Fußball : Immun gegen Stress

Jörg Bergmeister ist nach einem Reise-Marathon wieder zu Hause. Beim Rennen der American Le Mans Series in Laguna Seca fuhr der Langenfelder Motorsportler nur wegen einer Stop-and-Go Strafe am möglichen Sieg vorbei.

Einer wie er muss einfach außergewöhnlich gut mit dem Faktor Stress umgehen können. Als Motorsportler Jörg Bergmeister jetzt wieder in der Heimat eintraf, hatte er eine Odyssee hinter sich – von Langenfeld über Japan in die USA und zurück nach Hause. "Ich bin einmal um die Welt geflogen", sagte der 36-Jährige, der ganz "nebenbei" viel zu erledigen hatte. Zuerst gabs in Fuji den Einsatz in der Serie Super GT, bei dem sein Bruder Tim Bergmeister einen heftigen Unfall und schwere Verletzungen erlitt (wir berichteten). Erst als dort eine deutliche Besserung der Lage eintrat, entschloss sich Porsche-Werksfahrer Jörg Werkmeister zum Weiterflug – um den dritten Lauf der American Le Mans Series zu bestreiten (ALMS). Hier war dann in Laguna Seca (Kalifornien) schon wieder Aufregung angesagt.

Beschäftigt: Jörg Bergmeister sieht seine Aktien für den Rest der Saison 2012 sehr realistisch. Foto: Porsche AG

Erst das Heck, dann der Reifen

In den ersten Rennen hatten Jörg Bergmeister und Stamm-Partner Patrick Long fürs Team Flying Lizard Motorsports wenig Glück. Der März-Auftakt in Sebring (Florida) war schnell gelaufen, weil ein Ferrari ins Heck des Porsche 911 GT 3 RSR krachte (Platz zehn). Der zweite Termin führte in Long Beach (Kalifornien) zu weiterem Frust, als Bergmeisters Dienstwagen wegen eines Reifenschadens unplanmäßig an die Box musste und zudem das Tempo einiger Konkurrenten nicht halten konnte (Rang sieben).

Nun schien alles erfreulicher zu werden, weil Porsche mit einem neuen Aerodynamik-Paket antreten durfte – um die Nachteile in der oft diskutierten Einstufung anzugleichen (Balance of Performance). "Wir waren wieder wesentlich konkurrenzfähiger", fand Jörg Bergmeister, der sich auf der 3,6 Kilometer langen Strecke klar bestätigt sah.

Nach dem vierten Platz aus dem Qualifying (Zeittraining) fuhren Bergmeister und Long immer auf einem der vorderen Ränge. Auch die legendäre "Corkscrew" bewältigten die Werksfahrer meisterlich – jene Kurve, die wie ein Korkenzieher vom höchsten Punkt der Strecke nach unten führt. Rund 60 Minuten vor dem Ende des Sechs-Stunden-Rennens kletterte erneut Bergmeister hinters Steuer. Der finale Halt funktionierte perfekt und der Langenfelder war nun besonders aussichtsreich unterwegs.

Vor sich hatte er lediglich einen weiteren Porsche (auf nachlassenden Reifen), sodass ein Podiumsplatz im Bereich des Möglichen lag. Die Ernüchterung folgte allerdings schnell. Weil beim Herausfahren ein Schlauch des Boxenstandes den Heckflügel berührt hatte, mussten die Lizards eine Stop-and-Go-Strafe absitzen. Folge: Statt des erhofften Top-Resultats sprang nur Platz sechs heraus.

Nürburgring und Le Mans

"Das ist natürlich ärgerlich" sagte Jörg Bergmeister, "aber von hätte, wenn und wäre haben wir nichts. Über die Meisterschaft zu reden, ist jetzt schwierig. Für uns wird es eher darum gehen, vielleicht das eine oder andere Rennen zu gewinnen." Der nächste Versuch in der ALMS steigt zwar erst am 7. Juli in Lime Rock (Connecticut), aber von einer Ruhepause kann kaum die Rede sein. Schon am Wochenende folgt das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und die Vorbereitungen für die 24 Stunden von Le Mans (16. und 17. Juni) laufen ebenfalls längst auf Hochtouren. Einer wie Jörg Bergmeister muss besonders gut mit Stress umgehen können.

(RP)