Lokalsport: Handball: Der "Alte" hilft am Super-Samstag

Lokalsport: Handball: Der "Alte" hilft am Super-Samstag

Regionalligist SG Langenfeld kann gegen Bonn den Aufstieg in die 3. Liga klarmachen. Andreas Nelte kehrt aus der Zweiten zurück.

Er spielt und spielt und spielt. Falls Andeas Nelte irgendwann mal seine Karriere beenden sollte, wird er definitiv als der erfolgreichste Handballer in der Geschichte der SG Langenfeld (SGL) abtreten. Als er 2007 von der Burscheider TG kam, spielte Langenfeld noch in der Landesliga. Anschließend war Nelte an sämtlichen Erfolgen beteiligt - von den Aufstiegen in die Verbandsliga und in die Oberliga bis hin zum Triumph im Deutschen Amateurpokal und dem Aufstieg in die 3. Liga. Die musste Langenfeld nach einem Jahr wieder verlassen und Nelte fand, dass es nun Zeit für einen Rückzug in die zweite Mannschaft sei. Was er am Anfang nicht ahnen konnte: Das mit dem ruhigeren Handball-Leben hat sich gerade erledigt. Erstens: Andreas Nelte und die SGL-Zweite haben sehr anständige Chancen, aus der Verbandsliga in die Oberliga aufzusteigen. Zweitens: Weil das Regionalliga-Team (wieder) größere personelle Probleme hat, klopfte dessen Coach Jurek Tomasik an. Ob Nelte aushelfen könne? Natürlich kann er. Also steht der 35-Jährige heute Abend (19 Uhr, Halle Konrad-Adenauer-Gymnasium) im Aufgebot für das Gipfeltreffen des Tabellenführers mit dem Verfolger TSV Bonn rrh. (Zweiter). Gewinnt Langenfeld, ist die Rückkehr in die 3. Liga zwei Runden vor dem Saison-Ende klar. Der Spitzenreiter hat den ersten Matchball.

"Andi ist eine echte Maschine", findet Dennis Werkmeister, der heute Sportlicher Leiter der SGL-Handballer ist und Nelte bestens kennt - weil er mit ihm als Spieler und Trainer zusammengearbeitet hat. Vor zwei Jahren feierten beide gemeinsam den Triumph im Deutschen Amateurpokal und den Sprung in die 3. Liga. Nelte zögerte damals und musste erst von den Kollegen überredet werden, beim Abenteuer mit an Bord zu sein. Da hätte es dann auf der Zielgeraden fast zum Klassenerhalt gereicht, doch trotz des finalen 29:27 über GWD Minden II fehlte ein Punkt zur Rettung. Nelte hatte genau an jenem 6. Mai 2017 Geburtstag und er wurde 35 Jahre Jung. Alt passt bei ihm nicht, obwohl er mit klarem Abstand der älteste SGL-Spieler in erster und zweiter Mannschaft ist.

Die SGL-Zweite trifft heute um 17 Uhr auf die SG Ratingen II und will ihre ohnehin starke Position im Kampf um den Aufstieg untermauern. Eine Besonderheit: Trainer der Gäste ist Leszek Hoft, der als Nachfolger von Heino Kirchhoff und Vorgänger von Dennis Werkmeister mit die Basis für die späteren Erfolge gelegt hat. Wie wichtig Andreas Nelte für die Zweite ist, zeigte sich erst am vergangenen Wochenende, als Langenfeld das Verbandsliga-Spitzenspiel beim TV Ratingen dominierte (31:20). Seine Leistung bestätigte erneut, dass ein "Leihgeschäft" für die erste Mannschaft Sinn ergibt.

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"Wenn Jurek mich braucht, helfe ich gerne", sagt Andreas Nelte, der die Aktion in der ihm eigenen Art für normal hält: "Wenn es funktioniert, habe ich praktisch nichts dazu beigetragen. Es ist echt bemerkenswert, was die Jungs bis jetzt geleistet haben." Bemerkenswert ist auch, wie Nelte den Nachmittag verbringt - denn ihn plagt momentan eine im Training erlittene Bänderverletzung: "Da ist etwas kaputt, aber unser Physio wird mich schon vernünftig zusammenflicken." Weil ihm die Saison in der Zweiten viel Spaß macht, ist er zuerst gegen Ratingen II dabei. Danach wechselt er das Trikot. Und falls tatsächlich alle Puzzleteile an den vorgesehenen Platz fallen, wird Nelte in Kürze einen Rekord aufgestellt haben. Dann ist er mit Langenfeld jeweils zweimal in die Oberliga und zweimal in die 3. Liga aufgestiegen.

Team und Umfeld fiebern dem Spitzenspiel entgegen, denn nur die SGL (42:8 Punkte) und Bonn (37:13) kommen noch für die Meisterschaft in Frage. Gewinnt Langenfeld, ist der Aufstieg perfekt - weil anschließend nur zwei weitere Spieltage folgen. Dann wäre auch der Auftritt am 5. Mai beim Dritten SG Ratingen (37:15) bedeutungslos. SGL-Trainer Jurek Tomasik weiß, was auf dem Spiel steht. Andererseits empfindet er die Partie nicht als Belastung: "Das ist ein angenehmer Druck. Er wird Spaß machen, vor vollen Tribünen zu spielen. Wir werden vorbereitet sein und wir wollen zu Hause gewinnen." Weil nicht nur die zuletzt zwei Mal pausierenden Max Adams und Maurice Meurer angeschlagen sind, ist das Personal ein bisschen knapp. Da tritt eben Andreas Nelte auf den Plan - der spielt und spielt und spielt.

(RP)
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