Erste Mannschaft des VfB bricht auseinander

Fußball : Erste Mannschaft des VfB bricht auseinander

Trainer Herbert Jellitsch wirft dem Verein vor, Zusagen nicht einzuhalten. Der Vorsitzende Manfred Sütterle widerspricht.

Das Geld hat in der über 110-jährigen Geschichte des VfB Langenfeld schon oft eine zentrale Rolle gespielt. In seiner Blütezeit Mitte der 80er-Jahre feierte der Verein den Aufstieg in die Fußball-Oberliga, die damals Deutschlands dritthöchste Spieklasse war. Als die finanzielle Lage immer schwieriger wurde, begann der sportliche Niedergang – der bis in die Kreisliga B führte und den einst so stolzen VfB als Scherbenhaufen mit einer Menge Schulden zurückließ. Im Jahr 2015 waren immerhin die Verbindlichkeiten getilgt, die zwischenzeitlich über 100 000 Euro betrugen. Und in der jüngeren Vergangenheit schien es auch wieder sportlich aufwärts zu gehen an der Jahnstraße. Diese Entwicklung war eng verknüpft mit Herbert Jellitsch, der zu Beginn der Saison 2017/2018 Cheftrainer wurde – und sich seine eigene Mannschaft praktisch direkt mitbrachte.

Gleich im ersten Jahr gelang dem Österreicher und seinen Mitstreitern der Aufstieg in die Kreisliga A, in der sich der VfB in der nun gerade abgelaufenen Saison relativ problemlos den Klassenerhalt sicherte. Nun, da endlich alles glatt läuft, kommt plötzlich allerdings wieder das Thema Geld ins Spiel. „Es wurden von Vereinsseite Zusagen für die kommende Saison nicht eingehalten. Wir wollten für das Trainerteam 200 Euro mehr haben, weil mit dem jetzigen Gehalt kaum die Spritkosten gedeckt waren. Am Ende wollten sogar die Jungs für uns zusammenschmeißen, damit wir bleiben. Es ist schade, denn eigentlich wollten wir in der nächsten Saison angreifen. So verlassen wir jetzt den Verein mit großem Unmut“, sagt Jellitsch.

Manfred Sütterle, seit 2013 der 1. Vorsitzende des VfB, widerspricht dieser Darstellung: „Ich möchte öffentlich bei den Finanzen nicht ins Detail gehen, aber es war jedenfalls nicht so, dass es an 200 Euro mehr für das Trainerteam gescheitert ist. Es war vielmehr so, dass die finanziellen Wünsche von Trainer und Mannschaft für uns nicht zu stemmen waren. Und wir halten uns weiter an unseren Grundsatz, dass wir nichts versprechen, was wir später nicht auch halten können.“ Außerdem habe man sich mit dem Trainer eigentlich bereits Mitte April per Handschlag auf eine weitere Zusammenarbeit geeinigt, ehe kurz vor dem Saisonende weitere Forderungen gestellt worden sein.

Ehe geschieden: Herbert Jellitsch ist nun der Ex-Trainer des VfB und sieht sich momentan nach einem anderen Verein um. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Das Pikante an der ganzen Geschichte: Mit Trainer Jellitsch wird beinahe die komplette erste Mannschaft gehen. „Ich kenne die meisten Jungs von der Pike auf, viele noch aus dem Jugendbereich. Die sind ja alle am Ende nicht wegen des Vereins zum VfB gekommen, sondern wegen meiner Wenigkeit und meines Sohns“, findet Jellitsch, der sich mit der Mannschaft einen anderen Verein suchen will. Derzeit gebe es Verhandlungen mit TuSpo Richrath und der TG Hilgen. Der VfB allerdings will für die „Abtrünnigen“ auf jeden Fall eine Ablösesumme haben – oder ansonsten die Freigabe verweigern und die Spieler dadurch für ein halbes Jahr auf Eis legen lassen.

Für die kommende Saison hat der VfB inzwischen eine Lösung gefunden: Künftig wird in der Kreisliga eine Mannschaft spielen, die sich vor allem aus Spielern der bisherigen zweiten und dritten Mannschaft zusammensetzt. Trainer dieses Teams sind Sven Tonollo und Selcuk Celik, die mit der Zweiten in der zurückiegenden Saison den Aufstieg in die Kreisliga B geschafft haben. Die dritte Mannschaft war zuletzt ebenfalls nur in der Kreisliga C unterwegs.

„Wir sind uns bewusst, dass das eine schwierige Saison wird. Das Ziel ist es, irgendwie den Klassenerhalt zu schaffen“, meint Sütterle, der die Truppe gerne mit dem einen oder anderen Zugang verstärken möchte. Ob sich allerdings gute Spieler finden lassen, die ohne jede Zuwendung auflaufen würden, bleibt abzuwarten. Geld regiert die Welt. Das wissen sie beim VfB aus Erfahrung.

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