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Motorsport: Kevin Estre: Ein Franzose siegt für Langenfeld

Motorsport : Kevin Estre: Ein Franzose siegt für Langenfeld

Der 25 Jahre alte Motorsportler wurde jetzt Meister im Porsche-Carrera-Cup. Sportlicher Traum ist ein Vertrag als Werksfahrer.

Kevin Estre strahlt so viel Ruhe aus. Und möglicherweise käme so rasch keiner auf die Idee, im 25 Jahre jungen Mann einen extrem schnellen und sehr ehrgeizigen Rennfahrer zu vermuten. Doch der Eindruck täuscht, denn auf der Strecke gibt der Franzose alles. Kevin Estre, in seiner Heimat durchaus längst eine bekannte Größe, sicherte sich kürzlich durch überzeugende Leistungen den Titel im deutschen Porsche-Carrera-Cup — in erster Linie natürlich für sich selbst, aber in zweiter Linie auch für Langenfeld. Dort hat Estre einiger Zeit aus privaten Gründen sein neues Zuhause, weil hier seine deutsche Freundin bei einem Autohaus arbeitet. Das Rheinland schätzt er mit der Nähe zum Flughafen Düsseldorf zudem als idealen beruflichen Standort, denn der Carrera-Cup-Champion sieht sich noch lange nicht am Ende seiner Laufbahn angekommen. Im Gegenteil: Jetzt soll es erst richtig losgehen.

 Ich bin der Champion: Kevin Estre war nach einer spannenden Saison 2013 mit sich und der sportlichen Welt im Reinen.
Ich bin der Champion: Kevin Estre war nach einer spannenden Saison 2013 mit sich und der sportlichen Welt im Reinen. Foto: Porsche AG

Kevin Estre stammt aus einer motorsport-verrückten Familie. Die Leidenschaft für die Geschwindigkeit hat er vom Onkel, vom Großvater und vom Vater geerbt — mit dem er vor dem Wechsel nach Deutschland viele Jahre beruflich eng zusammengearbeitet hat. Nach Anfängen im Kartsport und dem Wechsel in die Formel Renault stieg Estre in den französischen Carrera-Cup ein, den er 2010 als Zweiter und 2011 sogar als Meister beendete. Parallel dazu gab es längst die Idee für den nächsten Karriere-Schritt.

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Bei Testfahrten überzeugte Estre durch seine schnellen Zeiten den Teamchef von "Attempto Racing" aus Hannover. Und Arkin Aka dürfte seine Bereitschaft, dem Talent eine Chance zu geben, nicht bereut haben. Im Jahr 2011 mischte Estre bereits den internationalen Porsche-Supercup auf, den er als "Rookie of the year" fulminant abschloss. Ein Jahr darauf wurde er Supercup-Vizemeister und "Rookie of the year" im Carrera-Cup, den er jetzt gewinnen konnte.

"Mein Ziel ist es, Profi zu sein", betont Estre, der eigene Stärken und Schwächen sehr genau einschätzen kann. "Auf den ersten zwei bis drei Runden bin ich richtig schnell", sagt der Motorsportler, der seinen Fahrstil als aggressiv bezeichnet. Das bringt ihm vor allem dann deutliche Vorteile, wenn er von ganz vorne aus startet — weil er dem Feld direkt eine ganz schwierige Aufgabe fürs Rennen aufgibt. Der Nachteil: Später lassen die stark beanspruchten Reifen nach.

In der gerade beendeten Saison stimmte die Waage zwischen Angriff und Materialschonung immerhin oft genug. Nach der Hälfte der Serie schien der Titel sogar bereits unter Dach und Fach zu sein, ehe sich noch ein spannendes Finale entwickelte — weil Christian Engelhart (Konrad Motorsport/Verl) aus Kösching am letzten Saison-Wochenende nach dem ersten Lauf auf dem Hockenheimring plötzlich nur acht Zähler hinter dem Langenfelder lag. Anschließend behielt Estre allerdings trotz schwieriger Bedingungen die Nerven, landete beim Abschluss-Rennen vorne und durfte sich als Meister feiern lassen.

"Es ist unglaublich, dass ich es geschafft habe", meint Estre, dessen größter Wunsch ein Vertrag als Porsche-Werksfahrer ist. Kevin Estre wäre dann der zweite in Langenfeld nach Jörg Bergmeister — den er natürlich bestens kennt: "Wir sind gut befreundet." Regelmäßige Treffen gibt es nicht nur zum Kaffee, sondern auch zu sportlichen Vergleichen außerhalb eines Rennautos. "Jörg ist der bessere Mountainbiker", erzählt Kevin Estre, "ich spiele dafür besser Squash." Gemeinsam sind beiden die Liebe zum Motorsport und der Ehrgeiz, das Maximum zu erreichen. Niemand sollte sich davon täuschen lassen, dass Kevin Estre so viel Ruhe ausstrahlt.

(RP)