Handballer verlieren den Faden und das Spiel

Vom 12:9 zum 12:16: Handballer verlieren den Faden und das Spiel

Der Drittliga-Aufsteiger SGL war beim 24:28 in Ahlen auf einem guten Weg, kam aber mit sieben Gegentoren in Folge vom Kurs ab.

Es war klar, dass die Handballer der SG Langenfeld (SGL) nach der Rückkehr in die 3. Liga irgendwann an ihre Grenzen stoßen würden. Wo genau die liegen, ist allerdings noch nicht ganz klar, weil das 24:28 (12:12) bei der Ahlener SG vielleicht vermeidbar gewesen wäre. Langenfeld hatte sich gut vorbereitet und die Gastgeber intensiv studiert – im Video und live an Ort und Stelle bei deren Saisonpremiere vor einer Woche (26:28 beim Longericher SC). Außerdem schien die SGL vor allem im Angriff einiges dagegensetzen zu können, denn die Rückraum-Achse mit Maurice Meurer (elf Tore), Henrik Heider (fünf) und Anrdré Boelken (sechs/davon zwei Siebenmeter) hatte zum Auftakt rund zwei Drittel der Treffer zum 29:29 bei der SG Menden Sauerland Wölfe erzielt. Dann lief aber vieles ziemlich anders und Langenfeld kehrte mit leeren Händen nach Hause zurück.

In Menden rannte der Aufsteiger immer hinterher, diesmal legte er zunächst stets vor – 4:2 (7.), 6:4 (14.), 9:5 (19.), 11:8 (23.), 12:9 (25.). „Wir haben den Gegner in den ersten 20 Minuten beherrscht und wunderbar Handball gespielt“, urteilte SGL-Trainer Jurek Tomasik, „danach haben wir dann vorübergehend die Linie verloren.“ Klar: Langenfeld wäre trotzdem mit einer knappen Führung in die Pause gegangen, wenn sie sich nicht in der letzten Sekunde der ersten Halbzeit einen Fehler mit Folgen geleistet hätte. Ahlens Dimitry Stukalin durfte das Spielgerät noch rechtzeitig in den rechten Winkel wuchten. Tomasik wirkte wenig begeistert: „Das wäre zu vermeiden gewesen.“

Dabei ahnte der Coach allerdings noch nicht, wie gründlich sein Team anschließend vom Kurs abkommen würde. Co-Trainer Markus Becker fasste die Phase direkt nach dem Seitenwechsel knapp zusammen: „Wir haben den Start in die zweite Halbzeit verpennt.“ Tomasik konnte ebenfalls nur staunen: „Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen.“ Ein Grund für die Trendwende lag darin, dass die SGL auf die vielen personellen Umstellungen des Ahlener Trainers Sascha Bertow zuerst gar keine passenden Antworten fand. Besser wurde es auf der Zielgeraden, als die Partie aber entschieden war.

Die Gastgeber legten bis zur 38. Minute ein 16:12 vor und hatten zu diesem Zeitpunkt halbzeit-übergreifend sieben Treffer in Folge erzielt. Beim 16:23 (49.), 17:24 (51.), 18:25 (52.) und 19:26 (54.) lag der Langenfelder Rückstand bei sieben Treffern, ehe er sich letztlich wieder in einem halbwegs erträglichen Rahmen bewegte.

  • Lokalsport : Handball: SGL übernimmt mit 31:28 die Spitze

Der Drittligist lieferte in der Addition der 60 Minuten eine eher mittelprächtige Leistung. „Natürlich ist es ein Vorteil, dass Ahlen auf jeder Position doppelt und dreifach besetzt ist“, fand SGL-Trainer Tomasik, „die erste Viertelstunde nach der Pause müssen wir trotzdem anprangern. Es war klar, dass die mit Wut im Bauch zurückkommen. Wir müssen da auch lernen, uns nicht verrückt machen zu lassen.“ Zur Lektion in Sachen Personal und Taktik kam hinzu, dass die drei aus dem zuletzt überdurchschnittlich auftretenden Langenfelder Rückraum diesmal sehr irdische Werte produzierten. Meurer (vier), Heider (zwei) und Boelken (zwei Siebenmeter) blieben klar unter ihrer Ausbeute vom ersten Spieltag zurück. Erfolgreichste Werfer waren diesmal Felix Korbmacher und Rechtsaußen Dominik Jung (beide fünf Treffer), der immer besser in Schwung zu kommen scheint.

Am nächsten Samstag (19.30 Uhr, Halle Konrad-Adenauer-Gymnasium) bestreitet die SGL nach zwei Auswärtsspielen hintereinander gegen den TSV GWD Minden II ihre Heimpremiere in der 3. Liga 2018/2019. Die Zweite des Handball-Traditionsvereins aus Ostwestfalen war in der vergangenen Serie immerhin Achter in der Abschluss-Tabelle, startete jetzt jedoch mit zwei Niederlagen – 24:29 beim TuS Volmetal, 28:31 gegen den Longericher SC. Langenfeld leitet daraus viel Hoffnung auf den ersten Sieg und eine Partie auf Augenhöhe ab. „Wenn wir gegen Minden gewinnen, haben wir 3:3 Punkte und sind voll im Soll“, meinte Markus Becker. Und wenn nicht? Dann lassen sich eben die Grenzen ein bisschen besser erkennen.

SGL: Riebau, Thommessen – Heider (2), Jung (5), Preissegger (2), Heyde (1), Schirweit (1), Korbmacher (5), Eich (1), Boelken (2/2), Hüfken (1), Raschke, Meurer (4).

Mehr von RP ONLINE