Lokalsport: Krimi mit Happy End: Langenfeld lebt wieder

Lokalsport: Krimi mit Happy End: Langenfeld lebt wieder

Der um den Klassenerhalt kämpfende Handball-Drittligist sicherte sich das 36:33 gegen Volmetal über viel Einsatz und Leidenschaft.

Zehn Euro kostet die Eintrittskarte für ein einzelnes Heimspiel des Handball-Drittligisten SG Langenfeld (SGL). Wer diesmal das Geld an der Kasse abgegeben und ein Ticket erworben hatte, dürfte ziemlich glücklich gewesen sein - denn jeder Cent war richtig gut investiertes Geld. Der Aufsteiger zeigte einen Krimi mit Einsatz und Leidenschaft auf höchstem Niveau. Ein Schönheitspreis wurde nicht vergeben, aber nach einer dramatischen Schlussphase durfte das Team von Trainer Dennis Werkmeister ein Happy End feiern. Nach dem 36:33 (20:17)-Erfolg über den TuS Volmetal ist das rettende Ufer plötzlich nur noch einen Zähler entfernt. Der Coach, der stolz aufs Team war, hatte deshalb nicht vor, kurz nach der Partie analytisch in die Tiefe zu gehen. "Natürlich kann man jetzt wieder über die Deckung diskutieren. Aber das interessiert mich gerade nicht", fand Werkmeister. Die allgemeine Erleichterung brachte Kapitän Matthias Herff auf den Punkt: "Das hat heute absolut gepasst. Man hatte von Anfang an das Gefühl, dass jeder kämpferisch und emotional voll da ist."

Das Spiel schrieb ungewöhnliche Geschichten. Bei einer standen die Torhüter im Mittelpunkt - die keine überragende Leistung zeigten. Alexander Riebau räumte seinen Platz in der 20. Minute, weil er bis zum 14:13 zu selten eine Hand an den Ball bekommen hatte. Nicht viel anders ging es Tobias Joest, für den beim Stande von 24:24 (43.) ebenfalls Schluss war. Tobias Geske begann ebenfalls unglücklich, ehe er beim 29:28 (50.) den Ausgleich verhinderte. In der heiklen Schlussphase gab es dann jene Szene, in der Geske seinen Posten wieder räumte.

Langenfeld führte mit 34:31 (57.), als Tim Menzlaff (58.) eine Zeitstrafe kassierte und der TuS auf 32:34 verkürzte (58.). Anderthalb Minuten vor Schluss verlor Henrik Heider den Ball und unterband Sekunden darauf durch ein rüdes Einsteigen den Volmetaler Gegenstoß (59.). Dafür gab es die Rote Karte und die SGL stand nun mit zwei Spielern weniger auf dem Parkett. Bei noch 77 Rest-Sekunden auf der Uhr sprachen die Unparteiischen dem TuS einen Siebenmeter zu, der den Anschluss hätte bringen können. Keeper Geske ging runter, Kollege Joest kam rein - und rettete die Hausherren. Der Torhüter wehrte den Siebenmeter ab und auch den Nachwurf des Volmetalers Kevin Herzog. "Den muss man doch halten. Keine Ahnung, wie das sonst ausgegangen wäre", meinte er mit einem unüberhörbaren Gute-Laune-Faktor.

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Eine andere Geschichte: Langenfeld ging mit Überzahl-Situationen katastrophal schlecht um. Auf der anderen Seite verteidigte der Klassen-Neuling seinen Vorsprung in den letzten zwölf Minuten großartig. Nach dem 29:28 (48.) von Vinzenz Preissegger gab es eine Zeitstrafe gegen Henrik Heider (49.) und Alexander Klimke gelang trotzdem das 30:28 (50.). Es folgten innerhalb von 30 Sekunden die Zeitstrafen gegen Dustin Thöne und Preissegger (beide 51.), sodass Volmetal den riesigen Freiraum zum 29:30 (51.) nutzte. Praktisch im Gegenzug gelang Regisseur Eich das Kunststück, das 31:29 zu erzielen - noch immer in der ereignisreichen 51. Minute.

Spielmacher-Kollege André Boelken schien genau hingeschaut zu haben. Als die SGL erneut um den Sieg zittern musste, nahm er den Joest-Effekt nach dem gehaltenen Siebenmeter mit - als sich vier Langenfelder gegen sechs Volmetaler behaupten mussten. Boelken entwischte der Abwehr weit nach rechts und machte mit dem 35:32 den Sieg klar. Den Schlusspunkt zum 36:33 setzte Matthias Herff, der etwas später selbst staunte: "Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal 36 Tore geschossen haben. Ich glaube, das haben wir selbst in der Oberliga nicht geschafft." Es war ein Irrtum, denn vor knapp einem Jahr gewann die SGL gegen TuSEM Essen II am 19. März 2016 mit 39:27. Herff dürfte damit leben können, dass er hier knapp falsch lag. Die Partie gegen Volmetal war trotzdem jeden einzelnen Cent der zehn Euro für eine Eintrittskarte wert.

SG Langenfeld: Joest, Riebau, Geske - Thöne (2), Heider (8), Wolter (1), Preissegger (1), Klimke (2), Herff (6), Eich (10/6), Boelken (1), Menzlaff (5), Nelte.

(RP)