selbstverständlich hätte er nichts dagegen, wenn es zum großen Wurf reicht. Dann würde sich Bergmeister mit 42 wohl wie ein junger Hüpfer freuen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE