Motorsport: Getauscht: Bergmeister und der halbe Patrick

Motorsport : Getauscht: Bergmeister und der halbe Patrick

Langenfelder Motorsportler will im neuen Porsche 911 RSR auch in der World Endurance Championship um die Meisterschaft kämpfen.

Für Hartmut Kristen liegt der Fall auf der Hand. "Der 911 — das ist Racing", sagt der Motorsport-Chef der Zuffenhausener bei der Weltpremiere des neuen Porsche 911 RSR auf dem "Circuit Paul Ricard" in Le Castellet (Frankreich). Ein paar Meter weiter stehen seine fahrenden Mitarbeiter, die den schnellen Dienstwagen in der kommenden Saison möglichst weit vorne über die Rennstrecken dieser Welt bewegen sollen. Einer von ihnen ist Jörg Bergmeister, der über das vergangene Jahrzehnt vorwiegend in der American Le Mans Series (ALMS) unterwegs und dort äußerst erfolgreich war. Allein fünf Mal holte der Langenfelder den Fahrertitel — dem zumindest 2013 kein weiterer folgen wird. Jörg Bergmeister übernimmt im Jubiläumsjahr des Porsche 911 andere Aufgaben — und er betritt dabei sportliches Neuland. Jetzt ist der 37-Jährige in der World Endurance Championship zu Hause (WEC), mit der das Werk große Ziele verbindet.

Porsche tritt nach 15 Jahren Pause wieder mit einem eigenen Werks-Aufgebot an, das auf den Namen "Porsche AG Team Manthey" hört. Bekannter Kopf der Mannschaft ist Olaf Manthey, der in der Eifel am Nürburgring zu Hause ist und seit einer halben Ewigkeit als Porsche-Spezialist mit Top-Erfahrung einen glänzenden Ruf in der Szene hat. Für Oliver Hilger, den Leiter der Öffentlichkeits-Arbeit Motorsport bei Porsche, drängte sich diese Lösung fast auf: "Warum sollten wir einen anderen nehmen, wenn wir den Besten bekommen können?" Man-they, der schon alles im Motorsport erlebt hat, freut sich jedenfalls riesig auf die nächste Saison. "Das ist der beste 911er, den es je gab", findet der 57-Jährige, "das Projekt ist etwas ganz Neues und aufregend. Und darauf freue ich mich auch heute noch sehr. Wenn das Feuer nicht mehr brennt, sollte man aufhören."

Bei Jörg Bergmeister sieht Man-they mehrere Qualitäten in Perfektion vereint: "Ich schätze an Jörg seine Grundschnelligkeit und seine Fähigkeit, sich auf die verschiedensten Verhältnisse einzustellen. Er ist schnell und schont dabei trotzdem das Material." Gemeinsam ist beiden auf jeden Fall das Ziel. "Natürlich muss es unser Anspruch sein, zu gewinnen", betont Manthey. Damit rennt er bei Bergmeister offene Türen ein, denn der Langenfelder folgt schon in seiner gesamten Karriere demselben Leitmotiv: "Ich will jedes Rennen gewinnen. Der Zweite ist der erste Verlierer."

Dem Wechsel des Arbeitsplatzes sieht der Porsche-Werksfahrer nicht nur rein professionell, sondern energiegeladen entgegen. "Ich freue mich auf diese Herausforderung", sagt Bergmeister, der sich nach der "Scheidung" vom bisherigen ALMS-Teamkollegen Patrick Long (Kalifornien) lediglich zur Hälfte umstellen musste. Neu im neuen Porsche ist auch der Franzose Patrick Pilet, mit dem sich Bergmeister am Steuer des Porsche 911 RSR mit der Startnummer 91 abwechselt. Verstärkung für die beiden ersten Rennen und die 24 Stunden von Le Mans ist Timo Bernhard aus Dittweiler — ebenfalls ein starker Porsche-Werksfahrer.

Was Bergmeister/Pilet/Bernhard in den kommenden Monaten mit ihrem Arbeitsgerät erreichen können, vermochten die Tests in Frankreich höchstens anzudeuten. "Ich hoffe, wir haben das Auto so weit, dass wir auf allen Strecken zurechtkommen", erklärt Olaf Manthey. Jörg Bergmeister erwartet an der Spitze der Klasse LM GTE Pro einen harten Kampf — unter anderem gegen den Dauer-Rivalen Ferrari, mit dem er früher bereits in den USA immer wieder zu tun hatte. Wer letztlich wie weit vorne liegt, dürfte dann spätestens das Qualifying zum Auftaktrennen am 14. April in Silverstone zeigen. Niemand bei Porsche hätte was dagegen, wenn hinter dem neuen 911er wirklich Racing steckt — verbunden am besten mit einem Top-Resultat.

(RP/top)
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