Lokalsport: Kreisläufer will sich zerreißen für Langenfeld

Lokalsport: Kreisläufer will sich zerreißen für Langenfeld

Für die Handballer der SG Langenfeld (SGL) gibt es keine normalen Spiele in der 3. Liga. Jede einzelne Partie ist was Besonderes - weil die Mannschaft nach dem Aufstieg einen sportlichen Quantensprung vollziehen musste, ohne dass sie personell besonders verstärkt worden wäre.

Kurzum: Der Klassen-Neuling ist immer der Außenseiter. Und weil sich in den vergangenen Wochen die Anzeichen mehren, dass es im großen Abenteuer vielleicht doch kein Happy End gibt, werden die restlichen sieben Auftritte in dieser Saison gefühlt eher noch intensiver. Das gilt damit auch für die Aufgabe heute Abend (18 Uhr) beim Dritten Longericher SC, die den Abschluss einer Reihe fast unlösbarer Missionen bildet - nach dem 25:30 gegen den Vierten TSV Bayer Dormagen, dem 24:35 beim Zweiten VfL Eintracht Hagen und dem 27:34 gegen den Ersten Neusser HV. Vor einer echt außergewöhnlichen Partie steht vor allen Dingen Dustin Thöne. Vor vier Jahren (2013) kam Thöne aus Longerich nach Langenfeld, wo er sich vor allem in der jüngeren Vergangenheit stark entwickelte. Ab Sommer wird der Kreisläufer wieder das Longericher Trikot tragen.

Die Entscheidung zum Wechsel fiel vor etwas mehr als einem Monat. Thöne hatte damals sogar ein Angebot des Zweitligisten TuSEM Essen, der ihn praktisch mit sofortiger Wirkung für den Rest der laufenden Serie verpflichten wollte. Wenig später entschloss sich der Zwei-Meter-Mann aber dazu, den Essenern abzusagen. Dafür kam bei ihm sein ehemaliger Klub Longerich zum Zug, der sich bis dahin bereits intensiv um eine Zusage bemüht hatte. In Köln sieht Thöne auf Dauer für sich die besseren sportlichen Perspektiven und die Chance, den nächsten Schritt in seiner Laufbahn zu gehen. Eins war dabei für den Noch-Langenfelder von Anfang an klar: "Wir haben gemeinsam beschlossen, das Abenteuer in der 3. Liga einzugehen. Und wir werden natürlich weiter alles dafür geben, die Klasse zu halten."

Alle wissen, dass die Spiele mit den etwas größeren Aussichten auf einen Erfolg für die SGL nach den Duellen gegen die vier Top-Teams der Klasse wohl erst am 25. März (17.30 Uhr, Halle Konrad-Adenauer-Gymnasium) mit der Partie gegen den Achten GSV Eintracht Baunatal beginnen. Alle wissen aber gleichzeitig auch, dass Erfolge etwa alleine gegen Baunatal, gegen den Letzten SG Ratingen (8. April) und beim TV Korschenbroch (22. April) nicht zum Klassenerhalt reichen werden. "Wir müssen damit anfangen, auch mal irgendwo anders Punkte zu holen", weiß Dustin Thöne. "Irgendwo anders" könnte zum Beispiel bei der SG Schalksmühle-Halver sein (1. April). Oder eben in Longerich.

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Thöne ist aus zwei Gründen heiß darauf, sich voll ins Getümmel zu stürzen. Erstens verlangt das sein sportlicher Ehrgeiz gerade gegen den alten/neuen Verein. Und zweitens will er noch einmal an Ort und Stelle nachweisen, dass seine Rückkehr nach Köln für beide Seiten die richtige Entscheidung war. Doch es gibt ein echtes Hindernis und keiner weiß ganz genau, was der in der Abwehr ebenfalls wichtige Kreisläufer wirklich wird leisten können. Seit Kurzem leidet Thöne unter Problemen im Lendenwirbel-Bereich und in dieser Woche waren die Beschwerden so heftig, dass selbst jede normale Bewegung fast eine Qual war: "Das würde mich tierisch ärgern, wenn ich genau auf dieses Spiel verzichten müsste." Inzwischen steht nach einer Behandlung durch den Team-Physiotherapeuten Richard Hofmann fest, dass es Thöne probieren wird - gegen die eigenen Schmerzen, gegen die sehr kräftig zupackende Abwehr der Hausherren.

Trainer Werkmeister ist sich natürlich der Tatsache bewusst, dass sein im Hinrunden-Treffen von Beginn an deutlich unterlegenes Team (27:34) mal wieder als klarer Außenseiter zu gelten hat. "Longerich ist der Favorit", sagt der SGL-Coach, "damit wir gewinnen, muss schon sehr viel passen. Mit einer Leistung wie gegen Neuss sind wir aber nicht chancenlos. Ich halte uns für gut vorbereitet." Nach seiner eigenen Rechnung ist er außerdem mit dem Stand der Dinge nicht unzufrieden, obwohl Langenfeld hinter der internen Vorgabe liegt: "Wir hatten uns vorgenommen, dass wir in der Rückrunde mindestens zwölf Punkte holen. Also brauchen wir noch acht." Tatsächlich sind nach dem 33:32 bei der HSG Krefeld, dem 29:28 gegen die HSG Lemgo II und dem 36:33 gegen den TuS Volmetal schon sechs Zähler da - womit jetzt "nur" sechs weitere fehlen und Langenfeld die Ausbeute der Hinrunde (fünf) bereits übertroffen hat. Unter dem Strich ändert das allerdings sehr wenig. Für die Handballer der SG Langenfeld gibt es keine normalen Spiele in der 3. Liga.

(RP)