Menzlaff und die SGL: Heute sind die Freunde Gegner

Handball: Menzlaff und die SGL: Heute sind sie Gegner

Der zum Leichlinger TV zurückgekehrte Rückraumspieler war an den größten Erfolgen in Langenfelds Handball-Geschichte beteiligt.

Tim Menzlaff konnte es zuerst kaum glauben, als er von der Entwicklung beim Handball-Drittligisten SG Langenfeld (SGL) erfuhr. „Wirklich?“, fragte er. Der Rückraumspieler, der seit einem Jahr wieder für den Leichlinger TV aktiv ist, hat noch immer gute Kontakte nach Langenfeld und erst vor Kurzem war er zur Hochzeitsfeier bei Dennis Werkmeister eingeladen, dem Sportlichen Leiter der SGL. Dort lief Menzlaff auch Jurek Tomasik über den Weg, der zu diesem Zeitpunkt noch der Trainer der ersten Mannschaft war. Seit Anfang dieser Woche ist Tomasik allerdings der Ex-Chef, weil er sein Amt nach dem 25:41 gegen den TSV GWD Minden II niederlegte – und der Verein in einem schnellen Entschluss den bisherigen Co-Trainer Markus Becker zum Nachfolger beförderte. Von derartigen Verwicklungen konnten die Termingestalter natürlich nichts ahnen, als sie vor ein paar Monaten den Spielplan entwarfen. Deshalb bleibt es dabei: Menzlaff trifft am heutigen Freitagabend (20 Uhr, Halle Am Hammer) einige der einstigen Teamkollegen wieder. Sein Leichlinger TV erwartet als Tabellenführer (6:0 Punkte) die darbende SGL (Drittletzter/1:5).

Dass Menzlaff im Juli 2015 aus der 3. Liga von Leichlingen nach Langenfeld kam, hatte viel mit der Freundschaft zu Torhüter Tobias Geske zu tun – der in seiner Laufbahn unbedingt mal mit Menzlaff in einer Mannschaft spielen wollte. Der 2,01-Meter-Mann gab der SGL tatsächlich seine Zusage. Langenfeld sammelte dann 2015/2016 auch dank vieler Menzlaff-Treffer einen Titel nach dem anderen. Über den Niederrheinpokal ging es zur Meisterschaft in der Oberliga und dem Aufstieg in die 3. Liga. Unvergessen: Am 1. Mai 2016 gewann Langenfeld in Hamburg das Finale im Deutschen Amateurpokal gegen den HC Glauchau-Meerane aus der Mitteldeutschen Oberliga (28:24). „Sicher liegt das jetzt ein bisschen zurück“, erklärt Menzlaff, der das Finale damals mit dem 1:0 in der ersten Minute eröffnete „aber wir waren schon ungewöhnlich erfolgreich. Das sind Sachen, die du nur einmal erlebst.“

 Anschließend war klar, dass es die Langenfelder im Unternehmen Klassenerhalt sehr schwer haben würde. Das Team war zu oft von zwei Spielern abhängig. Einer davon war Regisseur André Eich und der andere – Tim Menzlaff. Eich kam auf 162 Tore, erzielte aber die Hälfte (81) mit Siebenmetern, Menzlaff stand bei 161 Toren – ohne Strafwurf. Seine Position als drittbester Werfer der 3. Liga konnte trotzdem nicht verhindern, dass die SGL die Rettung hauchdünn verpasste. Am 6. Mai 2017 bestritt Tim Menzlaff seine letzte Partie für Langenfeld. Dass er nach Leichlingen zurückkehrt, stand da bereits seit Monaten fest.

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Die Karten fürs Derby zwischen Leichlingen und Langenfeld sind klar verteilt. Hier steht der LTV, der nach der Trennung von Frank Lorenzet selbst aufregende Wochen hinter sich und mit dem neuen Trainer Lars Hepp einen optimalen Start hingelegt hat. Dort kommt die angeschlagene SGL mit Markus Becker auf der Kommandobrücke, der mit dem Team einen Neustart hinlegen will. „Natürlich sind wir der Favorit“, weiß Menzlaff, der in der Deckung ebenfalls eine feste Größe ist, „wir dürfen allerdings den Gegner nie unterschätzen, das muss in unsere Köpfe rein.“

Die noch vorhandenen Mängel beim LTV waren am vergangenen Wochenende erkennbar, als es nach einem grandiosen Beginn am Ende soeben zu einem 29:26 beim Longericher SC reichte. Die offene Deckung der Gastgeber gegen Spielmacher Valdas Novickis schmeckte dem LTV gar nicht. Und Trainer Hepp wird auftüfteln, wie sich Ähnliches künftig vermeiden lässt.

Auch Langenfelds neuer Coach Becker wird auf der anderen Seite versuchen, die richtigen Mittel für ein anständiges Resultat anzuwenden. Um mehr kann es seiner Auffassung nach ohnehin kaum gehen: „Die nächsten drei Gegner sind nicht die, an denen wir uns messen müssen. Ich hoffe, dass ich neue Impulse setzen kann.“ Ein dickes Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Regisseur André Eich, der kurz vor Ende des Spiels gegen Minden eine Knieverletzung erlitt (Innenband). „Ich lasse mich überraschen, wie wir unsere Aufgabe lösen“, erklärt Tim Menzlaff, „ich würde mich freuen, wenn viel los sein wird.“ Damit meint er die Stimmung auf der Tribüne – und in erster Linie die Leistung der Leichlinger. Was auf der SGL wird, interessiert ihn frühestens nach der Schluss-Sirene wieder.

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