Fußball: "Herr Klafflsberger" ist Baumbergs Neuer

Fußball : "Herr Klafflsberger" ist Baumbergs Neuer

Der Fußball-Oberligist hatte auf der Torhüter-Position echten Handlungsbedarf und holte deshalb Martin Klafflsberger aus Wuppertal. Der 30-Jährige verfügt über eine starke Ausstrahlung und will beim Unternehmen Klassenerhalt helfen.

Es war einmal eine Art Legende, nach der in einer Fußball-Mannschaft zwei Spieler mit dem Attribut "verrückt" leben mussten: Linksaußen und Torhüter. Weil der einstmals klassische Angriff mit zwei Außen- und einem Mittelstürmer irgendwie aus der Mode kam, bleibt der Keeper - auch Schlussmann genannt, weil diese Position mit dem Blick auf gegnerische Angriffe tatsächlich die letzte Instanz ist. Einen Vertreter dieser Gattung haben die Sportfreunde Baumberg (SFB) in der Winterpause an die Sandstraße geholt. Der in seiner Karriere viel herumgekommene Martin Klafflsberger, zuletzt beim TuS GW Wuppertal in der Landesliga zwischen den Pfosten, soll die Baumberger im Kampf um den Klassenerhalt unterstützen.

SFB-Trainer Salah El Halimi fasst die herausragenden Eigenschaften des Zugangs knapp zusammen: "Martin wird uns helfen. Er ist ein sehr guter Fußballer. Und er hat eine besondere Ausstrahlung." Die mache sich nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine bemerkbar. Und einige glauben sogar, dass der Torhüter eine Menge an natürlicher Autorität ausstrahlt - so viel, dass ihn der eine oder andere jüngere Spieler am liebsten spontan mit "Herr Klafflsberger" anreden würde. Das liegt dem gebürtigen Schwelmer aber ziemlich fern, weil er sich als Teil des Ganzen sieht.

Dass ihn die Sportfreunde zum Wechsel bewegen konnten, liegt vor allem an seiner alten Verbundenheit zum Baumberger Fußball-Obmann Redouan Yotla. "Wir haben früher in der Jugend bei Fortuna Düsseldorf zusammengespielt", erzählt Klafflsberger, der nach seiner Zeit beim Wuppertaler SV in der Regionalliga und der langen Pause nach einer schweren Muskelverletzung fast mit dem höherklassigen Fußball abgeschlossen hatte. Weil ihn die Sportfreunde bereits früher verpflichten wollten und dann auf der Zielgeraden des vergangenen Jahres der Ruf aus Baumberg kam, brauchte der Wuppertaler nicht lange zu überlegen: "Da habe ich mir gedacht, mit deinen 30 siehst du eben noch mal in der Oberliga nach."

Auf der Torhüter-Position bestand Handlungsbedarf. Beim Saisonstart war Jan Conradi die Nummer eins - bis zur Verletzung (Bandscheiben-Vorfall). Fortan lastete viel Druck auf Tobias Bergen, für den die erste Mannschaft als Backup lediglich Co-Trainer Christian Ovelhey aufbieten konnte - der im Verlauf der Rückrunde prompt auch aushelfen musste. Klafflsberger macht kein Geheimnis aus seinem Ziel: "Ich bin natürlich nach Baumberg gekommen, um zu spielen." Mit Bergen, dem sieben Jahre jüngeren Torhüter-Kollegen, will er trotzdem ein faires Verhältnis pflegen: "Wir gehen sehr offen miteinander um." Trainer Salah El Halimi bestätigt das und Torwart-Trainer Sascha Polens-ky sieht einen weiteren Vorteil: "Jetzt haben wir endlich wieder einen Konkurrenzkampf." Wer daraus als Sieger hervorgeht, ist für El Halimi noch nicht endgültig klar: "Derzeit sind beide auf einem Niveau." Die Entscheidung wird nach den letzten Eindrücken in dieser Woche relativ kurzfristig fallen.

Kurzfristig findet Martin Klafflsberger fast immer gut, denn er mag die meisten Dinge nicht auf die lange Bank schieben. "Wenn mir etwas nicht gefällt, sage ich es", betont Klafflsberger, der sich auf dem Platz ebenfalls als Antreiber betätigen will. Anderen nach dem Mund zu reden, ist seine Sache nicht - und die Gefahr, damit hier und da anzuecken, nimmt er in Kauf. Daraus lässt sich ableiten, dass der Neue in Baumberg für eine führende Rolle in Frage kommt - was den Sportfreunden sehr gelegen kommen muss, weil sie im Kampf gegen den Abstieg jede Hilfe gebrauchen können.

An Sonderrechte denkt Klafflsberger jedoch nicht: "Salah macht einen guten Job. Ich bin sicher, dass er die richtige erste Elf finden wird. Mein Auftrag ist es, Gas zu geben." Mit seinem Coach hat er was gemeinsam: Beide wissen, wie schwierig das Unternehmen Klassenerhalt noch wird - und beide sind davon überzeugt, die Rettung zu schaffen. "Sonst wäre ich nicht nach Baumberg gegangen", erklärt Klafflsberger, "und ich werde alles dafür tun." Wenn er dazu hier und da etwas Verrücktes beitragen kann, wird ihn an der Sandstraße sicher auch keiner mehr "Herr Klafflsberger" nennen.

(RP)