Fußball: Hans Strohn: Der ewige Vorsitzende hört auf

Fußball : Hans Strohn: Der ewige Vorsitzende hört auf

Als Chef des VfB Langenfeld erlebte der 74-Jährige alles mit – den Aufstieg in die Fußball-Oberliga und den Kampf gegen hohe Schulden.

Als Chef des VfB Langenfeld erlebte der 74-Jährige alles mit — den Aufstieg in die Fußball-Oberliga und den Kampf gegen hohe Schulden.

Er kann es selbst kaum glauben. "Mir ist das gar nicht so klar, dass das jetzt schon 34 Jahre waren", sagt Hans Strohn, den viele nur "Hansi" nennen. Der Vorsitzende des VfB Langenfeld legt Freitagabend bei der Hauptversammlung sein Amt nieder — und dann geht eine Ära mit vielen Erinnerungen zu Ende. Da ist zum Beispiel der Aufstieg des VfB in die Fußball-Oberliga (1986), die damals die dritthöchste deutsche Klasse war. Auf der anderen Seite steht der folgende Absturz, die heute in der Realität die Kreisliga B ist. Dieses unglaubliche Wechselbad der Gefühle hat Strohn mitbegleitet und mitgestaltet.

Als Achtjähriger trat Strohn im Jahr 1946 dem VfB bei, um das Fußballspielen zu lernen. Der gebürtige Langenfelder zeigte in seiner Rolle als Stürmer ziemlich schnell, dass er hohe Qualitäten besitzt. Einem Probetraining bei Fortuna Düsseldorf und der Aufnahme ins A-Jugendteam folgte aber die schnelle Ernüchterung — weil ein doppelter Bänderriss das Ende der Karriere brachte. "Das war erst das dritte oder vierte Spiel von mir bei Fortuna", erklärt der VfB-Vorsitzende, "nach einem Jahr Pause war an ein Comeback nicht mehr zu denken."

Lediglich in seinem späteren Beruf kam der 74-Jährige immer mal wieder zum Kicken. Der Bankkaufmann arbeitete bei der Landes-Bausparkasse in Solingen und organisierte dort verschiedene Partien gegen Bänker anderer Städte mit. Bereits hier deutet sich an, was immer Strohns große Stärke war — das Knüpfen von Kontakten. Diese Fähigkeit war umso wichtiger, als der Langenfelder 1979 das Amt des Ersten Vorsitzenden übernahm. Sieben Jahre später gelang dem VfB der Aufstieg in die damals drittklassige Oberliga und schon vorher hatte sich der Bedarf an finanzieller Unterstützung mehr und mehr aufgedrängt. "Wir waren natürlich immer wieder auf der Suche nach Sponsoren", berichtet Strohn. Längst war er sich der Tatsache bewusst, dass ohne Geld im Fußball nicht viel zu holen ist — was er tatsächlich bald am eigenen Leib zu spüren bekam. Nach drei Jahren in der Oberliga wurden die Mittel knapper und der langsame Weg nach unten begann.

Nach einigen Anläufen, sich sportlich wieder hochzuarbeiten, musste der VfB die Ausweglosigkeit dieser Idee anerkennen. Schlussendlich gabs dann zur Eurowende eine Plan-Änderung — mit dem Ziel, den Schuldenberg von etwa 200 000 Euro abzuarbeiten. "Eine Insolvenz kam nie in Frage. Das haben wir uns selbst eingebrockt — und da müssen wir auch selbst wieder rauskommen", sagt Strohn.

Weil sämtliche Einnahmen seit 2002 in die Tilgung der Schulden flossen, entstand allerdings ein nahezu unvermeidlicher wie unschöner Nebeneffekt — der sportliche Erfolg blieb aus. Aktuell stecken die erste und die zweite Mannschaft des VfB in der Kreisliga B fest. Andererseits blickt Hans Strohn stolz auf die Finanzen, die jetzt nur noch 6000 Euro im Minus stehen. Strohns Einsatz hat dazu sicher einen sehr großen Beitrag geleistet.

Die sehr aufwändige Arbeit rund um den Verein ging bei Strohn jedoch an die Substanz. "Ich kann es nicht mehr machen", stellt der Rentner mit Nachdruck fest, "ich muss mich mehr um mich selbst kümmern." Den Sport wird er dennoch nie wirklich aus seinem Leben streichen. Seit über 40 Jahren ist Strohn beim benachbarten Tennis-Club Grün-Weiß Langenfeld aktiv, wo er sein Engagement kürzlich schon etwas zurückfuhr. So soll es nun auch im Fußball geschehen. Und der VfB Langenfeld wird es auf jeden Fall glauben müssen.

(mol-)