Lokalsport: Harmlose Handballer spielen wie ein Absteiger

Lokalsport: Harmlose Handballer spielen wie ein Absteiger

Der gefährdete Drittligist SG Langenfeld büßte mit der 25:32-Pleite im Kellerduell bei der Ahlener SG mehr als nur zwei Punkte ein.

Sie hatten auf ihrer Seite, was manche neuerdings "Momentum" nennen. Nach zwei Siegen in Folge waren die Handballer der SG Langenfeld (SGL) plötzlich zurück im Kampf um den Klassenerhalt. Und ihnen bot sich die günstige Gelegenheit, im Duell beim Keller-Konkurrenten Ahlener SG den Rückstand auf das rettende Ufer weiter zu verkürzen. Dazu wäre zumindest eine durchschnittliche bis gute Vorstellung erforderlich gewesen - die der Drittligist aber im Duell der Aufsteiger schuldig blieb. Der oft erstaunlich fahrig wirkende Auftritt war im Angriff über weite Strecken ein Desaster und die Abwehr bot immer wieder größte mögliche Räume an. Langenfeld unterlag verdient mit 25:32 (11:12) und wird auf diese Art nicht den Hauch einer Chance auf den Klassenerhalt haben.

Ein Lichtblick war Linksaußen Vinzenz Preissegger, der sich als einer der wenigen Langenfelder wohlzufühlen schien und sich mit sechs Treffern belohnte. Von einem Lob dafür wollte der 28-Jährige später jedoch wenig wissen: "Es hat ja nicht gereicht. Das ist ein Scheiß-Ergebnis. Das war mehr als Vier-Punkte-Spiel." Das Urteil ist treffend. Sollten zwei Mannschaften in rund drei Monaten nach Punkten gleichauf sein, entscheidet der direkte Vergleich über die genaue Position.

Vorher standen Langenfeld und Ahlen bei jeweils 9:27 Zählern. Nach dem 30:26 aus der Hinrunde hätten sich die Gäste demnach von Ahlen absetzen können. Eine einfache Niederlage wäre auf jeden Fall schmerzhaft gewesen - und vielleicht irgendwie hinnehmbar. Das 25:32 und die sieben Treffer Differenz bedeuten, dass Ahlen den direkten Vergleich gewonnen hat. Dieser Baustein könnte eventuell noch sehr wichtig werden.

Die Gäste lagen mit 0:3 (5.) und 3:6 (10.) hinten, kamen aber vor allem dank der guten Torhüterleistung von Tobias Geske sowie durch Preissegger und die individuellen Qualitäten von Regisseur André Eich zurück. Nach dem 6:8 (15.), 8:10 (22.) und 9:11 (26.) glichen André Boelken (27.) und Alexander Klimke (28.) zum 11:11 aus. Und beim 11:12 nach der ersten Hälfte war noch alles möglich. Die Hoffnung auf eine Wende blieb allerdings eine graue Theorie.

Bis zum 14:16 (35.) und 15:17 (36.) lebte die SGL, bevor sich die Waage zu neigen begann - 15:20 (40.), 16:21 (40.), 17:21 (41.), 17:24 (43.). Die Partie war zu diesem Zeitpunkt gelaufen und der Zwischenspurt zum 21:24 (47.) nur ein Strohfeuer. Nach dem 24:27 (53.) setzten sich die von 550 Fans angefeuerten Hausherren durch fünf Treffer in Folge auf 32:24 ab (59.). Das Boelken-Tor zum 25:32 zwei Sekunden vor der Schluss-Sirene interessierte niemanden mehr.

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Die SGL versuchte es in der Abwehr mit einer offensiven 5:1-Variante - und ging damit phasenweise unter. Ahlen machte viel Druck aus dem Rückraum und war immer wieder bemüht, seinen Kreisläufer Björn Wiegers in Szene zu setzen. Der Ahlener nutzte die sich ergebenden Freiräume prompt zu sieben Treffern aus. Rückraumspieler Luca Roman Werner (neun Tore) durfte ebenfalls oft frei abschließen.

Ein passendes Gegenstück hatte die SGL auf der anderen Seite nicht parat und die Angriffs-Leistung war desaströs. Der Rückraum fand bis auf Einzel-Aktionen von André Eich praktisch nicht statt. Besonders krass: Tim Menzlaff, der in der Hinrunde gegen Ahlen famose 13 Tore erzielt hatte, ging völlig leer aus und saß später fast nur auf der Bank. Der 30-Jährige war noch am Tag danach am meisten traurig: "Das tut mir wahnsinnig leid, ich wollte der Mannschaft wirklich helfen. Ich bin gerade nicht richtig fit und ich war einfach nicht richtig da." Wegen anhaltender Schulter-Probleme wirkte er beim einen oder anderen Wurfversuch tatsächlich sehr gehemmt und war kaum in der Lage, für echte Torgefahr zu sorgen. Das gelang allerdings auch sonst fast keinem. Die SGL spielte den Ball oft quer von links nach rechts - ohne Ahlens defensive Deckung (6:0) entscheidend herauszufordern.

Die Partie bestätigte zum wiederholten Mal die Erkenntnis, dass Langenfeld für einen Erfolg in der 3. Liga eine überzeugende Torhüterleistung, einen starken Regisseur André Eich und einen wenigstens durchschnittlich erfolgreichen Top-Werfer Tim Menzlaff braucht. Fehlt nur einer dieser drei Faktoren, wird der Weg direkt unheimlich weit. So ähnlich dürfte das wohl Trainer Dennis Werkmeister sehen, der für eine Stellungnahme nach der Partie in der Halle nicht zur Verfügung stand - und das in Westfalen übliche Trainergespräch ebenfalls nicht wahrnahm. Auch SG-Coach Sascha Bertow wartete vergebens auf seinen Kollegen, mit dem er sich gerne ausgetauscht hätte. Eine Antwort muss Langenfeld dafür am nächsten Samstag (19.30 Uhr, Halle Konrad-Adenauer-Gymnasium) gegen den Viertletzten TuS Volmetal finden. Das, was manche neuerdings "Momentum" nennen, haben sie dann nicht mehr auf ihrer Seite.

SG Langenfeld: Joest, Geske - Thöne (2), Heider (3), Wolter (1), Preissegger (6), Klimke (2), Herff, Eich (8/4), Boelken (2), Menzlaff, Nelte (1).

(RP)