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Louis Klotz spielt seit zehn Jahren für die Sportfreunde Baumberg

Porträt Louis Klotz : Alles für den Klub

Seit zehn Jahren spielt Außenangreifer Louis Klotz für die Sportfreunde Baumberg. Ein Ende seiner Zeit beim Fußball-Oberligisten ist nicht in Sicht, Trainer Salah El Halimi adelt ihn.

Vereinstreue im Fußball wirkt bisweilen wie ein Relikt aus einer längst vergessenen Zeit. Ausnahmen bestätigen gleichwohl die Regel. Doch die Profis, die länger als zehn Jahre für ein und denselben Verein spielen, lassen sich inzwischen an zwei Händen abzählen. In der Bundesliga knacken derzeit nur sieben Spieler diese Marke: die Dortmunder Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek, die Kölner Timo Horn und Jonas Hector, Münchens Thomas Müller, Gladbachs Tony Jantschke sowie Leverkusens Lars Bender.

Vier Ligen darunter, in der Oberliga Niederrhein, gehören Vereinswechsel ebenfalls zur Tagesordnung. Allerdings gibt es auch dort noch Spieler, die sich bei einem Klub derart wohlfühlen, dass sie beinahe ihre gesamte Karriere dort verbringen. Bei den Sportfreunden Baumberg gehört Louis Klotz zu den treuen Seelen.

2010 wechselte er als 19-Jähriger aus der Regionalliga-Mannschaft von Fortuna Düsseldorf zu den Sportfreunden – den Klub, bei dem er in der Bambini mit dem Fußballspielen begonnen hatte. Für seinen damaligen Mitspieler und heutigen Trainer Salah El Halimi sei das „ein echter Glücksfall“ für den Verein gewesen. „Louis ist für mich einer der besten Fußballer in allen Oberligen und der beste Linksaußen in unserer Gruppe“, adelt El Halimi seinen Offensivspieler. Klotz zeichne eine „überragende Einstellung“ aus. Der 30-Jährige sei ein Vorbild für jeden in der Mannschaft. „Er fehlt quasi nie beim Training und ist immer mit Spaß bei der Sache.“

Laut Statistik stand Klotz bislang 275 Partien für die erste Mannschaft seiner Sportfreunde auf dem Rasen und absolvierte dabei 21.921 Minuten. Seine Torbilanz (72 Treffer) kann sich zudem sehen lassen. „Man muss ihn manchmal vom Feld prügeln“, sagt El Halimi und lacht. Der Coach des Oberligisten erinnert sich noch gut an eine Szene, in der Klotz mit einem Gegenspieler zusammengeprallt war, ins Torkeln geriet und – wie sich später herausstellen sollte – trotz einer Gehirnerschütterung weiterspielen wollte. „In seinem Unterbewusstsein war das Spiel für ihn wichtiger, als auf seine Gesundheit zu achten. Manchmal muss man ihn wirklich bremsen.“

Louis Klotz (rechts) in einem seiner ersten Einsätze für die Senioren im Trikot der Sportfreunde Baumberg. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Besonders emotional sei laut El Halimi das Tor-Comeback von Klotz Ende 2017 nach überstandenem Kreuzbandriss gewesen. „Wir waren im letzten Spiel vor der Winterpause bei TuRu Düsseldorf zu Gast und Louis, zum ersten Mal wieder in der Startformation, erzielte direkt nach ein paar Minuten das 1:0 für uns“, berichtet El Halimi. Die zuvor neun Monate ohne Fußball seien für Klotz sehr schwierig gewesen. „Er hat sich lange im Kraftraum gequält und hart an seiner Rückkehr gearbeitet. Ich habe mich so für ihn gefreut und direkt nach dem Spiel in den Arm genommen.“ Die SFB gewannen 3:0 in Düsseldorf.

Für Jürgen Schick gehört Klotz längst zur SFB-Familie. Wenn ein Spieler Wert auf einen starken Zusammenhalt innerhalb eines Vereins lege, kämen zehn Jahre schnell zusammen, ist sich der langjährige Präsident der Sportfreunde sicher. Er betont: „Louis kann solange in Baumberg spielen, wie er möchte.“ Klar sei, dass der Verein ein großes Interesse daran habe, den bis Sommer 2021 gültigen Vertrag zeitnah zu verlängern. Das beruht freilich auf Gegenseitigkeit. „Ich denke, ich spiele noch ein paar Jahre“, sagt Klotz mit einem Augenzwinkern.

Bei seinem Wechsel zurück zu den Anfängen seiner fußballerischen Laufbahn ging es dem gebürtigen Essener vor rund einer Dekade vor allem darum, Spielzeit zu sammeln. „Und da hatte ich noch das Ziel, einmal in der Dritten Liga zu spielen.“ Diese Hoffnung hat sich bis heute zwar nicht erfüllt, doch Klotz ist keineswegs unzufrieden. Schließlich hat er in Baumberg nicht nur seine sportliche Heimat gefunden, sondern auch Freunde fürs Leben. Allen voran mit Stürmerkollege Ali Daour versteht er sich blendend. „Er ist wie mein Bruder. Wir machen alles zusammen“, betont der gelernte Industriekaufmann.

Als größten sportlichen Erfolg bezeichnet Klotz den Niederrheinpokalsieg 2013. „Das war mit das Schönste – auch, weil der Triumph komplett unerwartet kam.“ Mit der Entwicklung der Mannschaft ist der dienstälteste SFB-Spieler glücklich. „In den letzten Jahren wurde die Qualität kontinuierlich erhöht. Mittlerweile haben wir so viele gute Fußballer in unseren Reihen, das ist schon Wahnsinn.“

Auch wenn er den Großteil seiner Karriere im Trikot der SFB verbracht hat, sympathisiert Klotz noch mit zwei anderen Klubs: Borussia Mönchengladbach und Real Madrid. Das 2:2 zwischen beiden Teams vor wenigen Wochen in der Champions League hätte er sich gerne live im Stadion angesehen, was aber aus bekannten Gründen nicht möglich war. „Vielleicht ergibt sich ja noch einmal die Gelegenheit“, sagt Klotz.

Auch wenn der Ball derzeit ruht, gibt es für ihn und seine Frau Jessica – eine Baumbergerin – aktuell viel zu tun. Schließlich erwartet das Paar im März ihr erstes Kind. Klotz verrät: „Es wird ein Junge – und natürlich gleich Vereinsmitglied.“ Die Ära Klotz in Baumberg geht also so oder so weiter.